Das perfekte Geheimnis - auf KINO&CO

In Wien angesiedelter Actionthriller, in dem eine Frau mit harten Bandagen gegen einen Serienkiller antritt.

Kinostart: 17.01.2017

Die Handlung von Die Hölle - Inferno

Özge schlägt sich als Taxifahrerin mehr schlecht als recht durch und besucht die Abendschule. Beim Thaiboxen im Club ihres Ex-Freundes lässt sie ihrem aufgestauten Frust über ihr zerrüttetes Leben und die nervige Kundschaft freien Lauf. Als sie einen grauenvollen Mord im Nachbarhaus bei der Polizei meldet, wird ihre Bitte um Schutz nicht ernstgenommen. Der Mörder hat es auf sie abgesehen, will die Zeugin loswerden. In ihrer Wohnung kann sie nicht bleiben. Ausgerechnet beim zynischen Cop Steiner findet sie Unterschlupf. Doch sicher ist es auch dort nicht. Ihr Kämpfergeist ist gefordert.

Kritik zu Die Hölle - Inferno

Düsterer Actionthriller, in dem einmal eine Frau den wortkargen, knallharten Einzelkämpfer mimt.

Stefan Ruzowitzky, österreichischer Regisseur des Oscar-prämierten Dramas "Die Fälscher", geht seiner Lust am Genre-Film nach seinen Ausflügen im Ausland mal wieder in deutschsprachigen Gefilden nach. "Die Hölle" befindet sich in (bzw. ein Serienkiller bringt sie nach) Wien, nicht im Postkarten-Wien, sondern in von Benedict Neuenfels aufgenommenen trüben, neon-beleuchteten Straßen, in denen Hauptfigur Özge als "Taxi Driver" unmögliche Kundschaft durch die Nacht chauffiert, und in heruntergekommenen Gebäuden, in denen Özge haust bzw. Thaiboxen trainiert, um ihre seit der von Missbrauch zerstörten Kindheit angesammelten Aggressionen abzubauen.

Die hübsche Newcomerin Violetta Schurawlow mimt diese wortkarge, dauerangespannte Einzelkämpferin und macht ihre Sache sehr gut in der Rolle, die höchsten körperlichen Einsatz verlangt. Aber sie wird in den Schatten gestellt von Tirols Schauspielstar Tobias Moretti, der seinen zynischen Kommissar Steiner spielt als hätte er nie etwas anderes gemacht. Steiner fragt Özge unverschämt nach dem "Türkenboxen" und zuckt mit den Achseln, als sie um Zeugenschutz bittet, nachdem sie die Polizei wegen einer ermordeten und übel zugerichteten Frau aus dem Nachbarhaus gerufen hat.

Der Beginn eines Katz- und Maus-Spiels und Scharmützels, das sich Özge mit dem Serienkiller liefert, das Ruzowitzky mit einer für den deutschsprachigen Film ungewöhnlichen Härte umsetzt und auch vor knalligen Schockmomenten nicht zurückschreckt. Das Scharmützel beinhaltet u.a. eine Autoverfolgungsjagd am Ring und mehrere fiese Frau-gegen-Mann-Kämpfe. In Sachen Härte, düsterer Atmosphäre, cleverem Plot und starken Figuren legte Martin Ambrosch, Autor des vielfach preisgekrönten Rachewesterns "Das finstere Tal" und der hervorragenden Krimiserie "Spuren des Bösen" mit seinem Drehbuch den Grundstock.

Im Showdown wird die Spannung noch mehr angezogen, geht es doch nicht mehr allein um das Überleben der Heldin, sondern auch das des kleinen Mädchens, das sie unter ihre Fittiche genommen hat und das von Steiners dementen Vater (Friedrich von Thun). Beide hat der aus religiösem Wahn handelnde Killer (Sammy Sheik) als Geisel genommen.

Gefangene werden keine gemacht im grimmigen Geschehen, das Tragik und auch ein bisschen Trash beinhaltet. Es reißt mit (und stumpft nicht ab), weil es bisweilen mit Humor gebrochen wird und vor allem seinen zwei abgehärmten Helden auch Menschlichkeit zuspricht. Dass die beiden sich schließlich nicht nur irgendwie miteinander arrangieren, sondern sich gar eine Romanze zwischen ihnen entwickelt, wirkt nicht abgeschmackt, sondern funktioniert, weil die Macher genau wissen, dass bei all dem Spiel mit Genreelementen die Figuren und die Story zumindest eine gewisse Glaubwürdigkeit behalten müssen.

Ein schön dreckiger Thriller, ein starkes Stück Genrekino, von dem man ruhig mehr hierzulande sehen könnte. hai.

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Info

Plakat des Films: Die Hölle - Inferno
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 17.01.2017

Österreich/Deutschland 2016

Länge: 1 h 32 min

Genre: Thriller

Originaltitel: Die Hölle - Inferno

Regie: Stefan Ruzowitzky

Drehbuch: Martin Ambrosch

Produktion: Helmut Grasser, Thomas Peter Friedl

Kamera: Benedict Neuenfels

Website: http://splendid-film.de/die-hoelle