Verstörendes Psychogramm einer Außenseiterin, die wildfremde Menschen am Telefon in eine Gefühlsfalle lockt.

Kinostart: 20.03.2008

Valerie Koch
als Irm Krischka

Esther Schweins

Esther Schweins
als Sina Lehmann

Stefanie Mühlhan
als M

Ivan Shvedoff
als Peter

Franziska Ponitz
als Mutter

Marita Breuer
als Zuralski

Jörg Reimers
als Robert van Aarsen

Piet Fuchs
als Arzt

Bernhard Marsch
als Blumenverk

Charlotte Bohning

Georg Lenzen
als Polizist Rolf

Joanna-Maria Praml
als Businessfrau

Die Handlung von Die Anruferin

Tagsüber arbeitet Irm Krischka (Valerie Koch) in einem Reinigungssalon und pflegt brav ihre kranke Mutter (Franziska Ponitz). Zwischendurch aber, wenn sie ihre Isolation nicht mehr ertragen kann, ruft sie wildfremde Menschen an. Sie verstellt ihre Stimme und gibt sich als hilfsbedürftiges Kind aus, das in einem Krankenhaus vor sich hin vegetiert. Später meldet Irm sich erneut und verkündet mit einer anderen Stimme den Tod des Mädchens - ein bizarres Psychospiel, bei dem sie Sina (Esther Schweins) kennen lernt.

Eine ungewöhnliche Entdeckung ist die verstörende Psychostudie einer Außenseiterin, die am Telefon fremde Menschen in eine Gefühlsfalle lockt. Anleihen bei Hitchcock und Chabrol, Mystery- und Thrillerelemente sowie intensive Darstellerleistungen veredeln die sehr menschliche Parabel.

Wenn sie die Isolation nicht mehr erträgt und Nähe braucht, greift Irm Krischka zum Telefonhörer, verstellt ihre Stimme zu der eines Kindes und bittet darum, getröstet zu werden. Als sie einem ihrer Anruf-Opfer, Sina, die um ihren Mann trauert, tatsächlich in einem Waschsalon begegnet, bahnt sich langsam eine Freundschaft zwischen den beiden Frauen an.

Kritik zu Die Anruferin

Verstörendes Psychogramm einer Außenseiterin, die wildfremde Menschen am Telefon in eine Gefühlsfalle lockt.

Gespaltene Persönlichkeit oder Flucht aus der Einsamkeit? Irm Krischka jedenfalls lebt zwei Existenzen. Die eine als Angestellte eines Reinigungssalons und brave Tochter, die ihre kranke Mutter pflegt, die andere als geheimnisvolle Anruferin unter falschem Namen. Wenn sie die Isolation nicht mehr erträgt und Nähe braucht, greift sie zum Hörer und piepst mit hilfloser Kinderstimme "bitte, bitte, erzähle mit eine Geschichte", mimt das kleine Mädchen, das im Krankenhaus sich selbst überlassen ist. Die so Belogenen lauschen den erfundenen Schicksalen, spenden Trost und kurze Zeit später genießt die junge Frau, die sich mal Magdalena oder Eleonore nennt, das Entsetzen als Überbringerin der Nachricht vom Tod der "Patientin". Dieses Spiel verschafft ihr eine seltsame Lust und das Vergessen eines grauen Alltags ohne Perspektive. Als sie eines ihrer Opfer als Lehrerin und Mutter der imaginären Leah Paulina "testen" will, trifft sie auf die völlig aufgelöste Sina (Esther Schweins), die gerade ihren Mann bei einem Unfall verloren hat. Die Kandidatin wird somit aus dem Telefonbuch gestrichen. Mehr zufällig begegnen sie sich im Waschsalon wieder und ohne größere Regung erzählt Irm, ihre "Tochter" sei an Leukämie verschieden. Die der Wirklichkeit zugewandte Bibliothekarin empfindet eine diffuse Zuneigung zu der fast autistischen Fremden, die aufkeimende Freundschaft zerbricht (erst einmal), als das Netz aus Lügen reißt.

Geschickt verbindet Felix Randau die unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen, für die Glaubhaftigkeit mancher sehr abrupter Wendungen sorgt eine in sich zerrissene Valerie Koch ("Sie haben Knut") mit einer Mischung aus gläserner Puppenhaftigkeit, Unsicherheit und Durchtriebenheit. Ihr Verhalten - ein einziger Schrei nach Liebe, der bisher immer verhallte. Wenn die Handlung sich nach und nach von der Verhaltensstörung auf die Freundschaft fokussiert, beginnt die verwundete Hauptfigur den schmerzhaften Rückzug aus der schützenden Scheinwelt. Das ist noch kein Happy End, aber ein Zeichen von Hoffnung auf das wahre Leben. mk.

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Info

Plakat des Films: Die Anruferin
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 20.03.2008

Deutschland 2007

Länge: 1 h 24 min

Genre: Drama

Originaltitel: Die Anruferin

Regie: Felix Randau

Drehbuch: Vera Kissel

Musik: Thies Mynther

Produktion: Kristina Löbbert, Björn Vosgerau, Ralph Schwingel, Stefan Schubert, Hejo Emons

Kostüme: Sandra Fuhr

Kamera: Jutta Pohlmann

Schnitt: Gergana Voigt

Ausstattung: Peter Menne

Website: http://www.dieanruferin-derfilm.de