Oliver Kalkofes teils schwarzweiße und stets gruselig-komische Parodie auf die Edgar-Wallace-Filmreihe der 60er Jahre.

Kinostart: 20.05.2004

Oliver Kalkofe
als Chief Inspector Even Longer

Bastian Pastewka

Bastian Pastewka
als Inspector Very Long

Tanja Wenzel
als Miss Pennymarket

Anke Engelke
als Doris Dubinsky

Olli Dittrich
als Dieter Dubinsky

Thomas Heinze
als Rather Short

Thomas Fritsch
als Earl of Cockwood

Antoine Monot, Jr.
als Der taube Jack

Christoph Maria Herbst
als Butler Hatler

Oliver Welke
als Dr. Brinkman

Lars Rudolph
als Smeerlap

Wolfgang Völz
als Sir John

André Meyer
als Pomeroy (Pommi)

Daniel Steiner
als Fitzgerald (Fritti)

Eva Ebner
als Miss Drycunt

Grit Boettcher
als Miss Nora

Günther Jauch
als Fernsehmoderator

Handlung

In London verbreitet ein mysteriöser Schurkenmörder, genannt "der Wixxer", Angst und Schrecken unter rechtschaffenen Schwarzwesten wie dem vorgeblichen Mopszüchter Earl of Cockwood (Thomas Fritsch), der hinter den ausladenden Mauern von Blackwood Castle einen schwungvollen Girl-Group-Handel betreibt. Jede Menge Arbeit also für Scotland Yards Inspektoren-Duo Very Long (Bastian Pastewka) und Even Longer (Oliver Kalkofe), denen überdies der erst kürzlich verübte, gewaltsame Tod von Kollege Rather Short (Thomas Heinze) noch schwer im Magen liegt.

Nach den Karl-May-Verfilmungen gerät nun mit den Edgar-Wallace-Filmen die zweite erfolgreiche deutsche Kinoserie der 60er Jahre ins Visier frecher Parodisten. Oliver Kalkofe, Oliver Welke und Bastian Pastewka dichteten das Script, Tobi Baumann inszenierte, und das erprobte TV-Traumpaar Olli Dittrich/Anke Engelke gibt die Overtüre.

Chief Inspector Even Longer und sein neuer Kollege Long machen Jagd auf den dämonischen Wixxer, der die Londoner Unterwelt dezimiert, um selbige übernehmen zu können und der außerdem Longers Kollegen Rather Short auf dem Gewissen hat. Im Visier haben die Cops vor allem den Earl of Cockwood, der auf seinem Schloss nicht nur Möpse züchtet, sondern vor allem einen einträglichen Handel mit Girl-Groups betreibt.

In der Londoner Unterwelt herrscht Panik, denn der Wixxer geht um. Reihenweise meuchelt er finstere Bösewichter, etwa den Mönch mit der Peitsche oder den Buckligen von Soho. Auf seiner Spur: der clevere Inspektor Very Long sowie dessen Chief Inspector Even Longer, deren Kollege Rather Short dem fiesen Mörder bereits zum Opfer fiel. Höchst verdächtig erscheint den beiden Polizisten der Mops-züchtende Earl of Cockwood, der auf seinem Schloss einen einträglichen Handel mit Girl-Groups betreibt.

Kritik

Von wegen Schnellschuss nach dem Erfolg von "Der Schuh des Manitu": Oliver Kalkofes erster Ausflug weg von der Mattscheibe auf die Leinwand, der im vergangenen Jahr in Prag nach einem Drehbuch von Kalkofe und dessen Comedy-Kollegen Bastian Pastewka und Oliver Welke gedreht wurde, ist eine absolut kompetente Parodie auf die neben "Winnetou" zweite erfolgreiche deutsche Filmreihe der 60er Jahre: Edgar-Wallace-Adaptionen. Doch nicht nur diese sogenannten Gruselschocker wurden eingehend studiert, sondern auch die Filme der Spoof-Könige Zucker-Abrahams-Zucker. Von denen klaute die Ratpack-Produktion nämlich nicht nur ein paar Gags, sondern dankenswerter auch das Prinzip, dass man die Vorbilder ernst nehmen muss, damit die Verarschung funktionieren kann.

Wallace-Afficionados werden nicht schlecht staunen, was Kalkofe und Co. alles an bekannten Motiven und Figuren in ihrem Film untergebracht haben. Das beginnt bei der hinreißenden Nonsens-Eröffnungssequenz mit einem Paukenschlag, in der die "Blind Date"-erprobten Olli Dittrich und Anke Engelke als ostdeutsches Ehepaar auf England-Urlaub in einem in tiefstes Schwarzweiß getauchten Wald en passant dem "Hund von Blackwood Castle" (hier "Blackwhite Castle" getauft - das letzte Schloss in Großbritannien in Schwarzweiß!), dem "schwarzen Abt" und den "toten Augen von London" begegnen, bevor der titelgebende "Wixxer" seinen ersten Auftritt hat. Dementsprechend sieht auch das gewählte Personal aus: Kalkofe übernahm den Siegfried-Lowitz-Part als Chefinspektor Even Longer, der sich am tragischen Tod seines alten Partners Rather Short die Schuld gibt. Pastewka steht ihm als Ersatz-Eddi-Arent und neuer Partner Very Long zur Seite. Dazu gibt es durchtriebene Adlige (Thomas Fritsch), propere Maiden, die tatsächlich Millionenerbinnen sind und davon nichts ahnen (Tanja Wenzel), schmierige Dandy-Bösewichte (Lars Rudolph diesmal ehrlich und aufrichtig in den Fußstapfen von Klaus Kinski), stocksteife Butler (Christoph M. Herbst mit Hitler-Bärtchen und rollendem R als Alfons Hatler - sehr komisch!), geheimnisvolle Haushälterinnen und den unvermeidlichen Sir John, dargestellt von Wolfgang Völz, der 1960 tatsächlich in Jürgen Rolands Wallace-Verfilmung "Der grüne Bogenschütze" eine Nebenrolle hatte. Und natürlich gibt es mit dem "Wixxer" einen maskierten Bösewicht, wie sie zur festen Ausstattung gepflegter Wallace-Filme gehörten, der hier aber ähnlich megalomanische Absichten trägt wie 007-Schurken.

Mit erkennbar viel Liebe wurde die letztlich natürlich vernachlässigbare Handlung aus all den bekannten Versatzstücken der frühen Wallace-Adaptionen gestrickt: Während die Polizisten Longer und Long Jagd auf den dämonischen Wixxer machen, der selbst die Londoner Unterwelt dezimiert, um selbige übernehmen zu können, kommen sie auf die Spur des Earl Of Cockwood, der auf seinem Schloss Möpse züchtet und damit seinen regen Handel mit Girl-Groups verdeckt. Durch mysteriöse Schlösser mit Geheimgängen, neblige Moore, verrauchte Spelunken und finstere Hafengelände geht die Hatz, die doch nur das Gerüst bildet für so viele Gags, wie man sie in der Laufzeit von 85 Minuten unterbringen kann. Wer aufgrund des Titels Befürchtungen gehegt hat, Kalkofe und Co. würden beim Humor ihres Films lediglich die unterste Bad-Taste-Schublade aufmachen, sieht sich angenehm getäuscht. Gewiss, es gibt geschmacksfreie Entgleisungen wie "Mrs. Drycunt" und auch eine gewisse pubertäre Vorliebe für Brust- und Penis-Witze, doch in erster Linie haben die Pointen Charme und zudem eine verblüffend hohe Trefferquote. Neben dem wunderbaren Showdown, der aus der Budgetnot eine Tugend macht und eine verrückte Fahrradverfolgungsjagd auf Lager hat, gehören Pastewkas Kurzauftritte als aus "Die Wochenshow" bekannter indischer Rosenverkäufer oder eine Konferenz der gesammelten Bösewichte Londons zu den Höhepunkten. Wie Bully bei "Der Schuh des Manitu" zeigt auch der "Ladykracher"-erfahrene Filmregiedebütant Tobi Baumann ein erfreuliches Gefühl für Kinobilder. Gewöhnungsbedürftig mag Oliver Kalkofe ausgerechnet in der Hauptrolle sein, aber der guten Laune tut auch sein darstellerischer Minimalismus keinen Abbruch. ts.

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Info

Plakat des Films: Der Wixxer
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 20.05.2004

Deutschland 2004

Länge: 1 h 26 min

Genre: Komödie

Originaltitel: Der Wixxer

Regie: Tobi Baumann

Drehbuch: Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka, Oliver Welke

Musik: Andreas Grimm

Produktion: Christian Becker, Oliver Kalkofe, Simon Happ, David Groenewold, Anita Schneider

Kostüme: Janne Birck

Kamera: Gerhard Schirlo

Schnitt: Marco Pav D'Auria

Ausstattung: Matthias Müsse

Website: http://www.weristderwixxer.de

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