Rätselhaft-surrealer, phänomenal besetzter Kriegsfilm von Visionär Terrence Malick.

Kinostart: 25.02.1999

Sean Penn

Sean Penn
als First Sgt. Edward Welsh

Adrien Brody

Adrien Brody
als Corporal Fife

James Caviezel

James Caviezel
als Private Witt

Ben Chaplin
als Private Bell

George Clooney
als Captain Charles Bosche

John Cusack
als Captain John Gaff

Woody Harrelson
als Sergeant Keck

Elias Koteas
als Capt. James "Bugger" Staros

Jared Leto
als Second Lieutenant Whyte

Dash Mihok
als Doll

Nick Nolte
als Lt. Col. Gordon Tall

John Travolta
als Brig. Gen. Quintard

John C. Reilly
als Sgt. Storm

John Savage
als Sgt. McCron

Thomas Jane
als Private Ash

Larry Romano
als Pvt. Mazzi

Miranda Otto
als Marty Bell

Arie Verveen
als Pfc. Dale

David Harrod
als Cpl. Queen

Polyn Leona
als Frau mit Kind

Handlung

1943 legen US-Truppen auf der von japanischen Soldaten gehaltenen pazifischen Insel Guadalcanal an. Unter ihnen ist die C-for-Charlie-Kompanie. Nach tagelangen Märschen durch den Dschungel wird sie am Fuß eines schier uneinnehmbaren Hügels in Kampfeshandlungen verstrickt. Unter dem Druck des Dauerbeschusses müssen die Männer mit ihren schlimmsten Ängsten fertig werden.

Südpazifik, 1942. US-Marines stürmen die von den Japanern besetzte Insel Guadalcanal. Kompanieführer Staros weigert sich jedoch seinen Auftrag - die Erstürmung des Hügels 210 - durchzuführen, da ihm das Risiko für seine Männer als zu groß erscheint. Als sein Vorgesetzter weiter insistiert, ergreift der ehrgeizige Captain John Gaff die Chance, sich durch dieses Himmelfahrtskommando zu profilieren: Trotz geringer Überlebenschancen attackiert er zusammen mit nur sieben Freiwilligen die japanischen Stellungen...

Während sich Kompanieführer Staros weigert, die ihm zu riskant erscheinende Erstürmung eines Hügels einer südpazifischen Insel durchzuführen, wagt der ehrgeizige Captain Gaff mit sieben Freiwilligen den Angriff auf die japanischen Stellungen. Exemplarischer Antikriegsfilm von Kult-Regisseur Terrence Malick, der der Abscheulichkeit des Krieges die Schönheit der Natur gegenüberstellt.

Kritik

Der mit am größten Spannung erwartete Hollywood-Film diesseits von "Eyes Wide Shut": 20 Jahre hatte der Zelluloid-Visionär Terrence Malick verstreichen lassen, um seinen Seventies-Kulthits "Badlands" und "In der Glut des Südens" eine weitere Regiearbeit folgen zu lassen. Tatsächlich wirkt Malicks Verfilmung von James Jones' 1962 erschienenen Roman "The Thin Red Line" über die Erlebnisse einer US-Kompanie beim blutigen Guadalcanal-Konflikt im Jahr 1943, als wäre sie in eben jener letzten großen Phase des amerikanischen Films entstanden, bevor die Blockbuster-Mentalität Kreativität und Innovation in den Hintergrund drängte. Trotz ausgedehnter, mit "Ryan"-Intensität realisierter Schlachtsequenzen poetisch und voll surrealer Schönheit, steht das bis in die letzte Nebenrolle namhaft besetzte Epos über den ewigen Konflikt des Menschen mit der Natur denn auch einem existentialistischen Schlachtengemälde wie "Apocalypse Now" näher als Steven Spielbergs unbedingtem Authentizitätsanspruch.

Tatsächlich könnten zwei Filme über den Zweiten Weltkrieg kaum unterschiedlicher sein. Während Spielberg den Zuschauer nach der hohen Kunst des Überwältigungskinos mit Bildern von erschreckender Echtheit emotional überrollt, sieht sich Malick von jeher als Maler unvergeßlicher Bilder. Ihn interessieren weder die politischen und historischen Zusammenhänge, noch die militärischen Strategien, die einen Großteil von Jones' Buch ausmachen. Wenn bei Spielberg die Landungsschiffe am Strand anlegen, explodiert die Leinwand in einem Bildersturm der Gewalt. Bei Malick gibt es eine beinahe identische Szene, aber bei ihm fällt nach der Agonie vor dem bevorstehenden Gemetzel kein Schuß. Und doch ist der Moment ebenso faszinierend, weil die trügerische Stille nicht weniger unheimlich und beängstigend ist als Schlachtenlärm. "Der schmale Grat" (zwischen Gesundheit und Wahnsinn, so der Roman) ist ein Meisterwerk der Desorientierung: Wenn die C-for-Charlie-Kompanie zum Marsch in den Dschungel von Guadalcanal aufbricht, dann weiß keiner, was ihn erwartet, wo er sich befindet, was an der nächsten Wegbiegung passieren wird. Je länger der Trip durch die unberührte Natur andauert, ohne daß etwas passiert, desto mehr entfalten die minutenlangen, träumerischen Bilder wehender Wiesen eine beklemmend-irritierende Sogwirkung. Aus dem Off räsonniert ein Arsenal von stetig wechselnden Protagonisten mit andächtiger Stimme, mal banal, mal poignant, über die Natur des Krieges, das Leben und den Tod. Langsam erwächst aus dem Mosaik von Momentaufnahmen und Impressionen das komplette Bild einer Kompanie als Organismus, in dem das Individuum eine untergeordnete Rolle spielt. Nicht von ungefähr sieht sich eine Reihe von Akteuren (Newcomer Jim Caviezel, Ben Chaplin, John Cusack, Elias Koteas) zumindest aus der Entfernung zum Verwechseln ähnlich: "Der schmale Grat" ist einer der seltenen Fälle eines Hollywood-Filmes, der mit voller Absicht eine Identifikationsfigur verweigert: Die Hauptrolle spielt die Natur - und Malick hält sie mit Hilfe seines Kameramannes John Toll absolut atemberaubend fest. Wenn man dann schon nicht mehr damit rechnet, bricht die Hölle doch noch los: Zunächst wirkt es, als würden die Amerikaner in diesen elektrisierenden Szenen von der Natur beschossen. Erst nach schier endlosen Kämpfen kann man die ersten Japaner und schließlich eine Ordnung in der Schlacht erkennen. Die Direktiven mögen deutlicher werden, doch Malick verweigert eine dramaturgische Stringenz. Konflikte werden angedacht und wieder fallen gelassen, vermeintlich wichtige Figuren verschwinden unvermittelt aus dem Film, nur um später wieder aufzutauchen, so daß selbst Weltklasseschauspieler wie Sean Penn oder Nick Nolte einen schweren Stand haben (John Travolta und George Clooney sind jeweils gar nur wenige Minuten zu sehen). Und doch ist dieser Kriegsfilm, für den der Krieg nur Mittel zum Zweck ist, über die Lust an Zerstörung und die Vergewaltigung der Natur nachzdenken, ein Werk aus einem Guß, das aufwühlt, weil es konsequent gegen den Strich filmischer Konventionen gebürstet ist, ein Arthouse-Movie für ein 50-Mio.-Dollar-Budget, das sich einzig der persönlichen und ungewöhnlichen Vision seines Machers Terrence Malick verpflichtet fühlt: Wenn er die Realität der Verwüstung in seinem Anti-"Ryan" auf die Surrealität seiner Ideen prallen läßt, dann ist das Ergebnis einzigartig: Wichtiger und dauerhafter als "Der Soldat James Ryan", aber auch weniger greifbar und damit, so ehrlich muß man sein, womöglich weniger kommerziell für ein Massenpublikum. ts.

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Info

Plakat des Films: Der schmale Grat
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 25.02.1999

USA 1998

Länge: 2 h 50 min

Genre: Drama

Originaltitel: The Thin Red Line

Regie: Terrence Malick

Drehbuch: Terrence Malick

Musik: Hans Zimmer

Produktion: Robert Michael Geisler, Grant Hill, John Roberdeau

Kostüme: Margot Wilson

Kamera: John Toll

Schnitt: Leslie Jones, Billy Weber, Saar Klein

Ausstattung: Jack Fisk, Ian Gracie

Auszeichnungen

1 x Berlinale:
  • Lobende Erwähnung für herausragende Kameraarbeit:
    John Toll

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