Auftragskiller verliebt sich in die Schwester seines letzten Opfers. Genretypische Geschichte um einen eiskalten Engel.

Kinostart: 20.11.2003

Die Handlung von Der Poet

Wegen seiner kulturellen Interessen wird der ehemalige russische Geheimdienstoffizier Andrej (Dougray Scott) in Unterweltkreisen "der Poet" genannt: Seit seiner Entlassung aus dem Staatsdienst verdient er sich seine Brötchen, indem er gegen Bezahlung Menschen umbringt. Als er bei einem dieser Aufträge den zufälligen Zeugen und Pressefotograf Stern tötet, plagt ihn das Gewissen. Der Poet besucht Sterns posthume Ausstellung und verliebt sich prompt in dessen Schwester (Laura Harring).

Regisseur Paul Hills ("Boston Kickout") bereichert das Subgenre des Killerfilms um eine Lovestory der tragischen Art in diesem Arthouse-Thriller aus britisch-österreichisch-deutscher Produktion.

Auftragskiller Andrei, genannt "Der Poet", ist ein Phantom, das bei seinem Job nie aus dem Schatten tritt. Bis er sich in die Schwester seines letzten Opfers verliebt, in der er eine verwandte Seele zu erkennen glaubt. Ohne seine Identität preiszugeben, lässt sich Andrei auf das gefährliche Spiel mit unbekannten Emotionen ein, die ihn schließlich erstmals angreifbar machen.

Der ehemalige russische Offizier Andrej arbeitet inzwischen als Auftragskiller. Die Stärke des "Poeten", wie er wegen seiner überdurchschnittlichen Bildung genannt wird: Er hinterlässt niemals Spuren. Da lernt er eines Tages die Schwester seines letzten Opfers kennen. Weil Andrej in Paula eine verwandte Seele zu erkennen glaubt, lässt er sich auf ein gefährliches Spiel voller bisher unbekannter Emotionen ein. Schließlich ist er sogar bereit, für Paula seinen Job aufzugeben. Doch Andrej hat nicht mit der Hartnäckigkeit seiner Auftraggeber gerechnet.

Kritik zu Der Poet

Der einsame Auftragskiller, der einmal Gefühle zulässt und damit seinen Untergang einleitet, hat sich im Kino längst sein eigenes kleines Genre eingerichtet, das eine Reihe von Klassikern, zuletzt "Leon, der Profi", hervorgebracht hat. Ohne die moralisch provokante Beziehungskonstellation Luc Bessons oder die faszinierende Charakterstudie von Jean-Pierre Melvilles "Der eiskalte Engel" leisten zu können, betritt "Der Poet" kein Neuland, sondern führt seine Geschichte von der Erlösung durch den Tod frei von nennenswerten Überraschungen zu ihrem erwarteten Ende. Das reicht für eine solide Auftragsarbeit, aber nicht zu einem effektvollen Hit.

Von Beginn an zitiert diese deutsch-österreichisch-britische Koproduktion die vertrauten Elemente des Genres. Die vom Schotten Dougray Scott ("Enigma") gespielte Titelfigur ist ein angemessen introvertierter Schweiger, der in einem spartanisch eingerichteten Apartment lebt, keine Kontakte zu anderen unterhält, aber Montaigne zitieren kann und sich damit als kultivierter Killer ausweist. Seine Aufträge führen ihn, in pragmatischer Erfüllung der Verpflichtungen einer Koproduktion, von Paris nach Düsseldorf und Wien. In der Donaumetropole wird ein junger Fotograf zufällig Zeuge des jüngsten Attentats des Poeten, der damit seiner Todesbilanz spontan ein weiteres Opfer hinzufügen muss. In der Fotomappe des von ihm ermordeten Künstlers entdeckt der Killer inszenierte Todesbilder, für die die Schwester des Fotografen Modell gestanden hat. Fasziniert von der morbiden Schönheit der Aufnahmen, ahnt er eine Seelenverwandtschaft zur eigenen Todessehnsucht und kontaktiert die Unbekannte, sinnlich dargestellt von Laura Harring ("Mulholland Drive").

Weil sich der Poet verständlicherweise nicht als Killer, sondern als belesenes Mysterium vorstellt, kann sich eine Lovestory entwickeln.

In deren leicht perversen Touch, dem stimulierenden Spiel mit dem Unbekannten und der Gefahr, liegt das innovative Element in dieser Geschichte, dem Regisseur Paul Hills aber nur kurzfristig Aufmerksamkeit schenkt. Und dabei auch unglückliche, weil unfreiwillig komische Verknüpfungen herstellt, wenn Harrings Selbstbefriedigung und Scotts nächster Mord durch Parallelmontage in Beziehung gesetzt wird. So steuert der Film auf ein konventionelleres letztes Drittel zu, in dem der Poet durch die Liebe verändert und damit schließlich auch angreifbar wird. Wenig zu tun in einer kleinen Nebenrolle als Harrings Freundin hat Mavie Hörbiger, etwas mehr Jürgen Prochnow als Polizist, dessen romantische Sehnsucht am Ende genauso unerfüllt bleibt wie der Wunsch des Zuschauers, wirklich berührt und überrascht zu werden. Im Tod allein kann eben nicht jeder Erlösung finden. kob.

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Info

Plakat des Films: Der Poet
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 20.11.2003

Deutschland/Großbritannien/Österreich 2003

Länge: 1 h 40 min

Genre: Thriller

Originaltitel: The Poet

Regie: Paul Hills

Drehbuch: Barbara Jago, Leslie Proctor, Emil Meyer, Robert Hammond

Musik: Marcel Barsotti, Sarah Brendel

Produktion: Arno Ortmair

Kostüme: Claudia Bobsin

Kamera: Roger Bonnici

Schnitt: Horst Reiter

Ausstattung: Harald Turzer