Holocaust-Drama, das hauptsächlich in der Enge eines Zug-Waggons nach Auschwitz spielt.

Kinostart: 09.11.2006

Gedeon Burkhard

Gedeon Burkhard
als Henry Neumann

Lale Yavas

Lale Yavas
als Lea Neumann

Lena Beyerling
als Nina Neumann

Juraj Kukura
als Dr. Friedrich

Sibel Kekilli
als Ruth Zilberman

Roman Roth
als Albert Rosen

Hans-Jürgen Silbermann
als Jakob Noschik

Brigitte Grothum
als Gabrielle Hellmann

Ludwig Blochberger
als Crewes

Die Handlung von Der letzte Zug

Im Frühjahr 1943 planen die Nationalsozialisten die Deportation der letzten verbliebenen Juden in die Todesfabriken im Osten. In den bereit gestellten Viehwaggons der Reichsbahn landet ein bunter Querschnitt der Gesellschaft, von der gutsituierten Arztfamilie über ein junges Liebespaar, vom Künstler bis zum Boxer, Akademiker oder Hilfsarbeiter, Konservativer oder Anarchist. Das alles spielt nun keine Rolle mehr. Beinahe keine mehr, denn viel haben die Gefangenen verloren, aber noch nicht ihre Würde.

Joseph Vilsmaier

1943 werden etliche Juden aus Berlin am Grunewalder Bahnhof zusammengetrieben, um sie ins KZ Auschwitz zu bringen. In einem Waggon werden u.a. ein Doktor mit seiner Familie, ein junges Liebespaar, ein Boxer mit seiner Frau und seinen beiden Kindern gepfercht. Hunger, Durst, Kälte und die Enge machen die Fahrt zur Hölle. Nur zwei Menschen werden den Transport überleben und ihre Erinnerung weitergeben können.

1943 machen die Nazis ernst mit dem "judenreinen" Berlin. Mitte April geht der letzte Zug mit insgesamt 688 Gefangenen nach Auschwitz. Sechs Tage verbringen die Menschen eingepfercht in den Waggons, immer wieder kommt es zu Erschießungen, Todesfällen aus Erschöpfung oder Wassermangel. Aber gleichzeitig verfolgen einige der Männer einen kühnen Plan, sägen in stundenlanger Arbeit die Gitterstäbe durch; doch die zwei Entflohenen werden eingeholt und ermordet. Als letzte Chance bliebe, ein Loch in den Boden zu schaben.

Kritik zu Der letzte Zug

Bewegendes Drama über einen der letzten Judentransporte von Berlin ins Vernichtungslager Auschwitz, mit dem Joseph Vilsmaier und Dana Vavrova an die Emotionalität und Intensität von "Comedian Harmonists" anknüpfen.

Das Thema ist nicht neu und filmisch zur Genüge bearbeitet, könnte man glauben. Aber trotz vieler Vorgänger weckt "Der letzte Zug" neue Aufmerksamkeit, kann sich mit einem der eindringlichsten Werke über die Deportation im Dritten Reich, Oliver Storz' "Drei Tage im April" aus dem Jahre 1995 messen. Im April 1943 wollen Hitlers Anhänger ihren "Führer" mit einem besonderen "Geburtstagsgeschenk" beglücken, dem "judenreinen" Berlin. Nachdem schon 70 000 Juden die Stadt unter Zwang verlassen mussten, steht ein letzter Transport nach Auschwitz an. Gleis 17 am Bahnhof Grunewald: 688 Juden warten auf ihre Verschleppung ins Todeslager. Bellende SS-Schergen pferchen jeweils rund 100 Menschen in einen Viehwaggon, der Start einer Reise in den sicheren Tod. Vilsmaier und Vavrova konzentrieren sich auf einen Waggon mit seinem Mikrokosmos der jüdischen Gesellschaft - darunter das Ehepaar Neumann mit seinen beiden Kindern, ein betagter Kabarettist und seine Pianistin-Gattin, ein bekannter Arzt, die junge lebenshungrige Ruth Zilbermann (Sibel Kekilli) und ihr Freund. Unter menschenunwürdigsten Umständen halten nicht alle durch, ein Eimer Wasser für alle, ein Toiletteneimer für alle. Bevor der Streit um das lebensrettende Nass eskaliert, einigt man sich darauf, stillenden Müttern und Kindern Vorrang einzuräumen. Einige der Nazi-Opfer fügen sich nicht in ihr Schicksal und versuchen, sich während der Fahrt zu befreien, andere flüchten sich in Erinnerungen an die glückliche Vergangenheit oder in die Illusion einer besseren Zukunft am Zielort. Die Fahrt wird immer wieder unterbrochen - mal stehen sie auf dem Abstellgleis, damit Truppentransporte durchrauschen können, mal bedroht sie eine entfesselte ukrainische SS, "die Schlimmsten von allen", mal müssen sie die Erhängung von "Staatsfeinden" am Galgen abwarten. Möglichkeiten zur Flucht zerschlagen sich, trotz durchgesägtem Fenstergitter, zwei jungen Männer stürzen in den Tod. Nur Ruth und ein kleines Mädchen entkommen durch ein gebohrtes Loch im Zugboden, der Rest hat keine Chance. Mit der Handkamera ist Vilsmaier immer ganz nah am Geschehen, fängt Verzweiflung, Hoffnunglosigkeit und Selbstaufgabe ein, aber auch den Willen auf Würde und (Über)Lebensmut. Der Regisseur von Werken wie "Stalingrand" kehrt in Zusammenarbeit mit Vavrova zu alter Stärke zurück, inszeniert hier seinen besten Film seit "Comedian Harmonists". Den beiden gelingen ergreifende Momente ohne spekulative Effekte. Wenn eine Mutter ihr Kind mit trauriger Geste erstickt, um ihm den Hungertod oder Schlimmeres zu ersparen, wenn der Arzt sich und seine Lebensgefährtin durch Selbsttötung erlöst, die Schwächsten das Wasser vom Boden lecken, wird das unfassbare Grauen fassbar. "Der letzte Zug" verzichtet auf jegliche Didaktik oder Pädagogik, erzählt eine erschütternde Geschichte, wie sie so oder so ähnlich passiert ist. Und genau dieser Bezug zur Wirklichkeit trifft ins Mark. mk.

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Info

Plakat des Films: Der letzte Zug
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 09.11.2006

Deutschland 2006

Länge: 2 h 3 min

Genre: Drama

Originaltitel: Der letzte Zug

Regie: Joseph Vilsmaier, Dana Vávrová

Drehbuch: Stephen Glantz

Musik: Christian Heyne

Produktion: Artur Brauner

Kostüme: Jarmila Konecná

Schnitt: Uli Schön