Der wilde Schlag ihrer Herzen: Eine Waltrainerin und ein Kickboxer finden zueinander in Jacques Audiards drittem Meisterwerk in Folge.

Kinostart: 10.01.2013

Handlung

Steph geht in ihrem Beruf als Waltrainerin im südfranzösischen Marineland auf. Der bullige Ali, der samt fünfjährigen Sohn bei seiner Schwester Unterschlupf und schließlich einen Job als Türsteher einer Disco gefunden hat, rettet Steph vor einem prügelnden Gast. Danach gehen beide wieder ihrer Wege. Bis Steph bei einem Unfall ihre Beine verliert. Sie nimmt instinktiv Kontakt zu Ali auf, weil er der einzige ist, von dem sie sich erwartet, dass er sie nicht bemitleiden wird.

Steph geht in ihrem Beruf als Waltrainerin im südfranzösischen Marineland auf. Der bullige Ali, der samt fünfjährigem Sohn bei seiner Schwester Unterschlupf und schließlich einen Job als Türsteher einer Disco gefunden hat, rettet Steph vor einem prügelnden Gast. Danach gehen sie ihrer Wege. Bis Steph bei einem Unfall ihre Beine verliert. Sie nimmt Kontakt zu Ali auf, weil er der einzige ist, von dem sie erwartet, dass er sie nicht bemitleiden wird - und steht ihm bei, als er mit illegalen Kickboxkämpfen ein Zubrot findet.

Die Geschichte einer unmöglichen Liebe, eine Variation von "Die Schöne und das Biest", erzählt Jacques Audiard ("Ein Prophet", "Der wilde Schlag meines Herzens") hier in seinem dritten Meisterwerk in Folge. Das Besondere: Er erzählt sie mit beispielloser Urgewalt als Charakterstudie zweier verlorener Seelen, wobei die von Oscar-Gewinnerin Marion Cotillard in ihrer bislang beeindruckendsten Darstellung gespielte Figur im Zentrum steht, und mit einer Wärme, die neu für sein Oeuvre ist: Großes, muskulöses Kino, das bewegt.

Kritik

Der wilde Schlag ihrer Herzen: Eine Waltrainerin und ein Kickboxer finden zueinander in Jacques Audiards drittem Meisterwerk in Folge.

Cannes 65 hat seinen ersten Höhepunkt: Jacques Audiards "De rouille et d'os/Rust and Bone" mit Oscar-Gewinnerin Marion Cotillard ist nach "Ein Prophet" der zweite Croisette-Triumph des französischen Filmemachers in Folge. Es ist die Geschichte einer unmöglichen Liebe, eine Variation von "Die Schöne und das Biest", in der zwei völlig unterschiedliche Menschen, deren Wege sich aller Wahrscheinlichkeit nach eigentlich gar nicht kreuzen dürfen, feststellen, dass sie ihr Leben ohne die Gegenwart des Anderen nicht mehr führen können. Audiard macht aus der auf den ersten Blick bemühten und konstruierten Prämisse großes Kino und beweist, wie schon in "Der wilde Schlag meines Herzens" und "Ein Prophet", dass zwei Herzen in seiner Brust schlagen: Er ist ein unendlich innovativer Meister des harten Genrekinos, dessen Regeln er sich unterwirft, und ein großer humanistischer Filmemacher in der Tradition von Renoir mit einem untrüglichen Auge für die Umstände des Lebens derer, die nicht mit einem silbernen Löffel im Mund geboren wurden - und damit auch der große Romantiker des europäischen Films.

Zum einen ist da Steph, gespielt von Oscar-Gewinnerin Marion Cotillard in ihrer bislang beeindruckendsten Darstellung, die in ihrem Beruf als Waltrainerin im südfranzösischen Marineland unweit von Cannes aufgeht, zum anderen der bullige Ali - dargestellt vom Belgier Matthias Schoenarts, der in "Bullhead" von sich reden machte - ein Berg von einem Mann, der ganz unten angekommen ist. Ohne Job, ohne Gegenwart, ohne Zukunft, aber mit seinem fünfjährigen Sohn im Schlepptau, der ihm von der Mutter anvertraut wurde, findet er bei seiner Schwester, einer Supermarktkassiererin, Unterschlupf und schließlich einen Job als Türsteher einer großen Disco, wo er eines Abends Steph vor einem prügelnden Gast rettet. Ein kurzer Moment nur, dann gehen beide wieder ihrer Wege. Während Ali schließlich eine Stelle als Sicherheitsmann annimmt und die Chance erhält, bei illegalen Kickboxkämpfen ein bisschen Geld zu verdienen, verliert Steph bei einem schrecklichen Unfall ihre Beine. Von jeglichem Lebensmut verlassen, nimmt sie instinktiv Kontakt zu Ali auf, weil er der einzige ist, von dem sie sich erwartet, dass er sie nicht bemitleiden wird.

Ja, es entwickelt sich so etwas wie eine Liebesbeziehung, das ist vorhersehbar. Unvorhersehbar ist, wie Audiard sie erzählt, offenbar nicht vordergründig getrieben von dem Bedürfnis, eine Handlung weiterzutreiben, sondern als Charakterstudie zweier verlorener Seelen: Der Überlebenskampf wider alle Umstände ist das wiederkehrende Thema Audiards, aber hier nimmt er sich ihm mit einer Wärme an, die neu ist in seinem Schaffen - ohne dass er die Härte vernachlässigen würde. Im Mittelpunkt steht Cotillard, deren makellose Performance von nicht minder makellosen Effekten unterstützt wird - jede Sekunde glaubt man dem Film, dass sie ihre Beine verloren hat -, aber er erzählt mit ihrer Hilfe doch vor allem Alis Geschichte: die Geschichte eines Mannes, dessen unendliche Wut und Aggression ihm den Blick verstellt haben davor, was es bedeutet ein Mann, ein Liebhaber und ein Vater zu sein. Während Steph ihre Welt der Wale in einer erstaunlichen Szene hinter sich lassen muss, um weitermachen zu können, darf Ali in einem nicht minder bewegenden Moment buchstäblich das Eis brechen, das ihn bislang gefangen hielt. Großes Kino. Oder wie ein amerikanischer Kollege schrieb: Wenn "Rust and Bone" am Ende nicht in seiner Top fünf des Festivals landen würde, wäre es ein wahrlich episches Cannes. ts.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 10.01.2013

Frankreich 2012

Länge: 2 h 7 min

Genre: Drama

Originaltitel: De rouille et d'os

Regie: Jacques Audiard

Drehbuch: Thomas Bidegain, Jacques Audiard

Musik: Alexandre Desplat

Produktion: Pascal Caucheteux, Jacques Audiard, Martine Cassinelli

Kostüme: Virginie Montel

Kamera: Stéphane Fontaine

Schnitt: Juliette Welfling

Ausstattung: Michel Barthélémy

Website: http://der-geschmack-von-rost-und-knochen.de

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