Aufwändige und um ein Höchstmaß an Authentizität bemühte Verfilmung von Stefan Austs gleichnamigem Sachbuch über die Geschichte der RAF.

Kinostart: 25.09.2008

Moritz Bleibtreu

Moritz Bleibtreu
als Andreas Baader

Martina Gedeck

Martina Gedeck
als Ulrike Meinhof

Johanna Wokalek

Johanna Wokalek
als Gudrun Ensslin

Nadja Uhl
als Brigitte Mohnhaupt

Jan Josef Liefers
als Peter

Stipe Erceg
als Holger Meins

Bruno Ganz
als Horst Herold

Alexandra Maria Lara
als Petra Schelm

Hannah Herzsprung
als Susanne Albrecht

Niels Bruno Schmidt
als Jan-Carl Raspe

Jasmin Tabatabai
als Hanne

Vinzenz Kiefer
als Peter-J

Heino Ferch
als Dietrich Koch

Simon Licht
als Horst Mahler

Tom Schilling
als Josef Bachmann

Daniel Lommatzsch
als Christian Klar

Sebastian Blomberg
als Rudi Dutschke

Katharina Wackernagel
als Astrid

Anna Thalbach
als Ingrid

Volker Bruch
als Stefan Aust

Handlung

Als Antwort auf Amerikas Krieg in Vietnam, den die deutsche Elite in Politik, Industrie und Justiz unterstützt, gründen linksextreme Radikale 1970 die RAF - die Rote Armee Fraktion. Andreas Baader (Moritz Bleibtreu), Journalistin Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) erklären dem neuen Faschismus und der BRD den Krieg. Horst Herold (Bruno Ganz) jagt die Gruppe, deren brutale Terrorkampagnen im heißen Herbst 1977 gipfeln.

Stefan Austs

September und Oktober 1977 gehen als Deutscher Herbst in die Geschichte ein. Seinen Höhepunkt erlangt er durch die Selbstmorde der RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Esslin und Jan-Carl Raspe in ihren Zellen in Stammheim. Zusammen mit Ulrike Meinhof gehörten sie zur ersten Generation der Roten Armee Fraktion. Nicht zuletzt durch die Ereignisse rund um die Demonstrationen beim Schah-Besuch 1967 in Berlin und dem gewaltsamen Tod Benno Ohnesorgs radikalisieren sie sich zusehends und lösen durch Banküberfälle und Sprengstoffanschläge die größte Fahndung in der Geschichte der BRD aus.

September und Oktober 1977 gehen als Deutscher Herbst in die Geschichte ein. Seinen Höhepunkt erlangt er durch die Selbstmorde der RAF-Mitglieder Baader, Ensslin und Raspe in ihren Zellen in Stammheim. Zusammen mit Ulrike Meinhof gehörten sie zur ersten Generation der Roten Armee Fraktion. Nicht zuletzt durch die Ereignisse rund um die Demos beim Schah-Besuch 1967 in Berlin und dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg radikalisieren sie sich und lösen durch Banküberfälle und Sprengstoffanschläge eine der größten Fahndungen auf Bundesgebiet aus.

Kritik

23 Jahre nach Erstveröffentlichung von Stefan Austs Standardwerk zur Geschichte der RAF kommt die lange erwartete Verfilmung des "Baader Meinhof Komplex" in die deutschen Kinos und wird gleich von Deutschland ins Rennen um eine Oscar-Nominierung geschickt.

Produzent und Drehbuchautor Bernd Eichinger und Regisseur Uli Edel, die schon bei "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" und "Letzte Ausfahrt Brooklyn" zusammenarbeiteten, erzählen in üppigen und angesichts der Fülle des Materials doch knapp bemessenen 150 Minuten die Chronik der damaligen Ereignisse, angefangen bei den Demonstrationen anlässlich des Schah-Besuches 1967 in Berlin und des gewaltsamen Todes Benno Ohnesorgs. Die beiden Kreativen legten dabei größtmöglichen Wert auf eine realitätsnahe Schilderung. So drehten sie die Szenen vor der Deutschen Oper, im Audimax der Technischen Universität Berlins sowie einige Aufnahmen im Gefängnis Stuttgart-Stammheim an Originalschauplätzen. Die Dialoge basieren, soweit möglich, auf überlieferten Gesprächen und für das Setdesign wurde auf Originalfotos zurückgegriffen. Zusammen mit der Kostümarbeit (Birgit Missal) und der manchmal etwas klischeehaften Musikauswahl, wird ein stimmiges Bild der 70er Jahre gezeichnet. Auch bei der Auswahl der Schauspieler legte man nicht nur Wert auf deren Fähigkeiten, sondern auch auf äußerliche Ähnlichkeiten mit den betreffenden Figuren. So liest sich die Besetzungsliste wie das Who-is-Who der deutschsprachigen Schauspielgrößen, angefangen bei Moritz Bleibtreu über Martina Gedeck, Alexandra Maria Lara und Hannah Herzsprung, bis zu Heino Ferch und Bruno Ganz.

Da selbst eine Laufzeit von zweieinhalb Stunden nicht ausreicht die Fülle an Ereignissen, Personen und Hintergründe in ihrer Gänze zu erfassen, konzentriert sich der Film auf wesentliche Wendepunkte. Dies führt allerdings ab und zu zu unlogisch erscheinenden Verkürzungen. Deutlich wird dies z.B. wenn sich die Angeklagten im Stammheim-Prozess über ihre Isolationshaft vor Gericht beschweren, die direkt nachfolgende Szene aber Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Ulrike Meinhof (Gedeck) gemeinsam in einer Gefängniszelle zeigt. Auch die Motivation einzelner Protagonisten wird mehr behauptet, als erzählt. Gerade die Figur des Andreas Baaders wirkt trotz des intensiven Spiels Bleibtreus weitgehend blass. Und auch wenn er tatsächlich nicht viel mehr war als der Egomane, der sich in der Rolle des chauvinistischen aber coolen Outlaws gefiel, als der er in "Der Baader Meinhof Komplex" gezeigt wird, bleibt dadurch die Faszination, die Baader nicht nur auf seine engsten Begleiter ausübte sowie sein späterer Weg in letzter tödlicher Konsequenz nur schwer nachvollziehbar.

Die Filmemacher verzichten in ihrer schnellen Aneinanderreihung von Episoden - Eichinger spricht von einer "Fetzendramaturgie" - bewusst auf eine Wertung und Analyse. Durch die filmische Form bringen sie einem neuen, jungen Publikum, das allerdings über einen gewissen Grad an thematischer Vorbildung verfügen sollte, die Dekade von 1967 bis 1977 nahe. Technisch und schauspielerisch auf hohem Niveau geht diese atemlos inszenierte Terrorchronik berechtigt für Deutschland ins Rennen um die diesjährige Oscarnominierung.

Edel und Eichinger schufen einen Film, der, 31 Jahre nach dem Deutschen Herbst, den deutschen Kinoherbst mit dominieren wird. Dass Zuschauer wie 1986 bei Reinhard Hauffs "Stammheim", nach einem Drehbuch von Stefan Aust, die Filmvorführungen mit Filmrollenklau und Buttersäureangriffen begleiten, müssen sie allerdings nicht fürchten. Dafür polarisieren sie - bewusst - zu wenig. Aber vielleicht sagt dies auch mehr über die heutige Zeit, als über diesen längst überfälligen Film aus. mahe.

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Info

Plakat des Films: Der Baader Meinhof Komplex
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 25.09.2008

Deutschland 2008

Länge: 2 h 30 min

Genre: Drama

Originaltitel: Der Baader Meinhof Komplex

Regie: Uli Edel

Drehbuch: Bernd Eichinger

Musik: Peter Hinderthür, Florian Tessloff

Produktion: Bernd Eichinger

Kostüme: Birgit Missal

Kamera: Rainer Klausmann

Schnitt: Alexander Berner

Ausstattung: Bernd Lepel

Website: http://www.bmk.film.de