Packendes, in beeindruckender, karger Landschaft des Atlasgebirge angesiedeltes Drama, das existenzialistisch und politisch ist.

Kinostart: 09.07.2015

Szenenbild aus Den Menschen so fern mit Viggo MortensenViggo Mortensen

Viggo Mortensen
als Daru

Reda Kateb

Reda Kateb
als Mohamed

Djemel Barek
als Slimane

Vincent Martin
als Balducci

Nicolas Giraud
als Leutenant Le Tallec

Jean-Jérôme Esposito
als Francis

Hatim Sadiki
als Abelkader

Yann Goven
als Rene

Sonia Amori
als Prostituierte

Antoine Laurent
als Claude

Ángela Molina
als Senorita Martinez

Handlung

1954: Weitab vom politischen Geschehen unterrichtet ein "pied-noir", ein Algerienfranzose, im Atlasgebirge algerische Kinder, bis eines Tages ein französischer Soldat ihn auffordert, einen des Mordes angeklagten arabischen Bauern zur Polizeistation in die nächste Stadt zu bringen. Auf der beschwerlichen und gefährlichen Reise durch Berge und Wüste nähern sich die beiden Männer an, der Lehrer muss sich entscheiden, auf welcher Seite er für welche Freiheit kämpfen will.

Kritik

In Venedig galt David Oelhoffens leiser Algerien-Western als Geheimtipp, in München eröffnet er das Filmfest.

Das Gesicht von Viggo Mortensen ist als erstes im Bild. Als Lehrer Daru wartet er ein paar Sekunden, bis er sich den Schülern zuwendet und etwas sagt. Nicht nur ihnen, sondern auch dem Zuschauer, der schnell in diese seltsame und außergewöhnliche Geschichte gezogen wird.

Es ist das Jahr 1954 und Algerien noch eine französische Kolonie. Also wird den algerischen Kindern die Geschichte und Geographie "ihres" Landes erklärt, dem "Mutterland" Frankreich. Ein französischer Soldat befiehlt Daru, den wegen Mordes beschuldigten arabischen Bauern Mohamed zur Verurteilung nach Tinguit zu bringen, wo das Todesurteil seiner harrt. Auf der beschwerlichen und gefährlichen Reise durch das Bergmassiv des Atlas und die Wüste nähern sich die beiden Männer an. Sie geraten immer wieder in Todesgefahr durch Dorfbewohner, die Blutrache fordern und marodierende Reiterhorden. Daru muss sich entscheiden, auf welcher Seite er für welche Freiheit kämpfen will.

In seiner zweiten Regiearbeit nimmt David Oelhoffen Albert Camus' Kurzgeschichte "Der Gast" aus dem Jahre 1957 als Ausgangspunkt und zaubert daraus einen meditativen und unkonventionellen Western. Beide Männer sind Außenseiter, der Täter Mohamed, der sich seinem Schicksal ergeben will, aber auch Daru, als Pied-Noir ein Algerienfranzose, den die Franzosen nicht als ihres gleichen betrachten, die Algerier als Franzose definieren. Der Algerienkrieg ist zwar am Anfang kurz präsent, aber noch nicht wirklich in den Köpfen angekommen, und Oelhoffen hütet sich, ihn als Topos zu benutzen, sondern entwickelt statt dessen eine Charakterstudie von in sich gespaltenen Individuen, die sich ganz anders verhalten als erwartet.

"Den Menschen so fern" wird zum Glücksfall fürs Kino, bei dem alles stimmt, die Kamera und ihre imposanten Bilder einer kargen Landschaft, in der sich die Menschen verlieren, der sehr atmosphärische, aber nie aufdringliche Soundtrack von Nick Cave und Warren Ellis, der die Beziehung zwischen Daru und Mohamed widerspiegelt und die Weite einer noch unberührten Natur. Und natürlich die ideale Besetzung - der immer wieder wandlungsfähige Mortensen und Reda Kateb, französischer Schauspieler mit algerischen Wurzeln. mk.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 09.07.2015

Frankreich 2014

Länge: 1 h 42 min

Genre: Drama

Originaltitel: Loin des hommes

Regie: David Oelhoffen

Drehbuch: Antoine Lacomblez, David Oelhoffen

Musik: Nick Cave, Warren Ellis

Produktion: Marc du Pontavice, Matthew Gledhill

Kostüme: Khadija Zeggaï

Kamera: Guillaume Deffontaines

Schnitt: Juliette Welfling

Ausstattung: Stéphane Taillasson

Website: https://www.facebook.com/denmenschensofern

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