Brillant fotografiertes und provozierend intelligentes Vexierspiel um eine Hand voll moderner Menschen, deren Wege sich in Paris kreuzen.

Kinostart: 01.02.2001

Handlung

Im hektischen Paris von Heute verknüpfen sich unterschiedliche Lebensgeschichten - die von der jungen Schauspielerin Anne, ihrem Freund, dem Kriegsreporter Georges, dessen Bruder, der nicht den Hof des Vaters übernehmen will, einem Musiklehrer malinesischer Abstammung und einer illegal in Frankreich lebenden Rumänin.

Kritik

"Short Cuts für Intellektuelle", so könnte man Michael Hanekes neues Werk umschreiben. Im hektischen Paris von Heute verknüpft der Österreicher unterschiedliche Lebensgeschichten. Aus fragmentarischen Episoden entsteht eine verstörende und pessimistische Gegenwartsbetrachtung. Keine leicht konsumierbare, dafür aber interessante Kino-Kost für Connaisseure, die ihren Kopf nicht an der Garderobe abgeben.

Es geht nicht mehr wie in "Benny's Video" oder in "Funny Games" um nackte Gewalt, sondern sehr subtil um gesellschaftliche Strukturen, die den Menschen unter Druck setzen, um die Ursachen der Gewalt. Michael Haneke ist ein Meister der Beobachtung - die alltägliche Aggression in der Metro, den Partner verletzende Gespräche, Zusammentreffen mit der Polizei, das alles setzt er zusammen als Indizienbündel für soziale Kälte und individuelle Isolation. Lebenswege kreuzen und tangieren sich, verlaufen parallel, versickern in der Anonymität der Großstadt. Fast beiläufig die Vermengung von "großer" Geschichte wie dem Bosnienkrieg, kleinen Ereignissen, die sonst unter "Vermischtes" in der Zeitung stehen, und diversen "Schicksalen" - von der jungen Schauspielerin Anne, ihrem Freund, dem Kriegsreporter Georges, der meistens in Sachen Frontberichterstattung unterwegs ist, dessen Bruder, der sich weigert, den Hof des Vaters (Sepp Bierbichler) zu übernehmen, einem Musiklehrer malinesischer Abstammung und einer illegal in Frankreich lebenden Rumänin, die sich mit Bettelei durchschlägt. Durchgehend roter Faden ist die Reflexion über und die Suche nach der Wahrheit, die subjektiv empfundene sowie die mediale, der Mangel an Kommunikation. Das Fremdsein bezieht sich nicht nur auf die Immigranten, sondern auf alle Protagonisten, für Haneke sorgt die Sprache mit ihren spezifischen Interpretationsmöglichkeiten per se für babylonische Verwirrung. Beeindruckend in diesem manchmal schwer zu durchschauenden Vexierspiel Juliette Binoche, die den Regisseur während des Festivals von Vallodolid anrief und fragte, ob er nicht einen Film mit ihr in Frankreich drehen wollte. Die wandlungsfähige Schauspielerin überzeugt bei ihrer Identitätssuche durch eine optimal austarierte Mischung von Fragilität und Durchsetzungsfähigkeit. Manche Szenen erinnern in ihrer ästhetischen Intensität (brillante Kamera: Jürgen Jürges) an Kieslowskis "Drei Farben: Blau". "Code: Unbekannt" verweigert sich der Reduktion auf ein Thema. Haneke will keine Einwegkommunikation, sondern den autonomen Zuschauer, der sich selber seine Gedanken macht. Er wirft Fragen auf nach der Darstellbarkeit von Wirklichkeit, der Lückenhaftigkeit unserer Wahrnehmung, nach der Definition von ästhetischen und moralischen Kategorien. Das mag für Mainstream-Gewohnte eine Tortur sein, für neugierige Cineasten aber sicherlich eine filmische Offenbarung. mk.

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Info

Plakat des Films: Code: unbekannt
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 01.02.2001

Deutschland/Frankreich 2000

Länge: 1 h 56 min

Genre: Drama

Originaltitel: Code inconnu

Regie: Michael Haneke

Drehbuch: Michael Haneke

Musik: Giba Goncalves

Produktion: Alain Sarde, Marin Karmitz

Kostüme: Françoise Clavel

Kamera: Jürgen Jürges

Schnitt: Andreas Prochaska, Nadine Muse, Karin Hattusch

Ausstattung: Emmanuel de Chauvigny