Brillanter Psychothriller von Michael Haneke über eine gut situierte französische Familie, in deren Alltag Angst und Unsicherheit Einzug hält, weil ihr regelmäßig Videoaufnahmen ihres Zuhauses zugespielt werden.

Kinostart: 26.01.2006

Juliette Binoche

Juliette Binoche
als Anne Laurent

Daniel Auteuil

Daniel Auteuil
als George Laurent

Annie Girardot

Annie Girardot
als Georges Mutter

Maurice Bénichou
als Majid

Lester Makedonsky
als Pierrot Laurent

Bernard Le Coq
als Chefredakteur

Walid Afkir
als Majids Sohn

Daniel Duval
als Pierre

Nathalie Richard
als Mathilde

Denis Podalydès
als Yvon

Aïssa Maïga
als Chantal

Die Handlung von Caché

Fernsehmoderator Georges Laurent (Daniel Auteuil) wohnt zufrieden mit seiner schönen Frau Anne (Juliette Binoche) draußen in der Vorstadt. Eines Tages klopfen dunkle Schatten der Vergangenheit in Form anonymer Postsendungen von unmissverständlichem Inhalt an seine Haustür. Während in der Folgezeit der Medienalltag vollen Einsatz fordert und die Familie nichts Böses ahnt, trüben beunruhigende Veränderungen Georges vormals so gewinnendes Wesen.

Michael Haneke

Anonym werden dem Fernsehmoderator Georges Laurent Videoaufnahmen, in denen seine Wohnung zu sehen ist, und Bilder eines Jungen mit blutendem Mund zugespielt. Beflügelt von Erinnerungen aus seiner Kindheit, in der er den algerischen Jungen Majid mit falschen Anschuldigungen vom heimischen Hof trieb, reagiert Georges zunehmend aggressiv - zumal ihn eines der Bänder vor die Haustür von Majid führt, der allerdings seine Unschuld beteuert.

Dem Fernsehredakteur Georges Laurent und dessen Gattin Anne wird eine Videokassette zugespielt, auf der ihr Haus zu sehen ist. Ein blöder Scherz? Nein. Als weitere Bänder eintreffen, beginnt Georges zu recherchieren. Könnte hinter alledem Majid stecken, jenes algerische Pflegekind, das er einst eifersüchtig vom Hof ekelte? Anne ist empört. Warum hat er ihr nie davon erzählt? George versucht sich zu rechtfertigen, macht Majid ausfindig, der aber seine Unschuld beteuert. Doch Georges glaubt ihm nicht. Mit fatalen Konsequenzen.

Kritik zu Caché

Vor acht Jahren zeigte Michael Haneke noch die Kniffe des Thrillers als publikumsheischende Gimmicks. Jetzt setzt der in Frankreich lebende Österreicher die Stilmittel des Genres in seinem neben "Die Klavierspielerin" zugänglichsten Film ein, um eine Geschichte über eine Familie zu erzählen, deren Verbund nachhaltig erschüttert wird, nachdem ihr zunehmend privatere Videoaufnahmen zugespielt werden. Eine jederzeit nachvollziehbare Studie über das langsame Auflösen des Familienverbunds mit einem sensationellen Daniel Auteuil in der Hauptrolle - zugleich eine wenig kaschierte und kunstvoll in die Textur des Films verwobene Anklage gegen die Aggression, die von der Ersten Welt gegen weniger mächtige Länder ausgeübt wird, von denen man sich bedroht fühlt. Ein Triumph des intelligenten Kunstkinos.

Mehr noch als in seinem bislang besten Film, dem in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichneten "Die Klavierspielerin", dominiert in "Caché" Michael Hanekes filmemacherische Seite über den moralisch überlegenen Lehrer. Sein neuer Film belehrt nicht. Er zeigt. Und das unter Ausschöpfung aller filmischen Mittel, ohne jemals auch nur ein Iota an Schärfe, Prägnanz und unmissverständlicher Aussage zu verlieren. Im Gegenteil. Die oft so penetrante Didaktik eines "Funny Games" oder "Wolfszeit" rückt komplett in den Hintergrund, wenn Haneke sich hier zunächst mit den klassischen Mitteln eines Thrillers seiner klassischen Themen annimmt: der Bedrohung und schließlich langsamen Auflösung des Familienverbandes, dem schmalen Grat zwischen gutbürgerlicher Zivilisiertheit und dem Ausbruch von Aggression und Gewalt. Mit einem simplen Mittel erzeugt der Regisseur sofort die nötige Spannung.

Während des Vorspanns sieht man eine leere Straße und an ihrem Ende ein idyllisches Haus. Der nächste Schnitt offenbart, dass es sich dabei um eine Videoaufnahme handelt, die dem gut situierten Fernsehmoderator Georges Laurent und seiner Frau Anne, einer Verlagsangestellten, zugespielt wurde - eine Ansicht ihres Hauses. Mit jedem weiteren Video nimmt die Unsicherheit und Angst der Laurents zu. Offenkundig hat jemand nicht nur Zugang zu ihrem Privatleben; er weiß auch um die Vergangenheit Georges': Ein Band zeigt den Landbesitz seiner Eltern. Zusätzlich erhält die Familie krude handgezeichnete Bilder, die einen Jungen mit blutendem Mund zeigen. Dieses Motiv spült eine längst verdrängte Erinnerung in George hoch, der sich nach und nach an den algerischen Jungen Majid erinnert, den er als Kind mit erfundenen Anschuldigungen vom heimischen Hof trieb - wovon er seiner Frau nichts erzählt. Dafür reagiert der eigentlich so besonnene Mann zunehmend aggressiv auf seine Umwelt: Wer seine Familie terrorisiert, so zürnt er, der wird einen hohen Preis bezahlen müssen.

War man bislang in das unmittelbare Drama und das Rätsel um die Videobänder involviert, so schält sich nun der klar ausformulierte Subtext von "Caché" immer deutlicher heraus: Festgemacht am Irakkrieg, dessen unvermindert schockierende Bilder in einer langen Sequenz im Hintergrund in den Fernsehnachrichten flimmern, ist dieser Film, der seinen Akteuren und dem Zuschauer zusehends den Boden unter den Füßen wegzieht, auch eine Metapher für das Verhalten der westlichen Industriestaaten, die auf die vermeintliche Bedrohung von Ländern der Dritten Welt nicht mit dem nötigen Bedacht, sondern unverhältnismäßiger Gewalt reagieren. Denn alsbald führt eines der Videobänder zu eben jenem Majid seiner Kindheit, der in einem algerischen Ghetto in Paris lebt und Georges mit dessen Fehlverhalten konfrontiert. Als dieser aufgebracht mit Drohungen reagiert, löst er eine Kette von Ereignissen aus, die in einer selbst in Hanekes wenig zimperlichem Schaffen einzigartig erschütternden Szene mündet. Alldieweil bleibt die Thrillerspannung erhalten, weil Haneke eine Auflösung verweigert, wer genau der Hersteller der Videobänder ist. So clever setzt er die Aufnahmen ein, dass man häufig nicht genau weiß, ob man nun inszenierte Szenen der Handlung sieht oder eben Videos des Unbekannten. Eine perfekte Weise, den Zuschauer in das Geschehen zu implizieren. Es steht Haneke besser zu Gesicht, sich bei Hitchcock und dessen Epigonen zu bedienen als deren Mittel zu kritisieren.

Dass dieses schleichende Horrorszenario funktioniert, ist nicht zuletzt das Verdienst von Daniel Auteuil in der schwierigen Rolle des Georges Laurent. Sehr clever setzt der Schauspieler, blendend unterstützt von Juliette Binoche, auf seinen Ruf als Sympathieträger und Publikumsliebling, der sich spät als Wolf im Schafspelz, als ureigentlicher Aggressor und im Wortsinne Terrorist entpuppt. Wie Haneke hier mit den Erwartungen des Publikums spielt und die Konventionen des klassischen Erzählkinos auf den Kopf stellt, ist mindestens so verstörend wie das weit offene Ende - und eigentlich der ganze Film, in dem stets alles möglich scheint und dessen Intelligenz der Spannung nie im Weg steht. ts.

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Info

Plakat des Films: Caché
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 26.01.2006

Deutschland/Frankreich/Italien/Österreich 2005

Länge: 1 h 59 min

Genre: Thriller

Originaltitel: Caché

Regie: Michael Haneke

Drehbuch: Michael Haneke

Produktion: Margaret Ménégoz, Margaret Ménégoz, Veit Heiduschka

Kostüme: Lisy Christl

Kamera: Christian Berger

Schnitt: Michael Hudecek, Nadine Muse

Ausstattung: Emmanuel de Chauvigny, Christoph Kanter

Website: http://www.cache-derfilm.de/

Auszeichnungen

1 x Cannes: