Klaustrophobisches Drama über eine Kellnerin und einen Golfkriegs-Veteran, die sich in einem Häuschen in der Wüste verbarrikadieren, weil sie sich von Käfern bedroht fühlen.

Kinostart: nicht bekannt

Ashley Judd

Ashley Judd
als Agnes

Michael Shannon

Michael Shannon
als Peter

Lynn Collins

Lynn Collins
als R.C.

Harry Connick
als Jerry Goss

Brian F. O'Byrne
als Dr. Sweet

Luca Foggiano
als Pizza Harris

Handlung

Jahre nach dem spurlosen Verschwinden ihres Sohnes führt Agnes ein ereignisloses Leben als Kellnerin in einer Wüstenbar in Oklahoma. Zu ihrem Horror kreuzt nach zweijähriger Knastpause ihr gewalttätiger Freund Jerry wieder auf, dem allerdings der rätselhafte Fremde Peter in den Weg tritt. Agnes gibt er sich als Veteran des Golfkriegs zu erkennen. Und er gesteht ihr, dass er beständig von Käfern verfolgt wird. Bald schon stimmt sie in Peters Paranoia ein: Um den Käfern zu entkommen, verwandeln sie Agnes Haus in eine mit Alupapier ausgelegte Festung.

Agnes arbeitet als Kellnerin in einer Bar am Rande einer einsamen Landstraße und zittert vor den sporadischen Besuchen ihres um keine Gewalttat verlegenen Ex-Mannes Jerry. Um so erfreuter ist Agnes, als ihre lesbische Kollegin R.C. eines Tages den stillen Peter anschleppt. Peter ist eine einsame Seele wie sie, will nur plaudern, scheint an Sex kein Interesse zu haben und hegt eine diffuse Angst vor Käfern bzw. Leuten, die ihn mittels Käfer überwachen. Im Laufe der Zeit lässt sich Agnes von seiner Paranoia anstecken.

Ein junger Drifter fühlt sich von Gott und der Welt verfolgt und findet in einer einsamen Raststellenwirtin eine Seelenverwandte. Klaustrophobisches Horrorkammerspiel aus Altmeisterhand.

Kritik

Gegen den paranoiden Insektenwahn, in den Ashley Judd von einem schizophrenen Fremden gezogen wird, hilft in William Friedkins brillanter Psycho-Tour-de-Force kein Kammerjäger mehr.

Als drogenaffine Kellnerin Agnes läuft Ashley Judd zu beklemmender Höchstform auf, wenn sie bei ihrer resoluten Kollegin R.C. (Lynn Collins) freundschaftlich-lesbische Geborgenheit sucht, die ihr der frisch aus dem Knast entlassene Ex-Mann Jerry (Harry Connick Jr. als massive Bedrohung) wieder aus dem Leib prügelt. Vollkommene Glaubwürdigkeit und subtiles Gespür für die Figuren und ihre Lebenswelt beweist Regie-Veteran Friedkin von Beginn an. Auch sonst fällt das von Tracy Letts nach eigenem Bühnenstück verfasste, kammerspielartige Psychogramm, das unbeirrt auf ein Schockende zurast, reichlich aus dem Rahmen gewohnter Kost. Zu authentisch die Emotionen und die Charaktere, zu intensiv und pathologisch die Geistesstörungen, als dass man sie als Ausgeburt eines Drehbuchs eingrenzen könnte.

Leise beginnt der verstörende Trip, der fast nur in Agnes' schäbiger Motel-Bleibe spielt - zunächst mit zurückhaltenden Akteuren, etwas Telefon-Stalking hier, ein verdächtiges Rotorengeräusch von Helikoptern da. Bis Agnes in ihrer Misere auf den Sonderling Peter (ebenfalls famos: Michael Shannon) stößt, der ihr Herz gewinnt, aber auch ihren Verstand raubt. Peter glaubt an eine Art "Akte X"-Super-Verschwörung der Regierung, deren nächste Auswirkungen imaginäre Käfer sind, die er überall in seiner Nähe entdeckt. Die anfängliche Manie für die Tierchen, angeblich Ergebnisse geheimer Militärexperimente, erweist sich bald als krankhafte Wahnvorstellung, welche die labile Agnes nach und nach übernimmt. Im mit Insektenfallen gepflasterten Zimmer entgleitet sie der Realität und Freundin R.C., verschanzt sich vor den fremden Parasiten, die sie und Peter im eigenen Körper wähnen, im mit Alufolie ausstaffierten Interieur. Unbeugsam steigert sich Friedkin mit diesem cineastischen Befreiungsschlag ganz ohne Plotpoints und dramatischen Wendungen zu einem furiosen Crescendo, das mit erschütternder Selbstverstümmelung und unerwartet krassen Gewalttaten endet und konsternierte Zuschauer zurücklassen wird - aber zugleich mit einem irren Method-Acting-Spektakel und einem selten so konsequenten Abstieg in die Abgründe der menschlichen Psyche begeistert. New Hollywood im "Saw"-Zeitalter. tk.

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Info

Plakat des Films: Bug

Kinostart: nicht bekannt

USA 2006

Genre: Thriller

Originaltitel: Bug

Regie: William Friedkin

Drehbuch: Tracy Letts

Produktion: Gary Huckabay

Kostüme: Peggy A. Schnitzer

Kamera: Michael Grady, Darrin Navarro

Ausstattung: Franco-Giacomo Carbone

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