Groteske Improvisationskomödie mit Sacha Baron Cohen, der als enthusiastischer junger Mann aus Kasachstan auf Entdeckungsreise in den USA geht.

Kinostart: 02.11.2006

Sacha Baron Cohen

Sacha Baron Cohen
als Borat Sagdiyev

Ken Davitian
als Azamat Bagatov

Pamela Anderson

Pamela Anderson
als Pamela Anderson

Handlung

Der kasachische TV-Journalist Borat (Sacha Baron Cohen) soll im Auftrag von Volk und Vaterland nach Amerika reisen, um die Heimat mit detaillierten Erkenntnissen über die westliche Kultur zu befruchten. Voller Stolz brechen Borat und sein Azamat Bagatov (Ken Davitian) auf ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, um sich sogleich an grenzenlos unfreundlichen New Yorkern die Zähne auszubeißen. Weiter geht die Expedition quer durchs Land von Ost nach West, um erstens den Amerikanern ihre Geheimnisse zu entlocken und zweitens Traumfrau J.C. (Pamela Anderson) zu erobern.

Nach dem Leinwandabenteuer seiner Kunstfigur Ali G lässt Britanniens Bad-Taste-Komiker numero uno Sacha Baron Cohen nun seinen beliebten Außenreporter Borat von der Kinokette. "Seinfeld"-Co-Macher Larry Charles inszenierte das erhellende Vergnügen.

Borat glaubt an sein Kasachstan, an sein Heimatdorf, an die Traditionen des Landes, zu denen Prostitution, Korruption und Waffenschieberei gehören. Vom Innenministerium wird Borat ausgesucht, in die USA zu reisen und dort über die Gebräuche und Gewohnheiten der Menschen zu lernen, auf das sein Kasachstan davon profitieren möge. Bei seiner Reise quer durchs Land erlebt Borat echte Menschen in echten Situationen.

"Das ist meine Schwester, sie ist Nummer vier Prostituierte von Kasachstan!" verkündet der Parade-Kasache Borat, Über-Chauvi, Hobby-Onanist und glühender Pamela-Anderson-Fan stolz vor laufender Kamera. Als Repräsentant seines geliebten Heimatlandes reist er durch die Vereinigten Staaten, um - siehe Untertitel - "Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen". Er lernt Land und Leute kennen, hautnah - und macht sich ob seiner direkten Art (viel) mehr Feinde als Freunde.

Kritik

Jagshemash! Mit seinem Roadtrip durch das finstere Herz Amerikas liefert der britische Komiker Sacha Baron Cohen den Filmspaß des Jahres. Nach dem Triumph beim Filmfest in Toronto sollte der wüsten Sketchrevue das Tor zum Welterfolg offen stehen.

"Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation Kasachstan zu machen", verrät der unerhörte Untertitel. Er passt wie die Faust aufs Auge. Zum einen ist "Borat" ja auch ein unerhörter und unerhört komischer Film. Zum anderen umfasst dieser eine in radebrechendem Deutsch formulierte Satz das grobe Handlungsgerüst sowie das Prinzip des nur auf den ersten Blick so derben und schamlosen, eigentlich aber ziemlich listigen Humors. Wie Fans von Sacha Baron Cohen und seiner "Da Ali G Show" auf MTV, wo die Titelfigur des Films mit sagenhaften Sketchen bekannt wurde, wissen, ist Borat Sagdiyev ein freundlicher und stets positiv gestimmter junger Mann aus Kasachstan mit Schnauzbart und billigem grauen Polyesteranzug, der als Fernsehreporter die westliche Welt bereist und seinen oftmals arrivierten Interviewpartnern aus Politik und Gesellschaft mit völ-lig unschuldig geäußerten und ausgesprochen schockierenden rassistischen, frauenfeindlichen und antisemitischen Ansichten vor den Kopf stößt. Der Clou daran ist, dass Zurechtweisungen, wenn überhaupt, meist sehr bedächtig erfolgen: Cohen macht sich zunutze, dass die wenigsten seiner Gesprächspartner einen Funken Ahnung von Kasachstan und den dortigen Gepflogenheiten haben. Im schlimmsten Fall sehen sie nur ihre Vorurteile bestätigt - wie sie um Fassung ringen und versuchen, nun ihrerseits Borat nicht vor den Kopf zu stoßen, macht den Spaß aus - sofern die freimütigen Äußerungen über Minderheiten nicht eine ungeahnte Komplizenschaft in den Menschen wecken, die Borat so trifft. Insofern ist es albern, Cohen (wie von höchst offizieller Seite geschehen) vorzuwerfen, er ziehe Kasachstan, Juden oder eine andere seiner Zielscheiben durch den Kakao: Vielmehr fühlt er damit seinen Gesprächspartnern und dem Zuschauer selbst auf den Zahn.

Dass der bitterböse Humor auch auf Filmlänge trägt und sich über 80 Minuten Laufzeit nicht abnutzt, liegt daran, dass Cohen und sein Regisseur Larry Charles nicht versuchen, eine Story auf Teufel komm raus witzig zu gestalten, sondern zuerst auf die Gags und dann erst auf die Geschichte schauen: "Borat" ist eine zu einem Film zusammengestöpselte Sketchparade, ohne jemals zusammengestöpselt zu wirken: Aus 300 Stunden Filmmaterial, das, mitunter auf Video oder mit versteckten Kameras gedreht, teils aus authentischen Aufnahmen, teils aus gestellten Szenen besteht, stellte Charles, erfahren in Sachen improvisierter Komödie dank seiner Beteiligung an der in den USA immens erfolgreichen HBO-Comedyserie "Curb Your Enthusiasm" (das Vorbild für die Pro-Sieben-Reihe "Pastewka"), eine Art Reisetagebuch zusammen von einem, der aus seinem mit Vergewaltigern, Huren und Judenhassern angefüllten Heimatdorf in Kasachstan auszog, um in den "U.S. and A." das Fürchten zu lernen: Eine groteske Szene jagt die andere, wenn Borat sich querfeldein durch Amerika ackert, um in Los Angeles seine Traumfrau Pamela Anderson zu ehelichen. Nie vergisst er seinen kulturellen Auftrag, eine Doku zu drehen und mit Würdenträgern, Frauengruppen und Pastoren zu konferieren, bei Rodeos den (frei erfundenen) Text der kasachischen Nationalhymne zur Melodie von "Star Spangled Banner" anzustimmen, sich von einer Gruppe grimmiger Homeboys Gettoslang beibringen zu lassen oder einfach nur Amerikaner mit seiner Anwesenheit zu irritieren. Ohne Rücksicht auf Verluste und eigene körperliche Versehrtheit wirft sich Cohen mit anarchistischer Selbstaufgabe ins lebensgefährliche Geschehen und verschafft dem Zuschauer nicht nur irre Einblicke in amerikanische Zeiten und Sitten, sondern auch noch das unerhörteste Stück nackten Männerwrestlings der Filmgeschichte. Oder mit den Worten von Borat: Happy times! ts.

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Info

Plakat des Films: Borat
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 02.11.2006

USA 2006

Länge: 1 h 25 min

Genre: Komödie

Originaltitel: Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan

Regie: Larry Charles

Drehbuch: Dan Mazer, Anthony Hines, Sacha Baron Cohen, Peter Baynham

Produktion: Sacha Baron Cohen, Dan Mazer

Kostüme: Jason Alper

Kamera: Luke Geissbuhler, Anthony Hardwick

Schnitt: James Thomas, Craig Alpert, Peter Teschner

Website: http://www.borat-derfilm.de/

Auszeichnungen

1 Golden Globe:

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