Nach "Der Soldat von Oranien" erzählt Paul Verhoeven in seinem ersten europäischen Film seit 21 Jahren erneut eine kompromisslose Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg.

Kinostart: 10.05.2007

Carice van Houten

Carice van Houten
als Rachel Stein

Sebastian Koch

Sebastian Koch
als Ludwig M

Thom Hoffman
als Hans Akkermans

Waldemar Kobus
als G

Halina Reijn
als Ronnie

Derek de Lint
als Gerben Kuipers

Christian Berkel
als General K

Dolf De Vries
als Notary Smaal

Peter Blok
als Van Gein

Michiel Huisman
als Rob

Frank Lammers
als Kees

Matthias Schoenaerts
als Joop

Ronald Armbrust
als Tim Kuipers

Johnny de Mol
als Theo

Handlung

Die in Berlin gefeierte jüdische Revuesängerin Rachel Stein (Carice van Houten) findet in Holland Zuflucht vor den Nazis. Beim Versuch, sich in den sicheren Süden zu retten, gerät ihre Familie in einen Hinterhalt und wird bis auf Rachel ermordet. Um sich an denen zu rächen, die ihre Angehörigen verraten haben, schließt sie sich dem Widerstand an. Sie lässt sich als Spionin Ellis de Vries bei den Nazis einschleusen. Der deutsche Offizier Müntze (Sebastian Koch) fasst Vertrauen zu ihr, und als eine Befreiungsaktion brutal scheitert, taucht sie mit ihm unter.

Hollands Regie-Export Paul Verhoeven ("Starship Troopers") kehrt nach Europa zurück und widmet sich 30 Jahre nach "Der Soldat von Oranien" wieder dem Zweiten Weltkrieg. Sein actionreicher Thriller in opulenten Bildern bietet eine emotionale Tour de Force.

Nach der Ermordung ihrer Eltern bei deren Versuch, sich während des Zweiten Weltkriegs in den sicheren Süden der Niederlande zu retten, schließt sich die jüdische Revuesängerin Rachel dem Widerstand an. Sie will Rache an denen üben, die ihre Familie verraten haben. Schnell entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem nicht nur den Nazis die Schurkenrolle zufällt. Ausgerechnet auf deutscher Seite findet Rachel einen ihrer größten Unterstützer.

Nach der Ermordung ihrer Eltern bei deren Versuch, sich während des Zweiten Weltkriegs in den sicheren Süden der Niederlande zu retten, schließt sich die jüdische Revuesängerin Rachel dem Widerstand an. Sie will Rache an denen üben, die ihre Familie verraten haben. Schnell entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem nicht nur den Nazis die Schurkenrolle zufällt. Ausgerechnet auf deutscher Seite findet Rachel einen ihrer größten Unterstützer - was sie gleichzeitig in Gewissensnöte und Lebensgefahr bringt.

Kritik

Mit seinem groß angelegten Epos über menschliche Tragödien im Holland während des Zweiten Weltkrieges vermag Hollywoods unbequemster Blockbuster-Regisseur Paul Verhoeven im Wettbewerbsprogramm der 63. Biennale inhaltlich, emotional und stilistisch zu überzeugen.

Zurück zu den Wurzeln heißt es für den niederländischen Filmemacher Paul Verhoeven. Nach zwei aufregenden Jahrzehnten Hollywood, in der er die Kinowelt mit künstlerisch bemerkenswerten Kassenschlagern wie "Total Recall" oder "Basic Instinct" bereichert hat, ist er in seine Heimat zurückgekehrt, um "Zwartboek" zu realisieren. Auf den ersten Blick nicht unbedingt eine Verhoeven-typische Geschichte - sieht man mal von seinem packenden Zeitpanorama "Der Soldat von Oranien" (1977) ab -, handelt es sich doch um die während des Zweiten Weltkrieges angesiedelte Leidensgeschichte der Jüdin Rachel Stein, die - einst in Berlin gefeierte Sängerin - nun in Holland Unterschlupf vor den Nazis gefunden hat. Was folgt, ist eine einzige Tour de Force, eine Aneinanderreihung menschlicher Tragödien, die Rachel durchzustehen, aber auch unbewusst mitzuverantworten und vor allem zu überleben hat. Zunächst verliert die Tochter aus gutem Hause bei einem Hinterhalt sämtliche Familienmitglieder. Dann lässt sich Rachel, die sich inzwischen Ellis de Vries nennt, als Spionin des holländischen Widerstands bei den Nazis einschleusen. Doch der Plan, sich an den verhassten Besatzern und Mördern ihrer Eltern zu rächen, missglückt. Ein Doppelspion hat die Sache an den Feind verraten, der ein Blutbad unter den Nazi-Gegnern anrichtet. Und schließlich verliert Ellis kurz nach Kriegsende auch noch den einzigen Menschen, für den sie etwas empfindet - durch die Dummheit eines Rückgrat-losen kanadischen Offiziers.

Mit "Zwartboek" ist Verhoeven wahrhaft Großes gelungen. Das beginnt schon bei der Annäherung an dieses brisante Thema. Denn bei ihm wird nicht schwarz-weiß gezeichnet. Jeder hat Dreck am Stecken, egal zu welcher Seite er gehört. Da gibt es den ehrenwerten Freiheitskämpfer, der gleichzeitig mit den Nazis kollaboriert und diesen reiche Juden ans Messer liefert. Aber auch den ranghohen SS-Offizier namens Müntze, der begriffen hat, dass der Krieg längst verloren ist. Um noch mehr Blutvergießen zu vermeiden, arbeitet er mit dem holländischen Untergrund zusammen, was ihm letztlich zum Verhängnis wird. Dieser Müntze wird verkörpert von Sebastian Koch, der nach seiner feinen Hauptrolle in "Das Leben der Anderen" hier erneut eine vielschichtige Figur meistert. Dennoch steht er im Schatten eines weiteren Deutschen, Waldemar Kobus, hierzulande vielbeschäftigter TV-Darsteller, von Verhoeven für die große Leinwand entdeckt. Seine Performance des überheblichen, eiskalten und gefühllosen Nazi-Schergen Franken stellt selbst Ralph Fiennes' Figur des Amon Goeth aus "Schindlers Liste" in den Schatten. Und ihm gegenüber steht die umwerfende Carice van Houten, Heldin, Hure, Heilige in Personalunion, eine Mata Hari, die nichts mehr zu verlieren hat und daher Tag für Tag alles riskieren kann. Van Houten, bei uns bisher nur durch eine Rolle in dem beachtenswerten Kinderfilm "Lepel" in Erscheinung getreten, erinnert mit ihrem unbekümmerten und freizügigen Spiel an Monique van de Ven, Heldin der Verhoeven-Filme "Türkische Früchte" und "Das Mädchen Keetje Tippel".

Wie man es hier überhaupt mit einem typischen Verhoeven-Film zu tun hat. So färbt sich van Houten, bevor sie zu den Nazis geht, nach dem Motto "wenn schon, dann perfekt" die Schamhaare blond, was Erinnerungen an die Verhörszene aus "Basic Instinct" wachruft. Dann wieder zeigt der Filmemacher - schonungslos und in Nahaufnahme wie zu besten "Flesh & Blood"-Zeiten - das von einer Kugel zerfetzte Gesicht jenes Anwalts, dessen titelgebendes "schwarze Buch" auch den letzten Verräter offenbaren wird. So ist Verhoevens erste Arbeit seit sechs Jahren nicht nur aus handwerklicher Sicht - von Karl Walter Lindenlaubs kompromissloser Kamera bis hin zu Wilbert van Dorps Setdesign - geglückt, sondern auch inhaltlich. Denn der Holländer geht nicht nur mit seinen Landsleuten, vor allem in ihrem unreflektierten Umgang mit vermeintlichen Nazi-Kollaborateuren, hart ins Gericht, sondern hält auch noch eine Botschaft bereit, die heute gültiger denn je ist: Das Kriegsende bedeutet noch lange nicht das Ende des Krieges. lasso.

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Info

Plakat des Films: Black Book
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 10.05.2007

Deutschland/Großbritannien/Niederlande 2006

Länge: 2 h 34 min

Genre: Drama

Originaltitel: Zwartboek

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: Paul Verhoeven, Gerard Soeteman

Musik: Anne Dudley

Produktion: San Fu Maltha, Jeroen Beker, Teun Hilte, Jens Meurer, Frans Gestel, Jos Linden

Kostüme: Yan Tax

Kamera: Karl Walter Lindenlaub

Schnitt: Job ter Burg

Ausstattung: Wilbert Dorp

Website: http://www.blackbook-derfilm.de

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