TV-Drama um den Kampf eines Familienvaters gegen die Sekte Scientology.

Kinostart: nicht bekannt

Silke Bodenbender

Silke Bodenbender
als Gine Reiners

Felix Klare

Felix Klare
als Frank Reiners

Kai Wiesinger

Kai Wiesinger
als Dr. Gerd Ruppert

Nina Kunzendorf
als Helen Berg

Suzanne von Borsody
als Ursula Friedrich

Paula Schramm
als Angela

Sabine Postel
als Karin Clasen

Robert Atzorn
als Ludwig Clasen

Victoria Trauttmansdorff
als Familienrichterin

Hubertus Hartmann
als Klaus Kaiser

Jessy Teichert
als Sarah Reiners

Kritik zu Bis nichts mehr bleibt

Das Szenario erinnert lebhaft an George Orwells Roman "1984": Gepredigt wird die totale Freiheit, gefordert wird die totale Unterwerfung. Niki Stein schildert in seinem erschütternden Fernsehfilm den authentischen Kampf eines Scientology-Aussteigers um sein Kind.

"Bis nichts mehr bleibt" ist der treffende Titel dieses von Teamworx produzierten SWR-Films. Rahmenhandlung der Geschichte ist eine Gerichtsverhandlung, in der Frank Reiners (Felix Klare) seiner Frau Gine (Silke Bodenbender) das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter entziehen will. In Rückblenden wird erzählt, wie erst Frank und dann auch Gine in den Sog der Psycho-Sekte geraten, wie sie sich immer mehr darin verstricken, immer abhängiger werden; bis Frank beinahe zu spät erkennt, dass er seine Seele verkauft hat.

Gerade die Verknüpfung von Rahmen und Rückblende ist äußerst geschickt: Immer wieder wechselt der Film die Ebenen, um während des Prozesses bestimmte Bezeichnungen oder Entwicklungen zu erklären. Die Welt der Sekte bleibt dennoch fremd; ganze Dialoge der Mitglieder untereinander klingen wie sinnloses Kauderwelsch. Dass die Verhandlung dennoch mitunter wie Fußnotenfernsehen wirkt, weil Franks Anwältin (Suzanne von Borsody) aufs Stichwort die passende Interpretation liefert, lässt sich vermutlich nicht vermeiden.

Entscheidend sind ohnehin die beiden Hauptfiguren. Das sympathische junge Pärchen soll signalisieren, dass nicht bloß weltfremde Spinner mit psychischen Problemen zu den potenziellen Opfern der Sekte gehören, sondern dass es jeden treffen kann. Frank studiert Architektur, hat Angst vor der Prüfung und leidet unter den erdrückenden Erwartungen seines Schwiegervaters (Robert Atzorn). Als ihn ein Freund der Familie (Kai Wiesinger) bei Scientology einführt, ist Frank dankbar, endlich ernst genommen zu werden. Dabei hat die Sekte eigentlich Gine im Visier, über die sie an das Geld ihres Vaters rankommen will.

Felix Klare (Stuttgarter "Tatort"-Kommissar") verkörpert Franks Wandlung sehr nachvollziehbar: Erst macht sich der junge Mann über die seltsamen Tests lustig, aber dann wird er sich langsam seines neuen Selbstvertrauens bewusst. Als auch Gine in die Sekte eintritt und eine glänzende Scientology-Karriere hinlegt, während er bei Veranstaltungen die Stühle abräumen darf, dämmert Frank endlich, dass er bloß Mittel zum Zweck ist.

Obwohl Stein darauf verzichtet, Scientology zu dämonisieren, ist die Botschaft klar; der Film verdeutlicht mit Nachdruck, wie perfekt die Gehirnwäsche funktioniert. Ein klug geschriebenes, zurückhaltend inszeniertes Drama, das sich ganz auf die Wirkung der Schauspieler verlässt (in weiteren Rollen: Nina Kunzendorf, Sabine Postel, Victoria Trauttmansdorff). Stein macht es dem Publikum allerdings nicht leicht; erst recht nicht mit dem Schluss. tpg.

Filmvorschläge

Wertung Questions?

FilmRanking: 61937 >99

Filmwertung

Redaktion
-
User
-
Deine Wertung

Action

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Humor

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Gefühl

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Spannung

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Anspruch

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Info

Plakat des Films: Bis nichts mehr bleibt

Kinostart: nicht bekannt

Deutschland 2009

Genre: Drama

Originaltitel: Bis nichts mehr bleibt

Regie: Niki Stein

Drehbuch: Niki Stein

Musik: Jacki Engelken

Produktion: Nico Hofmann, Benjamin Benedict

Kostüme: Anette Schröder

Kamera: Arthur W. Ahrweiler

Schnitt: Barbara Hennings

Ausstattung: Dominik Kremerskothen