Dramatischer Rache-Thriller von Fatih Akin mit Diane Kruger angelehnt an die von der Neonazi-Terrorgruppe NSU verübten Anschläge.

Kinostart: 23.11.2017

Handlung

Phänomenal in ihrer ersten Rolle in deutscher Sprache: Diane Kruger als Ehefrau und Mutter, die für Gerechtigkeit alles tut.

Katja (Kruger) und ihr türkischer Ehemann Nuri (Numan Acar) sind ein starkes Team. Sie haben geheiratet, als er wegen eines Drogendeals im Gefängnis saß. Seitdem hat er sein Leben geändert und für Sohn Rocco eine solide Existenz aufgebaut. Sie wohnen schick am Stadtrand, aber sein Steuer- und Übersetzungsbüro liegt in ihrem alten Hamburger Türken-Kiez.

Direkt vor dem Haus reißt ein Bombenanschlag das Leben der Familie auseinander. Nuri und Rocco werden getötet. Katja erinnert sich an eine junge blonde Frau, die sich verdächtig machte. Doch statt die Spur zu verfolgen, geht die Polizei zunächst von einem Verbrechen in der türkisch-kurdischen Szene aus.

Katja und Anwalt-Freund Danilo (Denis Moschitto) lassen nicht locker, bis ein Neonazi-Pärchen in den Mittelpunkt der Ermittlungen rückt. Katja will Gerechtigkeit – für sie gibt es keine Alternative.

Klar denkt man an die Morde des NSU bei Fatih Akins („Gegen die Wand”) kompromisslos-aufwühlendem Thriller, der abrechnet mit dem Terrorismus unserer Zeit. Ein Film über die Opfer und darüber, was es bedeutet, Rache zu üben. Und über die Liebe einer Frau zu ihrer Familie, über den Tod hinaus. Diane Kruger, die in Cannes für die Rolle als Beste Darstellerin geehrt wurde, ist schlicht eine Wucht.

Kritik

Die Rückkehr von Fatih Akin nach Cannes ist eine emotionale Angelegenheit. An der Croisette gewann der Hamburger drei Jahre nach dem Goldenen Bären für "Gegen die Wand" gleich beim ersten Auftritt im Wettbewerb mit "Auf der anderen Seite" den Drehbuchpreis. Zwei seiner Dokus liefen in Cannes, bereits 2005 war er als Mitglied der Jury in Südfrankreich gewesen. Und dann natürlich "The Cut", für den Thierry Frémaux 2014 keinen Start im Wettbewerb versprechen wollte und der von Akin daraufhin zurückgezogen wurde. Und nun die Rückkehr des verlorenen Sohnes mit "Aus dem Nichts", gleich im Jahr eins nach "Toni Erdmann" ist nun wieder ein Film eines deutschen Filmemachers im Wettbewerb.

Auch der Film selbst ist eine emotionale Angelegenheit. Dass er dem Zuschauer hier in Cannes als vorletzter der Presse gezeigter Film des Wettbewerbs so an die Nieren geht, mag damit zu tun haben, dass man immer noch damit beschäftigt ist, die Nachricht vom Terroranschlag in Manchester zu verdauen, bei dem Kinder und Jugendliche bewusst als Ziel ausgewählt wurden. Vielleicht mehr als jeder andere Film in Cannes ist "Aus dem Nichts" ein Produkt der Zeit, in der wir leben. Und er geht sein Thema an, als wolle Fatih Akin mit dem Kopf durch die Wand. Metaphern oder Gleichnisse oder Anspielungen sind die Sache dieses Dramas nicht. Es ist direkt, unmittelbar, schnörkellos, schonungslos und konsequent.

Und Diane Krüger in ihrer ersten deutschsprachigen Hauptrolle ist eine Offenbarung als Katja, die ihren türkischen Ehemann Nuri geheiratet hat, als er wegen eines Drogendelikts im Gefängnis saß und die sich mit ihm seit seiner Entlassung und nach der Geburt ihres Sohnes Rocco eine solide Existenz aufgebaut hat. Sie wohnen außerhalb der Stadt in einem schönen Haus, aber ihr Herz gehört immer noch ihrem Kiez in Hamburg. Gleich in den ersten Minuten des Films reißt ein gezielter Bombenanschlag Nuri und Rocco aus dem Leben. Katja hatte eine junge blonde Frau noch angesprochen, die ihr brandneues Fahrrad mit Schalenkoffer vor Nuris Geschäft angelehnt hatte, ohne es abzuschließen. Dennoch ermittelt die Polizei erst in der türkischen und kurdischen Szene, bis schließlich ein junges Pärchen Neonazis unter dringendem Tatverdacht verhaftet wird.

Ein Hamburg des ewigen Regens ist "Aus dem Nichts" in diesem so emotionalen und düsteren ersten Teil, dem die Gerichtsverhandlung folgt, hell, nüchtern, sich nur auf die Fakten konzentrierend: Ein Moment, in dem Katja die Angeklagte attackiert, verweist klar auf "Der Fall Bachmeier", nicht zuletzt, weil dessen Regisseur Hark Bohm wie schon bei "Tschick" Akin bei der Arbeit am Drehbuch unterstützt hat: Das zweite Kapitel bedingt den abschließenden Teil des Films, der den Schauplatz wechselt und in Griechenland spielt. Es sollte allerdings nicht mehr verraten werden, als dass Katja dort eine folgenschwere Entscheidung treffen muss, die der Geschichte noch einmal einen ganz neuen Dreh gibt. Natürlich sind die Morde des NSU der Katalysator des Films, in den Fatih Akin seine ganze Wut und Verzweiflung kanalisiert. Aber "Aus dem Nichts" ist noch mehr: Er hat seine Handlung so geschickt konstruiert, dass sich aus der Prämisse eine noch provokativere Betrachtung über den Ursprung von Terrorismus in unserer Zeit entwickelt. Es ist ein Film über die Opfer - die Täter finden nur am Rand statt. Aber es geht auch darum, was es bedeutet den Spieß umzudrehen und Rache zu üben. Die letzten Bilder liegen einem noch lange nach Filmschluss wie ein Mühlstein im Magen. ts.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 23.11.2017

Deutschland/Frankreich 2017

Länge: 1 h 46 min

Genre: Drama

Originaltitel: Aus dem Nichts

Regie: Fatih Akin

Drehbuch: Hark Bohm, Fatih Akin

Musik: Joshua Homme

Produktion: Herman Weigel, Ann-Kristin Hofmann, Nurhan Sekerci-Porst, Fatih Akin

Kostüme: Katrin Aschendorf

Kamera: Rainer Klausmann

Schnitt: Andrew Bird

Ausstattung: Tamo Kunz

Website: http://www.warnerbros.de/kino/aus_dem_nichts.html

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