Flüchtlingsdrama unter umgekehrten Vorzeichen: Europäer suchen Schutz in Afrika...

Kinostart: nicht bekannt

Fabian Busch

Fabian Busch
als Jan Schneider

Maria Simon

Maria Simon
als Sarah Schneider

Athena Strates
als Nora Schneider

Ben Gertz
als Nick Schneider

Kritik

Aufbruch ins Ungewisse - Bewegendes Flüchtlingsdrama als Zukunftsdystopie, in der Europäer in Afrika Schutz suchen

WDR und Degeto trauen sich was und schließen an große Fernsehfilmzeiten der 70er Jahre an, als Autoren und Regisseure wie Wolfgang Menge, Tom Toelle und Wolfgang Petersen mit Straßenfegern wie "Das Millionenspiel" oder "Smog" auch einen Blick auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen mit polarisierenden Geschichten aus einer nahen, dystopischen Zukunft wagten. Ganz so spektakulär ist das Flüchtlingsdrama "Aufbruch ins Ungewisse" vielleicht nicht geraten, aber die Kraft zur Polarisierung, zum kontroversen Diskurs und zum überraschenden Erkenntnisgewinn beim Zuschauer kann es schon entwickeln. Und durch das überzeugende Spiel aller Darsteller besteht auch die Chance, dass viele, die dieses bewegende Drama zur besten Sendezeit sehen, für die so raffiniert gespiegelten Vorgänge mehr Verständnis und Empathie entwickeln. Schon die Prämisse der Geschichte ist eine leise Provokation: In der nahen Zukunft regieren in Europa rechtsgerichtete Regime. EU und Gemeinschaftssinn sind Vergangenheit, die Erben von AfD und FPÖ, von Orban und Erdogan gehen gegen Andersdenkende und Andersgläubige vor. Täglich verschwinden Menschen spurlos. Wer sich für sie einsetzt, riskiert sein Leben. Auch dem Anwalt Jan Schneider, sehr eindringlich gespielt von Fabian Busch, droht eine erneute Verhaftung. Mit Frau (hervorragend wie immer: Maria Simon) und zwei Kindern (Athena Strates ist eine echte Entdeckung!) will er in die südafrikanische Union fliehen, wo Prosperität und Freiheit herrschen. In maroden Schlauchbooten werden sie vor der Küste von Namibia abgesetzt - ein Staat, der gerade beschlossen hat, alle Flüchtlinge zurück zu schicken. Schon bei der Ankunft können die Schneiders nur ihr nacktes Überleben sichern und selbst das ist ungewiss, weil ihr Sohn seit den Schrecken der Landung verschollen ist. Es ist schon dreist, wie in dieser verkehrten Welt die uns allen geläufigen Bilder kopiert werden: Verzweifelte, in diesem Fall europäische Flüchtlinge, zusammengepfercht auf Booten oder in Lastwagen, in denen kaum Luft zum Atmen bleibt; Flüchtlings- und Asylbehörden ohne Anflug von Empathie, die die Ankommenden als Nummern behandeln und zum Ausharren in Lagern zwingen, ohne große Hoffnung auf eine neue Zukunft; Szenen der Ablehnung durch die Zivilbevölkerung, der Verzweiflung der Internierten und der rigorosen Abschiebung in das Ursprungsland erinnern natürlich verblüffend an die täglichen Nachrichten. Es ist erstaunlich, was die Autoren Eva und Volker A. Zahn und Regisseur Kai Wessel alles in 90 Minuten unterbringen. Umso höher ist die Sorgfalt der Dramaturgie und der Inszenierung zu loben. Ob auch die guten Absichten der Filmemacher von den Zuschauern honoriert werden, mag dahin gestellt bleiben. Es ist schon toll, dass sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen und seine besten Macher - selten aber doch - an brisante Themen in dieser ungewöhnlichen Form heranwagen. uh.

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Info

Plakat des Films: Aufbruch ins Ungewisse

Kinostart: nicht bekannt

Deutschland 2017

Genre: Drama

Originaltitel: Aufbruch ins Ungewisse

Regie: Kai Wessel

Drehbuch: Eva Zahn, Volker A. Zahn

Produktion: Kirsten Hager, Eric Moss

Kamera: Nicolay Gutscher

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