Berlin, 1989: Charlize Theron bringt die zukünftige Hauptstadt mit
einem Action-Feuerwerk zum Kochen.

Kinostart: 24.08.2017

Handlung

Kurz vor dem Fall der Berliner Mauer wird die MI6-Agentin Lorraine Broughton (Charlize Theron) nach Berlin geschickt.

Zusammen mit David Percival (James McAvoy), ihrem örtlichen Kontaktmann des britischen Geheimdienstes, soll sie den Tod eines Geheimagenten aufklären. Möglichst unauffällig, schließlich ist die politische Lage in der Stadt schon prekär genug.

Doch so gut die Top-Killerin es MI6 gewöhnlich ist, wenn es um Undercover-Einsätze geht, fliegen bei der hochexplosiven Mission schon bald die Fäuste und Kugeln.

Den Oscar hat sie längst in der Tasche. Jetzt scheint Charlize Theron die Krone als Hollywoods weibliche Action-Ikone ins Visier genommen zu haben.

Als Imperator Furiosa in „Mad Max: Fury Road“ und als Cipher in "Fast & Furious 8" hat sie in den letzten zwei Jahren beeindruckend vorgelegt. Ihr Action-Meisterwerk liefert sie aber mit dem kompromisslosen Agenten-Thriller "Atomic Blonde" ab.

Mit James McAvoy und John Goodman stehen ihr dabei nicht nur weitere exzellente Schauspieler zur Seite. Regisseur und Ex-Stuntman David Leitch ("John Wick“) ist ebenso Action-Experte wie Sofia Boutella ("Kingsman: The Secret Service", "Die Mumie"). Die sorgt als französische Agentin Delphine mit Charlize Theron für einige der heißesten Momente im Film.

Die Messlatte liegt bei dem kompromisslosen Action-Thriller sehr hoch, hat sich doch seit Jason Bourne niemand mehr so schön durch Berlin geprügelt wie Charlize Theron.

Kritik

Adaption des Comicromans "The Coldest City", in der Charlize Theron im Berlin kurz vor dem Mauerfall als Superagentin zwischen alle Fronten gerät.

John Wick darf sich über eine ebenbürtige Schwester freuen. Als nahe Verwandte von Uma Thurman in "Kill Bill" und Angelina Jolie in "Salt" hinterlässt Charlize Theron im West- und Ostberlin in den aufgewühlten letzten Tagen des Kalten Krieges eine regelrechte Schneise der Verwüstung, die auch Keanu Reeves in seinem schwarzen Maßanzug Respekt abringen dürfte. Egal, wie man zu allem steht, was bis dahin in diesem wild geplotteten Spy Game vorgefallen ist, am Ende geht es doch nur um diese eine Szene nach etwa zwei Drittel Laufzeit, über die seit der Weltpremiere von "Atomic Blonde" im März auf dem SXSW Festival in Austin gesprochen wird - eine fast zwölfminütige Sequenz, die so aussieht, als habe sich der Kampf von Beatrix Kiddo gegen unzählige Horden japanischer Schlimmfinger im Haus der blauen Blätter mit der Unmittelbarkeit von "Victoria" noch einmal neu erfunden: mit einer Handkamera und vermeintlich ungeschnitten gefilmt setzt sich die atomblonde britische Superagentin Lorraine Broughton in einem alten Wohnhaus zunächst im Treppenhaus, dann in einer Wohnung, dann wieder im Treppenhaus zur Wehr, kämpft sich mit dem ihr Schutzbefohlenen nach draußen, rast in einem gestohlenen Wagen die Straße herunter und schüttelt ihre Verfolger ab, um schließlich im Fluss zu landen und unterzugehen. Aufregender und atemberaubender kann eine Actionszene nicht sein. Sie versöhnt auch umgehend damit, dass die Prämisse doch nur wenig mehr ist als pure Kulisse für ein an grellen Oberflächenreizen überbordendes Spektakel.

So sehr der Film auch betonen mag, an den Ereignissen rund um den 9. November 1989 interessiert zu sein, wird doch jeder bestätigen können, der die Zeit kurz vor dem Mauerfall miterlebt hat, dass die Menschen auf beiden Seiten der Mauerstadt längst nicht so superlässig und stilbewusst gekleidet waren, dass Untergrundclubs eher abgeratzte Kellerlöcher waren, wie sie Oskar Roehler jüngst in seinem "Tod den Hippies! Es lebe der Punk!" gezeigt hat, und nicht aussahen wie das opulenteste SM-Bordell der Menschheitsgeschichte, und dass man Ende der Achtziger lauthals ausgelacht worden wäre, wenn man tatsächlich noch den poppigen Synthiewave und NDW-Musik von Beginn des Jahrzehnts gehört hatte. Egal. Atomic Blonde will auch weniger ein moderner "Der Spion, der aus der Kälte kam" sein, sondern nutzt seine bei John le Carré entlehnte Plotprämisse nur, um den Comicroman "The Coldest City" publikumsträchtig als ebenso pubertäre wie transgressive Hipster-Fantasy zu erzählen, mit einer strapsbewehrten Amazone im Mittelpunkt, die als Babe in Boyland auch noch den tätowiertesten Macker aus den Springerstiefeln haut und trotz fortwährenden Hantierens mit großkalibrigen Waffen Zeit für heißen lesbischen Sex findet. Ehrensache, dass sich an der Schauspielerin, die gerade erst als Imperator Furiosa der Endzeit die Flötentöne beigebracht hat, auch harte Hunde wieJames McAvoy, John Goodman oder Roland Møller auf beiden Seiten der bröckelnden Mauer die Zähne ausbeißen. Aber wenn sich der Staub gelegt hat auf der fortwährend Haken schlagenden Handlung, dann bleibt die eine Szene, die eingangs erwähnt wurde. Für sie allein hat David Leitch seinen Platz im Genre-Olymp sicher. ts.

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Info

  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 24.08.2017

USA 2017

Länge: 1 h 55 min

Genre: Action

Originaltitel: Atomic Blonde

Regie: David Leitch

Drehbuch: Kurt Johnstad

Musik: Tyler Bates

Produktion: A.J. Dix, Kurt Johnstad, Beth Kono, Eric Gitter, Kelly McCormick, Peter Schwerin

Kostüme: Cindy Evans

Kamera: Jonathan Sela

Schnitt: Elísabet Ronaldsdóttir

Ausstattung: David Scheunemann

Website: http://www.atomicblonde-film.de

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