Drama vom Regisseur von "A Touch of Sin" über eine Liebe, die die Jahrzehnte überdauert und dabei einen Gegentwurf zu John Woos "The Killer" liefert.

Kinostart: 21.02.2019

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Kritik

Drama über eine Liebe, die die Jahrzehnte überdauert und doch zum Scheitern verurteilt ist.

Man muss sich das so vorstellen: Da steht "The Killer" von John Woo aus dem Jahr 1989, bis heute der Film, an dem sich alle asiatischen Gangster- und Actionfilme messen lassen müssen, wie ein Monolith in der Mitte, und Jia Zhangke verbringt zweieinhalb Stunden damit, dieses Denkmal des Hongkong-Kinos mit kleinen, gezielten Meißelhieben zu dekonstruieren, neu zu formen, neu zu denken, mit seinen eigenen Ideen von Leben, Loyalität, Liebe und Kino zu erfüllen. "The Killer" und das Heroic-Bloodshed-Kino, das Woo definiert und zu ungeahnten künstlerischen Höhen geführt hat, sind das Leitbild, durchziehen "Ash Is the Purest White" wie ein roter Faden, manchmal offensichtlich, wie wenn Jia den Titelsong von Sally Yeh ebenfalls über seinen Titeln abspielt oder wenn die Gangster um ihren Anführer Bin einen Woo-Film im Fernseher ansehen, meist aber fast unmerklich, wie ein Echo, dessen Themen der Regisseur mit seinem eigenen Weltbild in Einklang bringt. Das ist doppelt aufregend, weil die chinesische Unterwelt mit ihren strengen Ehrenkodizes zwar immer wieder in seinen Filmen auftaucht (siehe "A Touch of Sin", Jias Meisterwerk von 2013, das in Cannes den Drehbuchpreis gewann), aber diese Welt nie im Mittelpunkt einer seiner Arbeiten stand - und er sich nun dem Genrekino widmet, von dem am Ende nicht viel übrig ist, weil sein Film zwar beginnen mag wie eine "East Side Story", sich dann aber zu einem faszinierenden, zwei Jahrzehnte umspannenden Epos entwickelt, in dem Zeit und Land seinen Protagonisten alle Hoffnung rauben.

Am Anfang ist also 2001. Qiao ist die Freundin von Bin, ein Provinzgangster in Datong, ein großer Fisch in einem kleinen Teich, der mit Umsicht und nach alten Ehrenregeln für Ordnung sorgt in seinem Revier. "Jianghu" nennen sie das, basierend wohl auf alter Wuxia-Literatur, ein Überbegriff für die Welt der Kampfkünste. Qiao liebt Bin bedingungslos, aber sie will mehr sein als nur die Freundin des Chefs. Sie will dazugehören, das entspricht ihrem wilden Naturell und ihrer Weltsicht. Schneller als ihr lieb sein kann, erhält sie die Gelegenheit, als Nachwuchsgangster Bin in einer sehr harten Szene auf der Straße mit brutaler Gewalt attackieren. Qiao geht mit einer Schusswaffe dazwischen und zahlt einen hohen Preis dafür: Nach fünf Jahren im Gefängnis wird sie in ein China entlassen, das nicht mehr das Ihre ist - und in dem auch Bin nicht mehr der Ihre ist, der nicht nur nicht wie erhofft am Gefängniseingang auf sie wartet, sondern sich auch sonst verleugnen lässt. Was schließlich in das letzte bittersüße Segment in der Gegenwart mündet, in dem sich zwar der Kreis schließt, aber die geschlagenen Wunden offen bleiben.

Überragend ist nicht nur die Vision des Regisseurs, der in den einzelnen Segmenten klug auf vergangene Arbeiten wie "Still Life" verweist und damit das eigene Oeuvre als ewigen Work in Progress ausweist, sondern vor allem seine Hauptdarstellerin, Zhao Tao, die Ehefrau und Muse des Regisseurs, die seit "Still Life" in allen Filmen von Jia Hauptrollen gespielt hat: Ihre Darstellung dieser ungewöhnlich starken, eigenwilligen und stolzen Frau, die jeden noch so großen Schmerz hinter einem ungerührten Pokerface verbirgt und am Schluss alles gewonnen, aber doch das, was sie sich am meisten ersehnt, verloren hat, ist allemal einer Palme würdig. Zumindest darf sie sich zum Favoritenkreis zählen, wobei auch der Film selbst einer der Gewinner des Festivals sein darf. ts.

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Info

Plakat des Films: Asche ist reines Weiß

Kinostart: 21.02.2019

China 2018

Genre: Drama

Originaltitel: Jiang hu er nv

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