Unterkühlter Großstadt-Reigen mit Figuren, die weniger Liebe als eine Waffe verbindet.

Kinostart: 15.04.1999

Chris Hohenester
als Chris von Than

Wilfried Hochholdinger

Wilfried Hochholdinger
als N.K.

Ulrike Panse
als Liv

RP Kahl
als Patrick

Dave Allert
als Jan C.

Laura Tonke
als Jil

Doreen Jacobi
als Tanja

Eva Habermann
als Svenja

Handlung

Undercover-Cop NK verkauft der eleganten Fotografin Iris eine Waffe, die das gute Stück nur zu Schauzwecken behalten will. Sie schleppt den Provinz-Musikus Jan ab, der die Pistole findet und sich aus Versehen anschießt. Dem Jungen Robby, nächster Besitzer, wird die Waffe von Patrick geklaut. Der überredet die kleine Nutte Liv, sie auszuprobieren. Iris findet ihn in einer Blutlache.

Junge, unangepasste Großstadthelden lassen sich Flipperkugeln gleich durch den Neon-Dschungel Berlins katapultieren. Beispielsweise die Fotografin Iris, die wenig zimperlich nach einem perfekten Titelbild sucht. Oder der skrupellose N.K., der Waffen verschiebt und letztendlich als korrupter Polizist enttarnt wird. Oder der exzentrische Patrick, der sich der Prostituierten Liv als Patrick, nach dem Serienkiller Patrick Bateman aus Bret Easton Ellis' Kult-Roman "American Psycho", vorstellt, was diese aber nicht weiter beeindruckt...

Kritik

Der Moloch Berlin wird im Kino augenblicklich (neu) entdeckt. Während Kutlug Ataman ("Lola und Bilidikid") in die Travestieszene eintaucht und der Potsdamer Andreas Dresen ("Nachtgestalten") in seinem Berlinale-Wettbewerbsbeitrag Short Cuts durch die nächtliche Hauptstadt nimmt, zeigt Rolf Peter Kahl Bilder einer Metropole im Umbruch. Dabei interessieren ihn besonders junge, unangepaßte Großstadthelden, die sich Flipperkugeln gleich durch den Neon-Dschungel katapultieren lassen, immer auf der Suche nach Liebe, Sex, Geld und dem ultimativen Kick.

Kahl - jüngst Darsteller und Produzent von Oskar Roehlers "Silvester Countdown" -, der auch das Drehbuch verfaßt hat, interessiert sich in seinem Regie-Debüt dabei weniger für eine geradlinige, durchkomponierte Geschichte als für Momentaufnahmen aus dem Leben seiner Figuren. Da ist zum Beispiel die Fotografin Iris von Than, die nach einem perfekten Titelbild sucht und dabei nicht gerade zimperlich vorgeht. Oder N.K., ein skrupelloser Geschäftsmann, der Waffen verschiebt und letztendlich als korrupter Polizist geoutet wird. Oder der exzentrische Patrick, mit brodelnder Energie vom Filmemacher selbst gespielt, der sich der Prostituierten Liv als Patrick wie Patrick Bateman, der Serienkiller aus Bret Easton Ellis' bitterbösem Kult-Roman "American Psycho", vorstellt, was diese jedoch nicht weiter beeindruckt. Daneben hantiert ein kleiner Junge mit einer großen Pistole, stürzt sich ein Jugendlicher vom Hochhausdach, wird Sex im Fahrstuhl vollzogen und auf der Toilette schnell eine Linie Koks inhaliert.

Rolf Peter Kahl, 1970 in Cottbus geboren, an der Hochschule für Schauspielkunst Berlin und Rostock zum Schauspieler ausgebildet, nennt - sicherlich etwas vollmundig - John Cassavetes als Vorbild. Dennoch sind Parallelen in der Arbeitsweise, etwa die nervöse, direkte Kameraarbeit (Sönke Hansen) und die eindringlichen Personenzeichnungen, durchaus erkennbar. Das größte Plus dieses Erstlings ist jedoch, daß er präzise das derzeitige Lebensgefühl der sich im Umbruch befindlichen, hektischen Millionenstadt Berlin zu vermitteln versteht, wobei der rauhe Soundtrack - darunter Stücke von GENLOG, Lilo S. und Extended Spirit - eine entscheidende Rolle spielt.

Bleibt zu hoffen, daß es dem Verleih Independent Partners gelingt, dieses vom unlängst verstorbenen Luggi Waldleitner co-produzierte, sperrige, nicht dem Mainstream verpflichtete Werk, richtig zu vermarkten und in entsprechenden Kunst- und Szenekinos zu positionieren. Sollte dies nicht gelingen, darf nicht einmal mit einen Achtungs- oder Zufallserfolg gerechnet werden. lasso.

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Info

Plakat des Films: Angel Express
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 15.04.1999

Deutschland 1998

Länge: 1 h 22 min

Genre: Drama

Originaltitel: Angel Express

Regie: RP Kahl

Drehbuch: RP Kahl

Musik: Tom Weitemeier, Olli Kuntzer, Claus Pieper

Produktion: Luggi Waldleitner, RP Kahl

Kamera: Sönke Hansen

Schnitt: Silke Botsch, Matz Müller

Ausstattung: Heike Welberts, Isa Ott