Kompromißloses Drama um Rassismus in einem hyperrealistischen Bildersturm.

Kinostart: 25.02.1999

Edward Norton

Edward Norton
als Derek Vinyard

Edward Furlong

Edward Furlong
als Danny Vinyard

Fairuza Balk

Fairuza Balk
als Stacey

Beverly D'Angelo
als Doris Vinyard

Avery Brooks
als Bob Sweeney

Stacy Keach
als Cameron Alexander

Jennifer Lien
als Davina Vinyard

Elliott Gould
als Murray

William Russ
als William Russ

Ethan Suplee
als Seth

Joe Cortese
als Rasmussen

Guy Torry
als Lamont

Giuseppe Andrews
als Jason

Antonio David Lyons
als Lawrence

Keram Malicki-Sanchez
als Chris

Jordan Marder
als Curtis

Nicholas R. Oleson
als Huge Aryan

Anne Lambton
als Cassandra

Alex Sol
als Mitch McCormick

Paul Le Mat
als McMahon

Handlung

Durch die Ermordung dreier Schwarzer, die sein Auto stehlen wollten, wurde Derek (Edward Norton) zum Held für die Skinhead-Szene. Nach seiner Haftentlassung suchen die Skins seine Nähe, darunter auch sein jüngerer Bruder Danny (Edward Furlong). Derek, der sich im Gefängnis von Gewalt und Rassismus gelöst hat, versucht, auch Danny zur Umkehr zu bewegen.

Eindrucksvolles Regiedebüt des britischen Werbefilmers Tony Kaye, der ein heikles Thema zu einem aufrüttelnden Gesellschaftsporträt verwandelt. Edward Norton kann einmal mehr seine Klasse beweisen und wurde völlig zu Recht für den Oscar nominiert.

Nur einen Tag Zeit erhält der 16jährige Skinhead Danny Vinyard, um eine Schulaufgabe über seinen Bruder Derek zu schreiben, der am selben Tag aus dem Gefängnis entlassen wird: Vor drei Jahren hatte er drei Schwarze getötet, die sein Auto stehlen wollten. Was keiner weiß: Im Knast hat er Haß und Rassismus abgeschworen. Ein verzweifelter Kampf um die Seele seines Bruders Danny beginnt...

Für den 16jährigen Skinhead Danny ist sein älterer Bruder Derek ein Held. Dieser hat drei Schwarze getötet, als sie sein Auto stehlen wollten. Durch diesen Akt der Gewalt ist der junge Mann zu einer Ikone der White-Power-Bewegung aufgestiegen. Kaum aus der Haft entlassen, suchen die Ex-Kumpels wieder Dereks Nähe - allen voran Danny. Keiner weiß aber, daß Derek im Gefängnis Haß, Gewalt und Rassismus abgeschworen hat und nun versucht, wieder im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen. Vor allem liegt ihm jedoch daran, Dannys Seele zu retten...

Durch die Ermordung dreier Schwarzer, die sein Auto stehlen wollten, wurde Derek zum Held für die Skinhead-Szene. Nach seiner Haftentlassung suchen die Skins seine Nähe, darunter auch sein jüngerer Bruder Danny. Derek, der sich im Gefängnis von Gewalt und Rassismus gelöst hat, versucht, auch Danny zur Umkehr zu bewegen. Kompromissloses Regiedebüt des britischen Werbefilmers Tony Kaye, das Edward Norton für seine eindrucksvolle Darstellung Dereks eine Oscar-Nominierung einbrachte.

Kritik

Selten gab es um einen Film bereits vor seiner Veröffentlichung dermaßen bizarre Publicity wie im Fall des thematisch ohnehin extrem kontroversen Neonazi-Skinhead-Dramas "American History X". So lieferte sich der britische Newcomer-Regisseur Tony Kaye mit New Line Cinema einen erbitterten Disput, da er sich mit der endgültigen Schnittfassung (bei der u. a. deutlich zu viele Nahaufnahmen ins Auge stechen) nicht einverstanden zeigte und daraufhin (erfolglos) seinen Namen vom Projekt entfernt sehen wollte. Dabei braucht er sich seiner Assoziation mit dem tief bewegenden Porträt eines unbedingt Oscar-würdig von Edward Norton ("Larry Flynt - Die nackte Wahrheit") gespielten charismatischen Neonazis und seiner Abkehr von der rassistischen White-Power-Bewegung nicht zu schämen.

Die Story konzentriert sich auf die Brüder Derek (Norton) und Danny Vinyard (Edward Furlong), die beide zeitversetzt in der selben faschistischen Gruppe aktiv sind. Ein Großteil der Ereigisse wird in Schwarzweiß-Rückblicken erzählt, die fließend in die farbige Gegenwart eingewoben werden. Dabei wird einerseits aus der Perspektive des jungen Danny berichtet, der sich an seinen Bruder als bewunderswerte Kämpfernatur erinnert, während Dereks Sicht seinen Gefängnisaufenthalt illustriert. Im verstörenden Prolog sieht man die von Derek begangenen Morde an drei Schwarzen, die nachts seinen Truck vor der Einfahrt klauen wollen. Dabei wird das brutalste Detail, das manchem Zuschauer den Magen umdrehen wird, erst gegen Filmende offenbart. Für seine Tat erhält Derek eine dreijährige Haftstrafe. War er dank seiner Intelligenz und Eloquenz unter seinen Kameraden bereits eine Leitfigur, steigt er durch seinen eiskalten Akt der Selbstjustiz zum legendären Märtyrer auf. Kein Wunder, daß ihm sein kleiner Bruder Danny in der Zwischenzeit in seinen Fascho-Fußstapfen folgt, während sich Derek ohne Dannys Wissen im Gefängnis nach einschneidenden Ereignissen völlig von der gewalttätigen Vergangenheit lossagt. Wieder auf freiem Fuß will er seinen Bruder aus der Bewegung loseisen.

Der selbsttitulierte Hype-Künstler Kaye (der auch als Kameramann fungierte) kann auf einen Hintergrund als erfolgreicher Werbefilmer zurückblicken. Das schlägt sich in seiner Fähigkeit nieder, einzelne Szenen beeindruckend und bildgewaltig zu inszenieren. Da gerät ein Basketballspiel der Skins gegen eine schwarze Gang zum triumphalen Siegeszug. Die Verwüstung eines koreanisches Supermarkts und die grausame Ermordung der Angestellten gleicht einem sich entladenen Wutgewitter, eine homosexuelle Vergewaltigung symbolisiert tiefste Erniedrigung und Hilflosigkeit. Wenn die Brüder langsam die Nazi-Insignien von den Wänden ihres gemeinsamen Zimmers abnehmen, ist das eine kraftvoll vermittelte, mehr als nur symbolisch vermittelte Abkehr, die mehr aussagt als viele Worte es jemals könnten. Eine Vielzahl der weiteren Figuren stellt mehr einen Kommentar zur Abrundung der angestrebten Skizzierung von vermeintlichen schwarzen und weißen Rassenkontrasten dar, die letztlich nur ein verwaschenes Grauer geben können. Da wären der idealistische und großherzige schwarze Schuldirektor, der aufrichtige jedoch feige jüdische Verehrer der verwitweten Mutter Vinyard, der schwarze Häftling, der sich ohne Vorurteile mit Derek anfreundet und die Skinheads, die als Gegenstück zu Nortons Figur durch einen fetten Idioten (Ethan Supple) und einen machtgierigen Spießbürger (Stacy Keach) in einem durch und durch negativen Licht als ignorant und gefährlich porträtiert werden. Der Film scheut sich nicht, unangenehme gesellschaftliche Mißstände aufzugreifen, die der flammenden Rhetorik des Protagonisten einen rational greifbaren Boden geben und als kontrovers aufstoßen werden, weil der Film eine endgültige Wertung dem Zuschauer überläßt. Angreifbar sind vielleicht die Porträtierung des Hauptdarstellers als fasziniernde Persönlichkeit und vor allem das wenig überzeugende Motiv für seine Kehrtwendung. Eines ist sicher: Dieser filmische Schlag in die Magengrube wird niemanden unbeteiligt lassen. Erhitzte Diskussionen sind vorprogrammiert, denn das Skinhead-Phänomen ist im auslaufenden 20. Jahrhundert vor allem ein deutsches Problem. ara.

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Info

Plakat des Films: American History X
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 25.02.1999

USA 1998

Länge: 1 h 59 min

Genre: Drama

Originaltitel: American History X

Regie: Tony Kaye

Drehbuch: David McKenna

Musik: Anne Dudley

Produktion: John Morrissey, David McKenna

Kostüme: Douglas Hall

Kamera: Tony Kaye

Schnitt: Alan Heim, Jerry Greenberg

Ausstattung: Jon Gary Steele, Daniel Olexiewicz, James Kyler Black

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