Oliver Stones intime Monumentalbiografie mit Colin Farell als legendärer makedonischer Eroberer, Entdecker und Träumer.

Kinostart: 23.12.2004

Colin Farrell

Colin Farrell
als Alexander

Angelina Jolie

Angelina Jolie
als Olympias

Val Kilmer

Val Kilmer
als Philipp

Anthony Hopkins
als Ptolemaios (alt)

Rosario Dawson
als Roxane

Jared Leto
als Hephaistion

Christopher Plummer
als Aristoteles

Erol Sander
als Prinz Pharnakes

Elliot Cowan
als Ptolemaios

Joseph Morgan
als Philotas

Jonathan Rhys Meyers
als Cassander

Handlung

Im vierten Jahrhundert vor Christus schwingt sich der junge Alexander (Colin Farrell) nach branchenüblichem Vatermord auf den Thron der Mazedonen. Unter seiner Führung gelingt es, die Griechen gewaltsam zu einen und die ständige Bedrohung aus Persien in die Schranken zu weisen. Damit noch nicht zufrieden, rücken Alexanders Truppen bis weit nach Kleinasien vor und beherrschen schließlich 95 Prozent der damals bekannten Welt.

Oliver Stone

Das Leben des legendären Eroberers, der aus dem Schatten seines wilden Vaters und aus dem Einflussbereich seiner kultivierten, aber von Wahn und Machtgier beherrschten Mutter heraustrat. Um Persien zu erobern, um die asiatische Kultur mit der griechischen zu verbinden, um die Grenzen der bewohnten Welt zu überschreiten, um eine neue Ordnung zu erschaffen, die verschmilzt, anstatt zu trennen.

Aus dem Schatten seines übermächtigen Vaters und dem kleinen Reich Makedonien zog Alexander einst aus und eroberte daraufhin über 90 Prozent der damals bekannten Welt. Geboren 356 vor Christus, gestorben weniger als 33 Jahre später, führte der junge Feldherr seine Truppen mehr als 35.000 Kilometer über den Globus und unterwarf die Völker zwischen Griechenland und Indien. Gebildet und skrupellos, charmant und gnadenlos, seinen Freunden treu ergeben, ist Alexander bis heute unvergessen und seine Taten unerreicht.

Kritik

"Sein Fehlschlag steht weit über den größten Erfolgen vieler anderer!" Pharaoh Ptolemaios' Alexander-Fazit mag vielleicht auch für Oliver Stone gelten, der das Unmögliche wagte und dieses komplexe, abenteuerliche, Ereignis-satte Leben auf 180 Minuten zu komprimieren versuchte. Weil der gewaltige Stoff selbst Stones beachtlichem Budget schnell Grenzen aufzeigen würde, konzentriert sich der Regisseur auf das Intime vor dem Hintergrund des Monumentalen, bietet Exotik, Schauwerte, Spektakel, vor allem aber das ambitionierte Porträt eines Mannes, der gebildet und grausam, Kulturmensch und Barbar war und viele Widersprüchlichkeiten mehr faszinierend in sich vereinte. Damit ist "Alexander" ein erwachsener Eventfilm, der im Weihnachtsmarkt den Kinozirkus durchaus bedient, ihm aber gleichzeitig die Stirn bietet.

Oliver Stone hat nicht David Leans Subtilität oder den Luxus von "Lawrence", an dem ein Jahr gedreht wurde, dafür aber Leidenschaft und Mut zur Kontroverse. In "Platoon" zeigt er die Notwendigkeit von Killer und Gewissen fürs Überleben, in "Alexander" mehr den Menschen als den Feldherrn und das Ideal einer reinen Liebe, die an eine Person, nicht an ein Geschlecht gebunden ist. Alexanders Verhältnis zum Jugendfreund Hephaistion (Jared Leto) spiegelt das von Achilles/Patroclus, doch Stone thematisiert, was "Troja" nicht wagte - eine Beziehung von Urvertrauen, die eben auch sexuell war. Die Gewichtung ist von elementarer Bedeutung für das Verständnis von Alexander, der in einem vergifteten Klima des Misstrauens groß wurde. 40 Jahre nach seinem Tod setzt der Film ein.

Vor der traumhaften Kulisse Alexandrias diktiert Ptolemaios seine Erinnerungen, bleibt als Erzähler präsent im Film, schließt Informations- und Zeitlücken, gibt Einblicke in die Titelfigur und in die historische Entwicklung vor und nach ihm. Ein Rückblick führt in Alexanders Jugend, in der er aufgerieben wird zwischen seiner kultivierten, aber paranoiden Mutter (Angelina Jolie), die in ihm einen neuen Achilles, einen Gott sieht, und seinem wilden, übermächtigen Vater (Val Kilmer), um dessen Anerkennung er kämpfen muss. Das Motiv der Verschmelzung, von Barbar und Kulturmensch, sichtbar bei Alexander, seinen Eltern, aber auch im Verhältnis Griechen und Makedonen, zieht sich durch den ganzen Film, besonders in Alexanders Traum, die Kulturen des eroberten Ostens mit dem Westen zu vereinen. Der Rassismus, den hier mit Ausnahme Alexanders Figuren aus jedem Kulturkreis zeigen, wird in einer Brücke zur Moderne deutlich herausgefiltert. Auch Alexanders Entdeckerlust, seine Sehnsucht, die Grenzen der bewohnten Welt zu erreichen, spricht der Film in Bildern an, während seine Grausamkeit, die Vernichtung etwa von Theben und Persepolis, im Dialog versteckt wird. Stone weiß, was er Zuschauern zumuten darf, ohne die Sympathien zu verlieren. Natürlich muss der Film vieles verkürzen, gibt es keine Bilder vom Zug in die ägyptische Oase Siwah oder der Massenhochzeit von Susa, ist Beschränkung auch in den unzähligen Gefechten Alexanders unumgänglich.

Nach etwa 45 Minuten orchestriert Stone mit der Schlacht von Gaugamela, in der Alexander die persische Übermacht besiegt, den ersten von zwei Actionevents - ein digitales Spektakel, das Chaos und Konfusion stiftet und damit spiegelt, wie der persische Großkönig und die meisten Krieger auf beiden Seiten wohl die Schlacht erlebt haben müssen. Zwar wird so die mitreißende Dynamik der Ringschlachten nicht erreicht, aber mit ungewöhnlichen Perspektiven, Strategieeinblicken und Kampfgetümmel doch der Fanblock zufriedengestellt. Noch packender als diese Sequenz ist die Waldschlacht in Indien, in der sich die Makedonen mit Kriegselefanten schlagen müssen und Alexanders Charisma als Feldherr sichtbar wird.

Visuell ist Stones Film im Unterschied zu Vangelis' Soundtrack oft ein Genuss, ganz besonders in Babylon, das so traumhaft und verführerisch wirkt, wie es auch Alexander empfunden haben muss. Schauspielerisch überzeugt im Grunde das ganze Ensemble, haben Angelina Jolie, ganz besonders aber Colin Farrell in der Titelrolle große Momente. Am Ende, nach knapp drei Stunden, hat man vieles, wenn auch längst nicht alles aus diesem großen Leben gesehen, aber die Triebfedern dieser Persönlichkeit verstanden. Und das ist für "Alexander", der nie eine Schlacht verlor, ein Sieg. kob.

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Info

Plakat des Films: Alexander
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 23.12.2004

Deutschland/Frankreich/Großbritannien/Niederlande 2004

Länge: 2 h 56 min

Genre: Action

Originaltitel: Alexander

Regie: Oliver Stone

Drehbuch: Christopher Kyle, Oliver Stone, Laeta Kalogridis

Musik:

Produktion: Thomas Schühly, Jon Kilik, Iain Smith, Moritz Borman

Kostüme: Jenny Beavan

Kamera: Rodrigo Prieto

Schnitt: Thomas J. Nordberg, Yann Hervé

Ausstattung: Jan Roelfs, Jonathan McKinstry

Website: http://www.alexander.film.de