Bissige, aber sympathische Komödie über einen leidgeprüften modernen Hiob.

Kinostart: 31.08.2006

Ulrich Thomsen

Ulrich Thomsen
als Adam

Mads Mikkelsen

Mads Mikkelsen
als Ivan

Nicolas Bro
als Gunnar

Ali Kazim
als Khalid

Paprika Steen
als Sarah

Nikolaj Lie Kaas
als Holger

Ole Thestrup
als Dr. Kolberg

Gyrd Lofqvist
als Poul

Lars Ranthe
als Esben

Handlung

Ausgerechnet der naive Pfarrer Ivan (Bond-Gegner Mads Mikkelsen), der schon an leichteren Fällen kläglich gescheitert ist, soll dem ultrabrutalen Adam (Ulrich Thomsen) als Bewährungshelfer den Weg zurück in die Gesellschaft ebnen. Adam wiederum wird seiner Freude über soviel Glück kaum Herr, staunt aber nicht schlecht, als das weltfremde Weichei sich als veritables Stehaufmännchen entpuppt und auch durch roheste Gewalt nicht vom Pfad der Tugend abzubringen ist.

Cineasten, Gewaltfreaks und, ja, auch Christen sollten sich von der bissigen Komödie und Hiob-Allegorie von Anders Thomas Jensen ("Dänische Delikatessen") unbedingt angesprochen fühlen.

Landpfarrer Ivan widmet sich in seinem kleinen Gotteshaus der Resozialisierung Straffälliger. Zu seinen Schäfchen zählen der kleptomanische Alkoholiker und Vergewaltiger Gunnar sowie der schießfreudige arabische Tankstellenräuber Khalid. Neuzugang Adam, misanthropischer Neonazi, dessen Bibel "Mein Kampf" ist, gerät sofort in Rage über Ivans Gutmütigkeit.

Schwarze Schäfchen sind es, die der gutmütige Landpfarrer Ivan um sich versammelt hat. Unter seiner Obhut sollen Straffällige resozialisiert werden, und so findet Ivan sich in der Gegenwart von Vergewaltigern und Tankstellenräubern wieder. Dennoch: Der Job ist für ihn Freude und Berufung zugleich. Auch, als der Neonazi Adam zu der Gruppe stößt und es sich zur Aufgabe macht, den unverbesserlichen Gutmenschen von dessen Glauben an Gott und die Menschheit zu heilen. Aber da hat Ivan einen langen Atem.

Kritik

Dänische Apfelkuchen schmecken gallig: Anders Thomas Jensen ("Dänische Delikatessen") bleibt seinem Fach treu und serviert eine bissige, aber sympathische Komödie über einen leidgeprüften modernen Hiob, den (fast) nichts von seinem Glauben abbringt.

Landpfarrer Ivan ("Casino Royale"-Gegenspieler Mads Mikkelsen) widmet sich in seinem kleinen Gotteshaus der Resozialisierung Straffälliger. Zu seinen Schäfchen zählen der kleptomanische Alkoholiker und Vergewaltiger Gunnar, sowie der schießfreudige arabische Tankstellenräuber Khalid. Neuzugang Adam (Ulrich Thomsen aus "Brothers"), misanthropischer Neonazi, dessen Bibel "Mein Kampf" ist, gerät sofort in Rage über Ivans Gutmütigkeit. Rasch erkennt er, dass sich hinter seiner unerschütterlicher Barmherzigkeit eine tragische Vergangenheit verbirgt. Ivan biegt sich die Realität so zurecht, bis sie in sein gnadenlos positives Weltbild passt. Adam macht es sich fortan zur Aufgabe, ihn davon zu kurieren - am besten mit Schlägen und Tritten.

Den Konflikt zwischen dem teuflischen Adam und dem Gutmenschen Ivan schildert Jensen in einem menschelnden, nonchalanten Tonfall, der zwar kalkuliert provoziert, aber auf charmante Weise selbst gelegentlichen Gewalteinsatz entschärft. Ivan erweist sich als unkaputtbares Stehaufmännchen wie aus einem Comic und selbst Kopfschüsse erzielen eine heilende Wirkung. Mögen das Treiben auch grotesk und die Individuen obskur sein, die betont lakonische Regie gibt den absurden Kapriolen und göttlichen Fügungen eine fast prosaische Bodenhaftung.

Wenn der titelgebende Apfelbaum von einer Plage nach der anderen heimgesucht, Ivan vom Schicksal in jeder erdenklichen Fasson gebeutelt und stets das Buch Hiob aufgeschlagen wird, weist Jensen deutlich, vielleicht überdeutlich auf den allegorischen Charakter hin. Dann erscheint Satan in gestalt Adams und Ivan als duldsames Lamm, das so lange geprüft wird, bis sein Gottesglaube bricht. Jensen, der die junge Tradition schwarzhumoriger dänischer Komödien quasi im Alleingang zu verantworten hat (Drehbücher von "Mifune" bis "In China essen sie Hunde"), arbeitet auf eine christliche Botschaft hin, die er freilich in leicht respektloser und immer unterhaltsamen Art unterbreitet. Dafür erhielt sein Werk auch den dänischen Filmpreis Robert in vier Kategorien und setzte sich gegen Favorit Lars von Trier durch.

tk.

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Info

Plakat des Films: Adams Äpfel
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 31.08.2006

Dänemark 2005

Länge: 1 h 35 min

Genre: Drama

Originaltitel: Adams æbler

Regie: Anders Thomas Jensen

Drehbuch: Anders Thomas Jensen

Musik: Jeppe Kaas

Produktion: Tivi Magnusson, Mie Andreasen

Kostüme: Jane Whittaker

Kamera: Sebastian Blenkov

Schnitt: Anders Villadsen

Ausstattung: Mia Stensgaard

Website: http://www.adams-aepfel.de