Starkes Debütdrama um vier Jugendliche, die das Weihnachtsfest in der Psychiatrie verbringen müssen.

Kinostart: 03.12.2015

Jella Haase

Jella Haase
als Lara

Paula Beer

Paula Beer
als Alex

Jannis Niewöhner

Jannis Niewöhner
als Timo

Moritz Leu
als Fedja

Clemens Schick
als Dr. Wolf

Anneke Kim Sarnau
als Schwester Simone

Sebastian Rudolph
als Vater von Alex

Stephan Schad
als Chefarzt

Kai Hoppe
als Pfleger Samson

Cathérine Seifert
als Mutter von Alex

Victoria Trauttmansdorff
als Mutter von Lara

Christoph Bantzer
als Vater von Lara

Markus John
als Vater von Timo

Lale Yavas
als Sibel

Nadine Hahl
als Sporttherapeutin

Handlung

Die aufmüpfige und ständig plappernde Lara, die unter ihrer Mutter leidende, träumerische Alex, das Weichei Fedja und der aus der geschlossenen Station entlassene Schläger Timo mit rasiertem Schädel müssen Weihnachten in der Psychatrie verbringen. Psychiater Dr. Wolf nimmt die vier Jugendliche unter seine Fittiche und lässt ihnen viele Freiheiten, um ihr Vertrauen zu gewinnen.

Kritik

Regisseurin Theresa von Eltz gelingt mit dem Drama "4 Könige" um vier Jugendliche, die das Weihnachtsfest in der Psychiatrie verbringen, ein starkes Debüt.

Theresa von Eltz' Drama um vier Jugendliche, die das Weihnachtsfest in der Psychiatrie verbringen müssen, ist nie belehrend oder verlogen, wobei die Grundkonstellation erst nicht vielversprechend ist. Die vier Problemfälle wirken zunächst wie Abziehbilder: Da wäre die aufmüpfige und ständig plappernde Lara, die unter ihrer Mutter leidende Alex, das Weichei Fedja, der wie ein geprügelter Hund durch die Gänge schleicht, und der aufgepumpte Schläger Timo mit rasiertem Schädel. Dass "4 Könige" dennoch nicht im naiven Klischee versinkt, erscheint fast wie ein Wunder. Doch schnell ist die erste Skepsis verflogen. Denn von Eltz inszeniert erwachsen und angenehm unaufgeregt. Kameramann Kristian Leschner findet stets die passenden Bilder für eine Stimmung, die zwischen Trostlosigkeit, Melancholie aber auch neuem Mut schwankt.

Das größte Plus des Films ist, neben dem ebenfalls überzeugenden Drehbuch von Esther Bernstorff, die tolle Darstellerriege. Durch die Bank schafft sie es, ihren Charakteren Leben und Vielschichtigkeit einzuhauchen. Fast jeder eignet sich mal als Identifikationsfigur um dann wieder Kopfschütteln hervorzurufen. Klares Schwarz und Weiß sucht man vergebens. So entwickelt Jella Haase als Lara ihre mittlerweile zum Kult erhobene Chantal aus den beiden "Fack Ju Göhte" -Erfolgen erst zwingend weiter um sich später fast ganz von ihr zu lösen und in bestimmten Momenten, wie einer grandiosen nächtlichen Dialogszene auf einer Tischtennisplatte, ungeahnte Einblicke in die Seele ihrer Proletin - aus gutem Hause wohlgemerkt - zu gewähren. Paula Beer, bekannt unter anderem aus "Poll" und "Das finstere Tal", ist die verletzliche und träumerische Alex, die versucht es ihrer Mutter Recht zu machen und sich dabei selbst vergisst. In einer starken Szene, in der sie sich zusammen mit Clemens Schicks Psychiater, der sich um die vier Gestrandeten während der Festtage kümmert und versucht durch Freiheiten Vertrauen aufzubauen, gemeinsam im Wald die Seele aus dem Leib schreit, sorgt Beer neben dem ebenfalls starken Schick für Gänsehaut beim Publikum. Derweil hat Moritz Leu (zuletzt auf dem Münchner Filmfest im gefeierten "Nachtmahr" zu sehen) nicht viel Text, um seinen schweigsamen Fedja zu verkörpern. Doch dank seines auf den Punkt genauen Spiels und viel Mut kann er darauf bestens verzichten. Dann ist da noch Jannis Niewöhner (aus Kerstin Giers Edelstein-Trilogie) als Schläger Timo, der aus der geschlossenen Abteilung zur Gruppe kommt. Er lässt in jedem Moment die unter der Oberfläche brodelnde Wut spüren. Mal gewinnt er den inneren Kampf, mal nicht. Vergleiche mit dem brillanten Jack O'Connell in dem in Deutschland zu Unrecht unter dem Radar gelaufenen Gefängnisdrama "Starred Up" kommen einem in den Sinn.

Zum Schluss hin, als Timo einen schicksalhaften Gewaltausbruch erleidet, kommt der etwas andere Weihnachtsfilm dann leider ins Schlingern. Nicht nur, dass man sich von Schicks Psychiater Dr. Wolf etwas mehr Fassungslosigkeit und Zweifel in seinem vielleicht doch allzu offenen Umgang mit den Jugendlichen wünschen würde - schließlich passiert es ja nicht alle Tage, dass einer Pflegerin, und sei sie noch so unbeliebt, das Nasenbein gebrochen wird. Auch der Ausflug in die unterschiedlichen psychiatrischen Lehrmeinungen wird zu schnell abgewickelt und wirkt aufgesetzt. Doch dies verhindert nicht, dass "4 Könige" ein Beispiel für das sehenswerte junge deutsche Kino ist, das hoffentlich auch zu seinem Start Anfang Dezember von sich Reden macht. Und von einer Nominierung für die Endrunde im Kampf um die Lola dürfen die Verantwortlichen auch schon mal mehr als nur träumen. "4 Könige" ist auf jeden Fall ein Grund, sich auf Weihnachten zu freuen. mahe.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 03.12.2015

Deutschland 2015

Länge: 1 h 43 min

Genre: Drama

Originaltitel: 4 Könige

Regie: Theresa von Eltz

Drehbuch: Esther Bernstorff, Theresa von Eltz

Musik: André Feldhaus, Marcel Noll

Produktion: Benjamin Seikel, Florian Schmidt-Prange

Kostüme: Maren Esdar

Kamera: Kristian Leschner

Schnitt: Anja Siemens

Ausstattung: Marcus Rinn

Website: http://www.4koenige-derfilm.de

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