Episodenfilm, in dem sich elf prominente Filmemacher aus aller Welt mit dem 11. September auseinandersetzen.

Kinostart: 28.11.2002

Handlung

Geschichten vom und um den 11. September 2001. Ein Fremdenführer bringt Touristen ins World Trade Center und kehrt als einziger zurück. Ein vermisster Pakistani, von den US-Behörden als Terrorkomplize gesucht, stirbt den Heldentod als Retter. Afghanische Kinder im Iran halten eine Trauerminute für die Opfer ab. Ein Exil-Chilene in London zieht Paralellen zum blutigen Pinochet-Putsch im Jahre 1972, initiiert von Nixon und Kissinger. Der Geist eines in Beirut getöteten GIs besucht ein Palästinenserlager. In Zentralafrika glauben ein paar Straßenjungs, Osama Bin Laden entdeckt zu haben.

Elfmal Trauerarbeit von elf Regisseuren aus elf Ländern. In Amerika schon vorab als antiamerikanisches Pamphlet gebrandmarkt, rechtfertigt die künstlerisch hochwertige Kurzfilmcollage dieses Vorurteil in keiner Weise.

Eine afghanische Lehrerin versucht ihren Schülern klar zu machen, was am 11. September in New York passiert ist. Doch die Kleinen interessieren sich vielmehr für ein lokales Ereignis/Ein Junge glaubt auf der Straße Osama bin Laden zu erkennen. Gemeinsam mit seinen Freunden versucht er diesen zu fangen, um so die 25 Millionen Dollar Kopfgeld zu bekommen.

Kritik

Rund ein Jahr nach den schrecklichen Anschlägen von New York und Washington haben elf Filmemacher aus aller Welt versucht, die unfassbaren Ereignisse vom 11. September 2001 in kurzen Geschichten zu verarbeiten. Wie wichtig und hochaktuell es ist, sich mit dem Thema Terror auch künstlerisch auseinander zu setzen und eine breite Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, hat soeben der menschenverachtende Bombenanschlag auf der indonesischen Urlauberinsel Bali gezeigt. Fakt ist jedoch leider auch, dass dieser Omnibusfilm, an dem sich namhafte Regisseure wie Ken Loach, Claude Lelouch oder Sean Penn beteiligt haben, ob seiner mindestens so brisanten wie unangenehmen Thematik lediglich das weltpolitisch interessierte Arthouse-Publikum zum Kauf eines Kinotickets bewegen wird.

Die formale Vorgabe, die Alain Brigand, der "künstlerische Produzent" dieses ambitionierten Projekts, seinen elf Regisseuren mit auf den Weg gab, war denkbar einfach: sie hatten elf Minuten, neun Sekunden und ein Frame - das entspricht dem Datum des New Yorker Anschlags, 11.09.01 - Zeit, um das Unglaubliche, das nicht für möglich Gehaltene in Bildern auszudrücken. Wie bei Filmen dieser Art unvermeidbar, verstärkt noch durch die unterschiedliche Herkunft der Filmemacher entsteht zwischen den in sich geschlossenen Episoden - jeweils getrennt durch die Einblendung einer Weltkarte, auf der New York sowie das Heimatland des Regisseurs markiert sind - ein großes Gefälle bezüglich der Herangehensweise und der Umsetzung der bewusst sehr frei gehaltenen Vorgabe. Das ist zum einen Fluch, weil manche Storys unausgereift und wenig durchdacht wirken, zum anderen auch Reiz, weil dadurch ein möglichste breites Spektrum an Ausdrucksformen erreicht wird. Allen elf Kurzfilmen gleich ist die generelle Verurteilung der terroristischen Attacke sowie das Plädoyer für ein friedliches Miteinander.

Zu den bewegendesten Episoden zählen sicherlich die Beiträge von Samira Makhmalbaf, Ken Loach und Idrissa Ouedraogo. Die Iranerin zeigt eine afghanische Lehrerin, die ihren Schülern klar zu machen versucht, was gerade in New York passiert ist. Für diese aber ist Amerika eine unbekannte Größe. Die Kleinen interessieren sich vielmehr für zwei Männer aus der Nachbarschaft, die in einem Brunnen zu Tode gekommen sind. Der streitbare Brite Loach dagegen setzt den 11. September in Zusammenhang mit einem Vorfall, der sich 28 Jahre früher, am 11. September 1973, ereignete: Die Ermordung des chilenischen Präsidenten Allende durch General Pinochet, dessen Staatsstreich von niemand geringerem als US-Präsident Nixon finanziert wurde. Dem Grauen mit Humor begegnet schließlich Ouedraogo aus Burkina Faso: Ein Junge, der kein Geld hat, um Medizin für seine kranke Mutter zu kaufen, glaubt auf der Straße Osama bin Laden zu erkennen. Gemeinsam mit seinen Freunden versucht er - mit Pfeil und Bogen bewaffnet - diesen zu fangen, um so in den Besitz der 25 Millionen Dollar, die auf dessen Kopf ausgesetzt sind, zu kommen.

Im Prinzip ist es egal, ob "11'09''01 - September 11" künstlerisch gelungen ist oder nicht. Wichtig ist, dass derartige Projekte überhaupt durchgeführt und ins Kino gebracht werden. Wer bei der einen oder anderen Episode Effekthascherei erwartet, wird enttäuscht. Denn kaum ein Regisseur hat die schrecklichen Bilder vom Einschlag der Flugzeuge in die Twin Towers des World Trade Centers, die die Welt vor einem Jahr in Atem hielten, verwendet. Alle elf versuchten vielmehr, dem realen Grauen mit anderen Mitteln zu begegnen. lasso.