26.02.2021
von Tyler Süß

Schillernde Diva am Tag, brutaler Psycho in der Nacht: Langsam aber sicher wird Samara Weaving (endlich) für Hollywood unabdingbar. Ihre bisherige Karriere in Bildern.


Eigentlich hätte Samara Weaving mit ihrer Unterschrift für „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ kaum etwas falsch machen können. Tatsächlich wurde ihr ausgesprochen kurzer, maximal austauschbarer Part in Martin McDonaghs Oscarhit von 2017 letztlich jedoch zur karrieretechnischen Vollbremsung.

Statt nämlich eine Hauptrolle, zumindest aber eine wertvolle Nebenrolle zu bekleiden, gab Samara an der Seite von Frances McDormand, Woody Harrelson und Sam Rockwell das dumme, 19-jährige Blondchen, das eine Ehe in die Brüche getrieben hat. Nicht mal für die erste Darstellerseite bei IMDb hat es da gereicht, selbst die Story lässt sich problemlos ohne Erwähnung ihrer Figur zusammenfassen.

In „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ geht es um Mildred Hayes (Frances McDormand), die noch immer unter dem brutalen Mord ihrer Tochter leidet. Vor sieben Monaten wurde Angela vergewaltigt, ermordet und verbrannt worden, vom Täter ist noch keine Spur. Weil Mildred wenig bis gar nicht mit der Herangehensweise der örtlichen Polizei einverstanden ist, beschließt sie eines Tages, drei seit Ewigkeiten ungenutzte Plakatwände außerhalb der Kleinstadt zu mieten und mit einer deutlichen Botschaft zu versehen. Sheriff Willoughby (Woody Harrelson) und sein Gefolge (u.a. Sam Rockwell) zeigt sich wenig begeistert von Mildreds Aktion und steht ganz plötzlich wieder unter Zugzwang. Doch Angelas Mord ist nicht das einzige finstere Geheimnis, das die rurale Gemeinde in den Schatten mit sich herumträgt...


The Babysitter / The Babysitter: Killer Queen

© Tony Rivetti Jr. / Netflix

Vorsicht, unpopular opinion: McG ist NICHT der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Weder die Profis aus Hollywood noch die gemeine Zuschauerschaft scheinen dem extrovertiert extravaganten Filmemacher über den Weg zu trauen, zu arg vorgeprägt ist die allgemeine Haltung gegenüber Mr. Joseph McGinty Nichol. Längst wurde McG so beispielsweise als Grund für den steten Verfall der „Terminator“-Reihe auserkoren (auch wenn schon „Terminator 3“ weit von einem Meisterwerk entfernt war, „Die Erlösung“ hingegen überraschen solide ausfiel); „3 Engel für Charlie“ zählt ohnehin zum gröbsten Trash der frühen 2000er.

Während alle Welt dabei scheinbar vergisst, dass der Gute so erfolgreiche Fernsehserien wie „Chuck“ oder „Lethal Weapon“ mit auf den Weg brachte, schenkte ihm Netflix hingegen längst das Vertrauen. „The Babysitter“ bildete den Beginn einer wundervollen Freundschaft - herausragend charmant getragen von der wundervollen Samara Weaving.

Im aktuellen Netflix-Doppel „The Babysitter“ und „The Babysitter: Killer Queen“ bekommt es der introvertierte Cole (Judah Lewis) mit dem Satanistenkult seiner Highschool zu tun, als ihm seine smarte Babysitterin Bee (Samara Weaving) zusammen mit ihren Komplizen (u.a. Robbie Amell und Bella Thorne) daheim auflauert. Zwar kann Cole den Teens entkommen und den Bannkreis brechen, bevor er von Bee und ihren Freunden geopfert wird, hängen ihm die Ereignisse jedoch Jahre lang nach. Niemand mag ihm Glauben schenken - abgesehen von seiner Sandkastenfreundin Melanie (Emily Alyn Lind). Gerade als Cole kurz davor ist, die Vergangenheit endlich abzuschütteln, tauchen die klischeebeladenen Teen-Dämonen von einst erneut in seiner Nachbarschaft auf...


Picnic at Hanging Rock

© FremantleMedia Australia

Für das Remake von „Picknick am Valentinstag“ - im deutschen Original jetzt auch deutlich hübscher „Picnic at Hanging Rock“ getauft - verließ Samara Weaving in 2018 kurzzeitig die große Leinwand, um auf dem sonst immer so erfolgsverliebten Serienfrachter anzuheuern. Hier in Deutschland kam das sechsteilige Mystery-Drama AUStralischer Produktion (Dad-Loke-Counter steht auf 1) lediglich über eine Verwertung via EntertainTV auf unsere Mattscheiben, die passende Heimkinoverwertung auf DVD wurde ebenfalls kaum beworben. Entsprechend unbekannt wartet dieses kleine Juwel der kultistischen Unterhaltung irgendwo eingestaubt darauf, von euch in einem Stück gebingt zu werden.

In der visuell einnehmenden Neuinszenierung des australischen Filmklassikers und gleichnamigen Kultromans geht es um das mysteriöse Verschwinden dreier Schulmädchen und einer Lehrerin am Valentinstag zur Jahrhundertwende. Paranoia und Hysterie machen sich breit, als die Ermittlungen aufgenommen werden und sich die Ereignisse negativ auf einige Schülerinnen (u.a. Lily Sullivan und Samara Weaving) und Lehrerinnen (u.a. „Game of Thrones“-Star Natalie Dormer) auswirken.


Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot


Ihr volles Schauspielpotenzial konnte Samara Weaving tatsächlich erst mit ihrem fünften größeren Auftritt in Film und Serie abrufen, dabei sowohl ihr herrlich destruktives als auch ihr wundervoll zartbesaitetes Selbst nach außen kehren. Seit dem herrlich schwarzhumorigen „Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot“ ist Hollywood endlich und für immer schockverliebt. Als zunächst ahnungslose Braut-to-be mit Wünschen, Hoffnungen und fixen Zielen für ihr eigenes Leben, die kurz davor ist, in eine der wohlhabendsten Familien des Landes einzuheiraten, überzeugt Samara schon zu Beginn ungemein.

Als sie am Abend vor der Hochzeit jedoch mit den spielerisch irren Gepflogenheiten der selbstgefälligen Familie (u.a. Adam Brody und Andie MacDowell) konfrontiert wird und sich die Szenerie bald in ein blutiges Schlachthaus verwandelt, brennt Samara einfach mal wieder komplett durch. Je länger das brutale Versteckspiel im gigantischen Anwesen der exzentrischen Magnatenfamilie andauert, desto wahnsinniger wird auch Samaras Grace - einzig der finale, maximal schockierende Twist stellt ihre Performance noch ein gutes Stück weit in den Schatten. Was zur Hölle war da denn los?


Guns Akimbo

© Leonine Distribution

Ihr ganz persönliches „Crank“-Erlebnis bekam Samara Weaving erst letztes Jahr spendiert, als sie in „Guns Akimbo“ als brutale Killermaschine Jagd auf Harry Potter machen durfte. Der wahnwitzige Actioner mit Daniel Radcliffe in der Hauptrolle litt leider arg unter der aufkeimenden Pandemie, ging daher ein wenig zu sehr im Getümmel unter. Nach kurzem Kinorun wanderte der Streifen von Regisseur und Drehbuchautor Jason Lei Howden recht fix ins DVD-Regal respektive Streaming-Sortiment, blieb reichweitentechnisch allerdings arg weit unter seinen eigenen Möglichkeiten.

Storytechnisch dreht sich in „Guns Akimbo“ alles um die wundervoll blutrünstige Welt des modernen Gladiatorenkampfes. Auch Miles (Daniel Radcliffe) steht total darauf, vor seinem Bildschirm zu hocken und einigen Auserwählten dabei zuzuschauen, wie sie sich unter der Leitung der brutalen Untergrundgang Skizm einen unzensierten Kampf auf Leben und Tod liefern - Brot und Spiele im 21. Jahrhundert halt.

Womit Miles jedoch niemals gerechnet hätte: Urplötzlich wird der ängstliche Programmierer selbst zur Spielfigur, als einige Hools in seine Wohnung einbrechen, ihn betäuben und ihm Pistolen an beide Hände nageln. Weil die Gangster von Skizm seine Ex-Freundin Nova (Natasha Liu Bordizzo) in ihrer Gewalt haben, auf die Miles immer noch steht, muss der sichtlich überforderte Stubenhocker die Herausforderung annehmen. Sein Ziel: die ungeschlagene Überkillerin Nix (Samara Weaving)...


Hollywood

© Saeed Adyani / Netflix

Dass Samara Weaving tatsächlich auch ganz anders kann, stellte sie zuletzt in Ryan Murphys exklusiver Netflix-Miniserie „Hollywood“ glamourös unter Beweis. Die siebenteilige Exklusivproduktion wirft einen Blick auf das Nachkriegs-Hollywood der später 40er und zeichnet die Goldene Ära des kalifornischen Filmgeschäfts mit Prunk und Protz nach. Im Zentrum der Geschichte stehen einige Schauspieler und Regisseure, die in eben jener Zeit versuchen, in Hollywood Fuß zu fassen, sich einen Namen zu machen und ihren gemeinsamen Traum wahr werden zu lassen.

Mit dabei ist auch Claire Wood, gespielt von Samara Weaving, die sich ihre Sporen um jeden Preis verdienen möchte, dabei jedoch niemals die elitäre Fassung verlieren würde. Ganz ohne Konkurrenz kommt die talentierte Darstellerin jedoch nicht aus, vor allem die umgarnte, gegen Stereotypen ankämpfende Camille Washington (Laura Harrier) wird bald zu Claires größter Rivalin in Hollywood.


Bill & Ted retten das Universum

© Warner Bros.

Späte Sequels mit Originalcast schaffen es in der Regel nur selten, die kollektive Erwartungshaltung treuer und langjähriger Fans zu bedienen - Nostalgie hat eben ganz eigene Naturgesetze. Eines der vielleicht besten Beispiele dafür, wie eine Reunion im besten Fall immer auszusehen hätte, lieferten Keanu Reeves und Alex Winter mit „Bill & Ted retten das Universum“ im letzten Jahr ab. Das dritte Abenteuer der beiden Kultbuddys ließ ganze 29 Jahre auf sich warten, bediente die eingeschworene Fanbase dann aber sowas von zielgenau und pointiert, dass es eine wahre Freude war.

Neben Reeves und Winter etablierte „Bill & Ted retten das Universum“ dann auch noch fix zwei jungspundige Nachfolgerinnen, die nicht weniger dämlich, unstrukturiert und planlos durch die Welt streunerten: Bill und Teds Töchter Thea und Billie. Während Atypical-Star Brigette Lundy-Paine als Teds Nachwuchs zu sehen war, begeisterte eben Samara Weaving als Bills schwachköpfige Erbin.


Snake Eyes: G.I. Joe Origins

© Tinseltown / Shutterstock / Paramount Pictures

Trotz ihrer mehr als beachtlichen Leistungen im Film- und Serienbereich will es Samara Weaving in Zukunft ein wenig ruhiger angehen lassen. Die Familie steht aktuell an erster Stelle, mögliche Rollen will die 29-Jährige vorerst besonders genau sichten und lediglich absoluten Wunschtiteln zusagen. Einer dieser bisher noch unveröffentlichten, jedoch bereits fertiggestellten Titel ist „Snake Eyes: G.I. Joe Origins“ - jenes Spin-off, mit dem Paramount Pictures und Hasbro die „G.I. Joe“-Marke nach zwei mäßig überzeugenden Ablegern frisch und unverbraucht aufrollen wollen.

Unter der Leitung des deutschen Regisseurs Robert Schwentke („Der Hauptmann“) soll „Snake Eyes: G.I. Joe Origins“ die Vorgeschichte von Fanliebling Snake Eyes erkunden, gespielt von „Crazy Rich“-Entdeckung Henry Golding. Neben „Haus des Geldes“-Star Úrsula Corberó, die als Baroness dabei sein wird, schlüpft so auch Samara Weaving ins enge Lederkostüm: Als Scarlett, in den ersten beiden G.I. Joes noch von Rachel Nichols gespielt, wird sie zur besten Freundin des stummen Ninjas, während dieser seine eigenen Dämonen aus der Vergangenheit bekämpft.

Eigentlich war das langersehnte Actionfest bereits für Ende 2020 vorgesehen, aktuell steht „Snake Eyes: G.I. Joe Origins“ leider komplett ohne Kinostart da.


Liz

Das zweite Zukunftsprojekt mit Hitpotenzial auf Samara Weavings To-Do-Liste ist das geplante Historiendrama über Elizabeth Patterson Bonaparte. Die erste Ehefrau von Jérôme Bonaparte, kleiner Bruder des legendären Kriegsführers Napoléon, gilt als erster Celebrity im heutigen Sinne, gut betuchte Modeikone und selbstbewusste, eigenständige Wortführerin der modernen Frau. Das schlicht „Liz“ betitelte Biopic wird von Regienewcomer Adam Leon inszeniert und soll dabei natürlich in erster Linie die titelgebende Leitfigur beleuchten, gleichzeitig aber auch einen intensiveren Blick auf das glamourösere Leben der Oberen Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts werfen (wir berichteten).

Obwohl „Liz“ aktuell noch relativ weit von den Dreharbeiten entfernt zu sein scheint, wird das historisch wertvolle Biopic schon jetzt als Mix aus Jane Austen und Emily Dickinson beschrieben - Fans von Hits wie „Bridgerton“ sollten dieses neue Projekt von Samara Weaving also dringend im Auge behalten.

Trailer

Szenenbild aus Her

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