Suicide Squad
05.03.2021
von Dominique Rose und Wencke Schimmelpfennig

Der französische Schauspieler Omar Sy gehört mit seinen 42 Jahren zwar nicht in die Riege der talentierten Jungschauspieler, die wir euch bislang in unserer Spotlight-Reihe vorgestellt haben, doch ein Phänomen ist er allemal. Schließlich wollte er eigentlich gar nicht Schauspieler werden, hat sich dann aber glücklicherweise überreden lassen und nur zehn Jahre später alle Cineasten mit seinem Auftritt als Driss in „Ziemlich beste Freunde“ vom Hocker gehauen.



Auch nach seinem Durchbruch mit „Ziemlich beste Freunde“ blieb Omar Sy dem französischen Kino treu und ergatterte als Nächstes eine Rolle in David Charhons Action-Komödie „Ein Mordsteam“. Die Rolle darin scheint Omar Sy wie auf den Leib geschneidert, kann er immerhin wieder einen urkomischen Draufgänger spielen.

Hierin mimt er nämlich den Polizisten Ousmane, der neben seinem Posten im Betrugsdezernat auf eigene Faust loszieht und sich Fälle heraussucht. Dabei stößt er eines Tages auf den Mord an der Frau des Vorsitzenden des französischen Arbeitgeberverbandes. Jedoch ist er nicht der einzige Polizist, der auf diesen Fall scharf ist, auch der ehrgeizige und äußerst pflichtbewussten Francois erachtet diesen Mord als besonders wichtig für seine weitere Karriere. Um jedoch ans Ziel zu gelangen, müssen sich die beiden ungleichen Ermittler wohl oder übel zusammenreißen.

Auf den ersten Blick erinnert „Ein Mordsteam“ stark an die amerikanischen Cop- und Buddy-Movies aus den 80er Jahren, die mit „Beverly Hills Cop“ und „Lethal Weapon“ ihre Höhepunkte feierten. Tatsächlich macht Charhon daraus auch keinen Hehl und spickt seine Action-Komödie mit allen möglichen Referenzen, seien es Kinoposter vergangener Tage, das „Beverly Hills“-Thema auf dem Handy oder ein DVD-Regal voller Action-Filme. Dadurch verliert der Film zwar einiges an Übersichtlichkeit, hebt dafür aber das durchaus harmonische Zusammenspiel der beiden Darsteller hervor.

 

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit 



Im Jahr 2014 ist dem komödiantischen Ausnahmetalent dann ein ganz besonderer Coup gelungen, „X-Men“-Wiederholungstäter Bryan Singer hat ihn nämlich dazu auserkoren, einen Mutanten in seinem Film „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ zu spielen. Somit ist Omar Sy nun Teil einer der wohl größten Filmreihen Hollywoods und hat damit den Sprung geschafft.

Singer wollte für sein neuestes Werk dieses epischen Franchise möglichst vielen Mutant*innen eine Bühne geben, denn in „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ war die geballte Power dieser außergewöhnlichen Held*innen gefragt. Die Zukunft für Wolverine und seine Freunde*innen sieht nämlich nicht sehr rosig aus. Die Welt wird mehr und mehr von Superrobotern, auch Sentinels genannt, beherrscht, gegen die die Mutanten keinerlei Überlebenschance haben. Die beiden Erzfeinde Magneto und Charles Xavier müssen also notgedrungen zusammenarbeiten und auch vor Wolverine liegt ein beschwerlicher Weg, muss er doch in die Vergangenheit reisen und Mystique vor einem fatalen Fehler bewahren.

Omar Sy spielt hierin den Mutanten Bishop, der sich zusammen mit einigen anderen Mutant*innen im Zukunfts-Moskau verschanzt hat und durch Kittys Fähigkeiten für einige Tage in die Vergangenheit zurückversetzt wird, um die anderen zu warnen und ihnen Zeit zu verschaffen. Seine Rolle ist zugegebenermaßen relativ klein, doch Sy zeigt damit eine ganz neue, düstere Seite von sich als Schauspieler.

 

Jurassic World 



Nebst der „X-Men“-Filmreihe konnte Omar Sy aber noch in einem anderen großen Franchise Fuß fassen – dem „Jurassic Park“- beziehungsweise „Jurassic World“-Franchise.

22 Jahre nachdem Dr. John Hammonds Traum eines urzeitlichen Freizeitparks mit echten Dinosauriern geplatzt ist, ist es Simon Masrani und seinem Team von Spezialisten gelungen, diesen Traum neu aufleben zu lassen und einen modernen Dinosaurierpark zu errichten. Das Geschäft boomt, doch die Gier nach höheren Besucherzahlen und die Macht, die durch die Möglichkeiten der Gentechnologie entsteht, führt zu einer verheerenden Katastrophe. Ein frisch entwickelter Dinosaurier, der Indominus Rex, kann ausbrechen, nun liegt es an Claire Dearing, der Leiterin des Parks, und Wildhüter Owen Grady, der durch hartes Training als Alphatier einer Gruppe von Velociraptoren angesehen wird, das Tier aufzuhalten.

Auch hier bekleidet Omar Sy nur eine vergleichsweise kleine Rolle als Gradys Kollege Barry Sembene, dem unter anderem ein kleiner Action-Part zuteil wird. Anders als bei seinem Auftritt in „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“, der für Omar Sy nur eine einmalige Sache war, werden er und sein Charakter im dritten Teil der "Jurassic World“-Trilogie noch einmal zu sehen sein.

 

Monsieur Chocolat

© Leonine

Seine nächste Nominierung für den begehrten César erhielt Omar Sy für seine Darstellung des Rafael Padilla in „Monsieur Chocolat“.

Der Film erzählt die Biografie des „Chocolat“ genannten Padilla, der als Sohn eines kubanischen Sklaven in jungen Jahren nach Frankreich kam, wo ihn eine große Karriere als Clown erwartete. Mit seinem Clowns-Duo, in dem er den dummen August gibt, werden sie bald zu Stars, doch der Ruhm hat auch seine Schattenseiten, denn Padilla wird nur zum Schein von der Gesellschaft akzeptiert. Er besitzt luxuriöse Sachen, doch als er wegen seiner fehlenden Papiere von einem Neider angezeigt wird, landet er ohne Umschweife im Gefängnis, wo man ihm mit Gewalt und Verachtung begegnet.

Nach seiner Entlassung beginnt er seine Rolle zu hinterfragen und lehnt sich gegen seine Darstellung als Affen auf, wie ihn die Werbeplakate für seine Shows oftmals zeigen. Padilla träumt von mehr und will sich am Theater beweisen, doch sein Weg ist ein steiniger, da ihn die Leute in seiner neuen Rolle nicht ernst nehmen.

Omar Sy hat mit seiner Darstellung des Rafael Padilla erneut eine unglaublich bewegende und herausragende Performance abgelegt, die ihn endgültig als einen der vielversprechendsten französischen Schauspieler etabliert.

 

Plötzlich Papa

© Leonine

Auch wenn die Idee hinter der französischen Dramödie „Plötzlich Papa“ nicht unbedingt neu ist, bekommt der Film „Plötzlich Papa“ durch seine herausragenden Darsteller*innen und deren hingebungsvollen Performances doch seinen ganz besonderen Charme. So kommen wir hier neben Omar Sy auch in den Genuss der wunderbaren Clémence Poésy in einer der Hauptrollen.

Samuel (Sy) lebt ein entspanntes Singleleben an einem traumhaften Strand in Südfrankreich, als plötzlich sein ehemaliger One-Night-Stand Kristin (Poésy) vor ihm steht, ihm ein Kind in die Arme drückt, das angeblich seins sei, und sich mit dem Taxi wieder aus dem Staub macht.

Ganze acht Jahre sollte es dauern, bis er Kristin wieder zu Gesicht bekommt und sie plötzlich ihr gemeinsames Sorgerecht einklagt. Doch Samuel und seine Tochter Gloria sind in der Zwischenzeit zu einem unzertrennlichen Team zusammengewachsen und wollen sich um keinen Preis trennen.

Was sich zunächst nach einer ziemlich abgedroschenen Geschichte anhört, vermag nicht nur durch die Hauptakteur*innen zu begeistern, sondern vor allem durch einige unerwartete Twists, die man so nicht hat kommen sehen und dem Film etwas Unvorhersehbares verleihen.

 

Docteur Knock – Ein Arzt mit gewissen Nebenwirkungen

© Leonine

Dass Omar Sy ein Händchen für Komödien hat, beweist er auch mit seiner Hauptrolle in der französisch-belgischen Komödie „Docteur Knock - Ein Arzt mit gewissen Nebenwirkungen“.

Hier spielt er einen ehemaligen Gangster, der bald feststellt, dass sich als Arzt einiges an Geld machen lässt und so siedelt er sich in dem kleinen Örtchen Saint Maurice an, das eine ausgesprochen gutbetuchte Gemeinde aufweist. Zusammen mit dem örtlichen Apotheker und dem Postboten entwickelt er darauf einen Plan, um die Leute, die zuvor kaum krank gewesen sind, um ihr Geld zu bringen. Dabei bedienen sie sich einiger unmoralischer Mittel, die sie jedoch zum Erfolg bringen. Als eines Tages jedoch Lansky, bei dem Knock noch Schulden hat, in Saint Maurice auftaucht, droht seine ganze Scharade aufzufliegen.

„Docteur Knock – Ein Arzt mit gewissen Nebenwirkungen“ ist eine wahre Feel-Good-Komödie, dessen Hauptbesetzung eigentlich fast zu nett und sympathisch wirkt, um wirklich skrupellose Gangster zu sein. Dies war leider auch oftmals die Kritik, die Omar Sy für seine Performance ernten musste, bei der den Kritiker*innen vor allem die Satire des zugrundeliegenden Theaterstücks fehlt.

 

Ruf der Wildnis



Nach „Jurassic World“ und „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ dürfte Omar Sy seine schauspielerischen Fähigkeiten auch in Hollywood besiegelt haben. Jedoch dauerte es fünf Jahre, bevor es ihn wieder in die Vereinigten Staaten zog, um dort an der Seite von Harrison Ford in der neuen Jack London-Verfilmung „Ruf der Wildnis“ einen Part zu übernehmen.

Der Star des Films ist jedoch der Hund Buck, der bislang ein sehr ruhiges und beschauliches Leben in einer wohlhabenden Familie führte, bis ihn Tierhändler eingefangen und für gutes Geld in die Einöde Alaskas verschleppt haben. Dort muss er nicht nur den harten Witterungs- und Lebensverhältnissen trotzen, sondern wechselt von einem Besitzer zum anderen. Und hier kommt Omar Sy ins Spiel, denn er mimt den Postboten Perrault, der zusammen mit seiner Partnerin Francoise Briefe und sonstige Pakete über den Yukon liefert. An seiner Seite wird Buck zum Anführer des Schlittenhunde-Rudels, bis er schließlich bei dem Einsiedler Jack Thornton landet, zu dem er mit der Zeit eine sehr innige Beziehung aufbaut.

 

Lupin 

© Netflix

Die Werke des Schauspielers, die wir bislang vorgestellt haben, liegen alle bereits ein wenig zurück. Aktuell sorgt der Franzose nämlich viel mehr mit einer Serie auf Netflix für Aufsehen. Die Rede ist von der Serie „Lupin“, in der Omar Sy den Trickbetrüger Assane Diop verkörpert, der sich für seine Coups von keinem Geringeren als dem Gentleman-Gauner Arsene Lupin inspirieren lässt.

Nachdem seine Mutter sehr früh gestorben ist und sein Vater sich aufgrund einer Verschwörung das Leben genommen hat, verbrachte Assane Diop den Großteil seiner Kindheit in einem Waisenhaus. Mittlerweile ist er erwachsen, kann das tragische Schicksal, das seinen Vater ereilte, jedoch nicht auf sich sitzen lassen. Aus diesem Grund schlüpft er wie sein literarisches Vorbild Arsene Lupin in diverse Rollen, um die wahren Hintergründe und Drahtzieher hinter der Verschwörung ausfindig zu machen.

Omar Sy ist für diese Rolle wie gemacht. Dank seines charmanten Lächelns und seines schauspielerischen Talents kauft man ihm als Trickster jeden noch so fadenscheinigen Betrug ab und nicht selten hat fühlt man sich an die britische Neuinszenierung von Sherlock Holmes mit Benedict Cumberbatch erinnert.

 

Bis an die Grenze



Auf den neuesten Film des französischen Ausnahmetalents Omar Sy heißt es leider noch etwas warten, da die anhaltende Corona-Pandemie zu einer Verschiebung des Kinostarts führte. Das Filmdrama „Bis an die Grenze“ der französischen Regisseurin Anne Fontaine („Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft“), das auf einem Roman von Hugo Boris basiert, stellt drei Polizist*innen in den Mittelpunkt, deren moralische Werte auf eine harte Probe gestellt werden.

Die Polizist*innen Virginie, Erik und Aristide arbeiten für die Pariser Polizei und sind es gewohnt ihren Befehlen Folge zu leisten. Ein Auftrag bringt sie jedoch in eine gewaltige Bredouille, in der sie an die Grenzen ihrer eigenen moralischen Vorstellungen geraten. Sie sollen einen Mann, der in Frankreich um Asyl gebeten hat, zum Flughafen bringen, damit dieser in seine Heimat Tadschikistan abgeschoben werden kann. Die Rückkehr in sein Herkunftsland bedeutet für ihn jedoch den sicheren Tod. Können es die drei dennoch mit ihrem Gewissen vereinbaren diesen Mann einfach seinem Schicksal zu überlassen?

Das Drama „Bis an die Grenze“ befasst sich mit einer brandaktuellen Problematik, die die Protagonist*innen in einen Zwiespalt zwischen getreuer Pflichterfüllung und dem eigenen Rechtsempfinden führt.

 

Trailer