21.08.2020 Kopierer
von Tyler Süß

In all den Jahren, in denen uns Filmemacher in Hollywood mit spannenden Leinwandabenteuern versorgten, kam es nicht selten vor, dass eine Idee in kürzester Zeit zweimal adaptiert wurde.


Erst Jahre später schaltete sich übrigens auch Netflix in die schottische Geschichtsstunde ein. Für den Streaming-Anbieter inszenierte Regisseur David Mackenzie vor zwei Jahren das garstig blutige, enorm gelungene Historienepos „Outlaw King“, das die Geschichte von Robert the Bruce, grandios und mit erstklassigem schottischem Akzent gespielt von Chris Pine, im 14. Jahrhundert nacherzählte. Abgesehen davon war in Hollywood bisher jedoch keine Spur von schottischer Geschichte.


1997: „Dante's Peak“ und „Volcano - Heißer als die Hölle“

© Universal Pictures / Rough Trade

Nur zwei Jahre später kam es gleich zum nächsten prominenten Doppelpack, das sich thematisch diesmal mit demselben Katastrophentypus auseinandersetzte. Sowohl Pierce Brosnan in „Dante's Peak“ als auch Tommy Lee Jones in „Volcano - Heißer als die Hölle“ mussten mit ihren Familien respektive Kollegen vor einem plötzlichen Vulkanausbruch fliehen, der eine Schneise der Zerstörung durch die Landschaft zog.



Katastrophenfilme generell waren zwar auch damals keine Neu- oder Besonderheit, Vulkanausbrüche hatte Hollywood bis dato allerdings noch nicht für sich entdeckt. In 1997 kamen dann eben direkt zwei Filme mit dieser Thematik gleichzeitig um die Ecke, beide landeten bei Fans des Genres einen gleichermaßen gewürdigten Erfolg. Filmische Glanzstunden waren jedoch beide Titel nicht wirklich.

Inzwischen gehören Katastrophenfilme längst zum guten Ton. Ob es Roland Emmerich war, der die legendäre Maya-Prophezeihung in „2012“ ummünzte, oder zuletzt Dwayne Johnson, der sich in „San Andreas“ erdbebentechnisch ausgelebt hat: In netter Regelmäßigkeit wird die fiktive Menschheit von neuen, actiongeladenen Katastrophenfilmen an ihre Grenzen gebracht.


1998: „Deep Impact“ und „Armageddon - Das jüngste Gericht“

© Touchstone

Ein Asteroid droht, die Erde und alles Leben auf ihr in nur einem Wimpernschlag zu vernichten. Während sich die Menschheit auf das nahende Ende vorbereitet, reist eine Crew der NASA ins All, um den Weltenzerstörer abzufangen oder zumindest den Kurs zu verändern. Na, welchen Film suchen wir wohl? Korrekt, „Armageddon“ UND „Deep Impact“. Nur ein Jahr nach dem Vulkankatastrophendoppel aus „Dante's Peak“ und „Volcano“ folgte direkt der nächste Weltuntergangszwilling auf dem Fuße und servierte allen Fans des Genres sowie dem Mainstream insgesamt zwei thematisch nahezu gleiche Titel im Doppelpack.

Diesmal verneigten sich sowohl Michael Bay als auch Mimi Leder vor der unbändigen Zerstörungskraft aus dem All, der Faszination für die Raumfahrt und den grenzenlosen Möglichkeiten, die der Menschheit noch lange verborgen bleiben dürften. Gemixt mit wissenschaftlichen Ansätzen und reichlich US-amerikanischem Pathos - wie auch sonst soll eine Geschichte funktionieren, in der der Fortbestand der gesamten Menschheit von den Amis abhängt - entstanden imselben Jahr gleich zwei Filme mit nahezu gleicher Story. Beschwert hat sich darüber aber niemand.


1998: „Antz - Was krabbelt da?“ und „Das große Krabbeln“

Krabbelfiecher und fiese Insekten als Kindheitshelden: Mit „Antz“ und „Das große Krabbeln“ gelang Ende des letzten Jahrtausends ein gefeierter Doppelschlag im Animationsbereich, der statt auf lebendige Spielzeuge oder tierische Helden nun also auf Ameisen, Raupen und andere Insekten setzte. Einmal Disney und Pixar, einmal DreamWorks: Während der Mickey-Maus-Konzern die Ameisenfreunde um Flik, Atta und Co. in „Das große Krabbeln“ gewohnt quietschig und bunt in Szene setzte, wirkte das Konkurrenzkonzept in „Antz“ schon damals arg düster und animationstechnisch reichlich bizarr.

Aus heutiger Sicht wäre der Streifen in der Form wahrscheinlich nie entstanden - immerhin bekommen es die Kleinen hier sogar mit einem Krieg zwischen Ameisen und Termiten zu tun, der in abgetrennten Gliedmaßen und körperlosen Ameisensoldaten mündet. Ja, das klingt nicht nur eklig, das sieht auch so aus. Ein Wunder, dass DreamWorks da keine Klagen ins Haus geflattert sind oder Scharen von Kids traumatisiert wurden. Weil's so schön war:


2006: „Prestige - Die Meister der Magie“ und „The Illusionist - Nichts ist, wie es scheint“

Kleiner zeitlicher Sprung nach vorn, acht Jahre später: Mit Sicherheit gab es auch um die Jahrtausendwende herum den einen oder anderen Hollywood-Doppelschlag, der sich mit ein und demselben Thema ein kopiertes Stück vom Kuchen abschneiden wollte. Den größten finanziellen Unterschied machten in 2006 jedoch erst die magischen Zwillinge „Prestige - Die Meister der Magie“ und „The Illusionist - Nichts ist, wie es scheint“ aus. Während Christopher Nolan gemeinsam mit seinem Starensemble um Hugh Jackman, Christian Bale, Michael Caine und Scarlett Johansson einen weiteren Meilenstein des Kinos erschuf, ging Edward Norton als Magier im Wien des späten 19. Jahrhunderts (leider zunächst) gnadenlos unter.

© Warner Bros.

Der Vergleich ist natürlich fix gezogen, trotzdem weiß auch „The Illusionist“ mit starkem Cast und noch stärkerer Prämisse zu begeistern. Es ist eben immer schwierig, gar unmöglich, neben oder gegenüber von Mr. Nolan zu bestehen - da hat sich Regisseur Neil Burger („Die Bestimmung - Divergent“) definitiv keinen Gefallen getan, den Film mit talentierter Prominenz wie Paul Giamatti, Jessica Biel oder einem jungen Aaron Taylor-Johnson zeitgleich auf der großen Kinoleinwand zu entfesseln. Wäre der Film deutlich später oder eben früher entstanden, würde der Vergleich zum überragenden Magierduell zwischen Batman und Wolverine wahrscheinlich gar nicht existieren.


2006/ 2007: „Happy Feet“ und „Könige der Wellen“


Unser nächstes Hollywood-Doppel nimmt sich sogar selbst aufs Korn - zumindest auf Seite der lässigen Surferdudes. „Könige der Wellen“ erschien nämlich exakt ein Jahr nach „Happy Feet“, dem großen, tanzenden Pinguinerfolg von Warner. Während die Pinguine in „Happy Feet“ bekanntlich dem Stepptanz nachgingen, konzentrierten sich die flugunfähigen Frosties im ersten großen Eigenprojekt von Sony Pictures Animation nach „Jagdfieber“ in 2007 dann aufs Wellenreiten und verlegten das Setting nach kurzem Einstieg in der Antarktis in die tropische Hitze der Karibik. Im Intro gab's dann direkt die freundlich gemeinte Schelte gegen den steppenden Vorgänger: Surfer-Pinguin Cody Maverick wird vom Filmteam gefragt, ob er vielleicht auch singen oder tanzen könnte, woraufhin er entgegnet: „Seh ich so aus, als hätte ich happy Feet?“ Kaum subtil, dafür aber nicht weniger witzig!

Erfolgstechnisch hing „Happy Feet“ seinen surfenden Nachfolger locker ab. Inzwischen gilt die Story um den wellenbeherrschenden Pinguin, der sich seinen großen Traum vom Surferdasein erfüllen will, vor allem unter erwachsenen Zuschauern als zu Unrecht missachtestes Highlight seiner Zeit. Trotzdem war nach dem einen Film Schluss, „Happy Feet“ bekam Jahre später hingegen ein Sequel spendiert. Stimmt nicht ganz: Auch „Könige der Wellen 2“ wurde in 2017 klammheimlich als TV-Film nachgeschoben, darf an dieser Stelle jedoch ganz gern wieder vergessen werden.


2011: „Freundschaft Plus“ und „Freunde mit gewissen Vorzügen“


Dürfen's lieber Ashton Kutcher und Natalie Portman oder Justin Timberlake und Mila Kunis sein? Sowohl „Freundschaft Plus“ als auch „Freunde mit gewissen Vorzügen“ thematisierten in 2011 das neumoderne „Friends with Benefits“-Beziehungsthema, bei dem zwei vorwiegend attraktive Menschen frei von Gefühlen und gänzlich ohne einen Anflug von Liebe miteinander in die Kiste hüpfen. Tinder ohne Internet, quasi. Dass das jedoch nicht immer so ganz funktioniert und sich irgendwann zwangsläufig auch mal das Herz einschaltet, sorgte in beiden Streifen letztlich für romantisches Chaos und überraschend emotionale Moment zwischen Gags am laufenden Band.

Apropos überraschend: Was es wohl bedeuten mag, dass Ashton Kutcher und Mila Kunis, die sich inzwischen glücklich verheiratet um die gemeinsame Familienplanung kümmern, unabhängig voneinander zur selben Zeit quasi den gleichen Film gedreht haben, darf jetzt jeder selbst für sich entscheiden. Irrsinniger Zufall, so viel steht fest.


2012: „Snow White and the Huntsman“ und „Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte...“


Wieder mal ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich ein bestimmtes Thema doch adaptiert werden kann. Während Rupert Sanders in „Snow White and the Huntsman“ auf „Twilight“-Entdeckung Kristen Stewart, Jung-Thor Chris Hemsworth und Charlize Theron als böse Königin setzte, die sich in einer düster brutalen Fantasy-Welt mit den Tücken des bekannten Märchens herumschlagen mussten, ging es in „Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen“ bunt, schrill und reichlich abgedreht zu. Kunstregisseur Tarsem Singh („The Fall“) steckte mit Lily Collins nicht nur die merklich treffendere Schneewittchendarstellerin ins Prinzessinendress, sondern verlegte sich im Rahmen seiner Neuinterpretation der klassischen Geschichte auf schrägen Witz, reichlich überdrehten Kitsch und ausufernde Bollywood-Einlagen. Erfolgstechnisch lag der düstere Zwilling allerdings deutlich weiter vorn, bekam einige Zeit später sogar noch ein Sequel spendiert („The Huntsman & The Ice Queen“).

Im Prinzip kann man die beiden Schneewittchen-Reboots generell kaum miteinander vergleichen. Wer es lieber düster hat, fuhr eben mit Kristen Stewart und Co. besser - wer hingegen Lust auf Absurditäten und Julia Roberts in gigantisch prunkvollen Kleidern hatte, lag mit der komödiantischen Adaption von Tarsem Singh goldrichtig. So oder so: Beide Adaptionen haben definitiv ihre Berechtigung.


2013: „Olympus Has Fallen“ und „White House Down“


Antoine Fuqua gegen Roland Emmerich: In 2013 erkannten die beiden Ausnahmeregisseure quasi synchron, dass es dringend mal wieder an der Zeit wäre, patriotische US-Helden ins Feld zu schicken, um die Welt - oder schlimmer noch: den Präsidenten - mit allen Mitteln zu beschützen. Gesagt, getan: Sowohl Fuquas „Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr“ als auch Emmerichs „White House Down“ brachten je ein charismatisches Darstellergespann auf die große Leinwand, um den fiktiven US-Präsidenten und seinen tapferen Secret Service-Beschützer zu mimen.

Während Channing Tatum und Jamie Foxx in Emmerichs Kriegszug durchs Weiße Haus eigentlich die bessere Figur machten, wurden Gerard Butler und Aaron Eckhart für ihren einige Monate jüngeren Kracher derselben Stoßrichtung gar mit zwei Sequels belohnt („London Has Fallen“, „Angel Has Fallen“). Mehr noch: Während inzwischen Morgan Freeman vom politischen Sprecher zum Präsidenten befördert wurde, bereiten die Produzenten längst eine ganze Reihe von Fortsetzungen sowie eine Serie um Butlers Secret Service-Agenten Mike Banning vor. Antoine Fuqua hat zwar bereits nach Teil 1 das Handtuch geworfen, Ric Roman Waugh sieht aber noch unverbrauchtes Potenzial in der „Has Fallen“-Reihe.


2014: „The Legend of Hercules“ und „Hercules“


Zum Abschluss wollen wir euch natürlich nicht das spektakuläre Doppelfeature vorenthalten, das sich Hollywood in 2014 für den allseits bekannten, griechischen Halbgott Hercules ausgedacht hat. Zugegeben, „The Legend of Hercules“ war ohnehin als Low Budget-Produktion angelegt, lässt sich also kaum mit den übrigen A-Titeln in dieser Liste vergleichen. Und trotzdem: Was Renny Harlin aus der griechischen Legende gemacht hat, passt auf kein Blatt Papier. Als hätte der Regisseur einen Tag vor Drehstart noch fix „300“ gesehen und sich gedacht, das Design müsste er jetzt auch ganz dringend auf seinen Hercules-Plan anwenden - ohne das ganze Blut, die Brutalität und Klasse, ist ja klar.

Sehr viel besser hat es dann ein wenig später in 2014 aber auch Dwayne Johnson nicht gemacht. Zusammen mit Regisseur Brett Ratner entfesselte auch „The Rock“ die Legenden des Hercules, wirkte allein von der Statur her eigentlich wie geschnitzt für diese Rolle. Doch „Hercules“ kam sagenhaft überzogen, nahezu lächerlich daher, setzte Johnson eine maximal unglaubwürdige Perücke auf und streute an den unpassendsten Ecken und Enden Gags und Oneliner zur Überbrückung ein. Mies, wirklich mies. Kein Wunder, dass „Hercules“ erst kürzlich in unserer Auflistung aller bisherien Filme von „The Rock“ als einer der schwächsten Titel abschnitt.

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