Das perfekte Geheimnis - auf KINO&CO
05.03.2020 Dojo
von Wencke Schimmelpfennig

In den frühen 1970er Jahren begann von Hongkong aus eine Welle von Kampffilmen, auch als Martial-Arts- oder Kung Fu-Filme bezeichnet, zu uns herüberzuschwappen, die irgendwann die ganze Welt und auch Hollywood im Sturm erobern sollten.


Jet Li

China ist nicht nur das Geburtsland des Kung Fu-Films, sondern auch vieler seiner wichtigsten Akteure. So auch des Schauspielers und Wushu-Kämpfers Jet Li. Schon mit acht Jahren erlernte dieser die Kunst des Wushu und errang fünfmal in Folge den Sieg bei den chinesischen Meisterschaften.

Mit Filmen wie „Meister der Shaolin“ und „Once Upon a Time in China“ gelangte er zu großem Ruhm und Ansehen in ganz Asien und konnte sich bereits früh eine breite Fangemeinde und einen regelrechten Kultstatus erarbeiten. 1998 gelang Jet Li dann der große Sprung nach Hollywood. Seitdem gehört er zu den bekanntesten und gefragtesten Kampfkunst-Akteuren Hollywoods.

© Splendid Film


Shakespeare mal anders: „Romeo Must Die“

Nach seinem Hollywood-Debüt in „Lethal Weapon 4“ an der Seite von Mel Gibson, Danny Glover und Joe Pesci folgte für Jet Li im Jahr 2000 mit „Romeo Must Die“ sein nächster großer Knüller. In dem an die Geschichte von Romeo und Julia angelehnten Actionfilm spielt Jet Li an der Seite von R'n'B-Sängerin Aaliyah die Hauptrolle und damit die Verkörperung Romeos. In dem Film von Regisseur Andrezej Bartkowiak kämpfen das chinesische und das afroamerikanische Syndikat um die Vorherrschaft im Hafengebiet von Oakland. Inmitten der verfeindeten Banden entspannt sich jedoch eine Liebesgeschichte, der ein tragisches Ende vorbestimmt ist.

Danach geht es für Jet Li Schlag auf Schlag weiter, seine Hollywood-Karriere steht erst am Anfang und ein Blockbuster jagt den nächsten. So kommen kurz nacheinander Filmhits wie „Kiss of the Dragon“, das Fantasy-Epos „Hero“ und „Born 2 Die“ heraus, die Liste ließe sich fast endlos weiterführen. Jet Li wird zum absoluten Erfolgsgaranten und weiß mit seiner Kampfkunst einfach jedes Publikum zu begeistern.


Killermaschine mit Herz: „Unleashed - Entfesselt“

Einer seiner stärksten Klassiker, die man auf jeden Fall gesehen haben muss, ist „Unleashed - Entfesselt“. In dem Actiondrama von Louis Leterrier und Luc Besson spielt Jet Li den sozial-inkompatiblen, dafür aber zur Kampf- und Killermaschine erzogenen Danny. Nachdem seine Mutter ermordet wurde, gelangt Danny in jungen Jahren bereits in die Finger eines Gangsters (Bob Hoskins), der ihn zu seinen Zwecken erzieht und wie einen Hund hält.

Erst der blinde Klavierstimmer Sam, gespielt von Morgan Freeman, macht Danny wieder zu einem echten Menschen. Packende und actiongeladene Kampfszenen treffen auf eine emotionale und tragische Hintergrundstory und machen „Unleashed - Entfesselt“ damit einfach zu einem unfassbar gelungenen Film!

© Universal Pictures

Doch auch Filme wie „Fearless“ oder „War“ machten Jet Li zu einer wahren Legende des Martial-Arts-Films. Mit seiner Rolle in der „The Expendables“-Reihe an der Seite von Sylvester Stallone, Jason Statham, Dolph Lundgren und Mickey Rourke hat es Jet Li dann endgültig in die A-Liga der Hollywood-Action-Stars geschafft. Nach längerer, gesundheitlich bedingter Schaffenspause wird er als nächstes in der Disney-Neuauflage von „Mulan“ zu sehen sein.


Tony Jaa

Dass Martial-Arts-Filme und -Schauspieler nicht unbedingt aus China kommen müssen und dass auch andere Länder auf die Erfolgswelle der asiatischen Kampffilme aufgesprungen sind, beweist Tony Jaa. Der thailändische Schauspieler hat sich mit der „Ong-Bak“-Filmreihe nicht nur einen Platz unter den großen fünf Martial-Arts-Schauspielern gesichert, sondern zudem ganz neue Komponenten und Kampfstile in den asiatischen Martial-Arts-Film eingebracht.

Tony Jaa wurde von Jackie Chan und Bruce Lee, die zu den frühen Größen des Kung Fu- und Martial-Arts-Films gehören, nicht nur zum Schauspielern, sondern auch zum Kampfsport inspiriert. Er wurde jedoch nicht nur, wie auch sein Vater, Muay Thai-Boxer, sondern beherrscht darüber hinaus etliche Kampftechniken wie Taekwondo, diverse Waffentechniken, sowie Gymnastik, die ihn nicht nur zu einem perfekten Kämpfer, sondern auch zu einem Star des Martial-Arts-Films machten.


Die legendäre „Ong-Bak“-Reihe

Zu Tony Jaas größtem Erfolg gehört mit Abstand die „Ong-Bak“-Filmreihe des thailändischen Regisseurs Prachya Pinkaew. Darin muss sich der in Muay Thai ausgebildete Ting zunächst gegen eine Vielzahl von Widersachern zur Wehr setzen, um die kostbare Buddha-Statue Ong-Bak in seine Dorfgemeinde zurückzubringen. Dabei gerät er immer wieder an Betrüger und Gauner, die Tings ungewöhnliche Kampfkünste für sich nutzen wollen.

Auch wenn „Ong-Bak 2“ und „Ong-Bak 3“ nicht direkt an ihren Vorgänger anschließen, zeigen sie doch Tony Jaa und seine ganz spezielle Kampfkunst in Perfektion. Besonders markant ist dabei sein spezieller und effizienter, ungemein harter Einsatz der Ellenbogen, der ihn von anderen Martial-Arts-Kämpfern unterscheidet.

In seinem Film „Revenge of the Warrior“, der ebenfalls vom „Ong-Bak“-Regisseur stammt, kommen Tony Jaa übrigens sogar seine familiären Wurzeln zugute. In dem Film muss Jaa ein Elefantenjunges retten, das aus einer Ahnenreihe von Kriegselefanten abstammt. Die Arbeit mit einem Elefanten sollte für den aus einer Elefantentrainer-Familie stammenden Tony Jaa wohl ein Leichtes gewesen sein.


Jackie Chan

Nach den Jungspunden kommen wir nun zu den Urgesteinen des Kung Fu- und Martial-Arts-Films, die das Genre nicht nur groß gemacht haben, sondern auch maßgeblich für die Verbreitung in den westlichen Ländern verantwortlich waren. Der aus Hongkong stammende Jackie Chan schaffte es nicht nur mit seiner Kampfkunst, sondern auch mit seiner ganz besonderen Art von Humor einer der ganz großen Stars in der Geschichte Hollywoods zu werden.

© Splendid Film


Klassiker: „Die Schlange im Schatten des Adlers“

Den Beginn seiner Karriere beschreitet Jackie Chan jedoch in Hongkong selbst, der Geburtsstätte des Kung Fu-Films. Bereits Anfang der 1960er Jahre wirkt Jackie Chan in etlichen Kampffilmen mit, von denen er teilweise bis zu neun im Jahr dreht. Dabei setzt Chan nicht immer nur auf Brutalität, sondern besticht vor allem mit seiner Komik, wie auch in dem Film „Die Schlange im Schatten des Adlers“ von 1978. In dem mittlerweile zum Klassiker gewordenen Film spielt er den Hausburschen eines Kung Fu-Meisters, der wegen seiner Tollpatschigkeit und seiner schlechten Kung Fu-Kenntnisse von allen herumgeschubst wird. Er beginnt darauf heimlich die Kung Fu-Technik eines Reisenden zu erlernen, ohne zu ahnen, dass ihn dies in große Schwierigkeiten bringen wird.

Der Film „Die Schlange im Schatten des Adlers“ setzt vor allem auf Selbstironie und greift das gängige Thema des „Drunken Master“ auf, das den Kampf eher ulkig, wenn auch effizient gestaltet.

Jackie Chan zeichnet sich vor allem durch seine waghalsigen und atemberaubenden Stunts aus, die ihn von der Masse abheben und ihm nach einigen Startschwierigkeiten auch in den USA Erfolg versprechen. Obwohl er bereits 1981 neben Roger Moore und Burt Reynolds in dem Hollywood-Film „Auf dem Highway ist die Hölle los“ zu sehen ist, lässt sein großer Durchbruch jedoch noch etwas länger auf sich warten.


Von witzig bis ernst: „Police Story“

In Hongkong wird Jackie Chan zu dieser Zeit jedoch zu einem der gefragtesten Martial-Arts-Schauspieler und feiert neben seiner „Powerman“-Filmreihe vor allem mit „Police Story“ einen großen kommerziellen Erfolg, der seinen endgültigen Durchbruch bedeutet. In der Action-Komödie muss sich Jackie Chan als Police Detective Kevin nicht nur gegen einen Drogenboss behaupten, sondern auch gegen seine eigenen Kollegen, die ihm auf Grund eines Komplotts von Drogenboss Tom Ku ebenfalls auf den Fersen sind. Mit ausgeklügelten Kampfszenen und diesem ganz besonderen Jackie Chan-Humor wird „Police Story“ somit zu einem echten Filmhit.

Inzwischen hat sich die Police Story-Reihe maßgeblich weiterentwickelt und vor allem stilistisch verändert. Der humoristische Charakter früherer Tage ist längst Geschichte, zuletzt zeigte Jackie Chan mit „New Police Story“ (2004) sowie „Police Story - Back for Law“ (2013), wie stark auch sein dramatisches Schauspiel sein kann

Jackie Chans komödiantische Einlagen sind übrigens von den großen Hollywood-Komikern Buster Keaton und Charlie Chaplin inspiriert, die Chan immer große Vorbilder waren und so auch oftmals als Referenz in seinen Filmen auftauchen. Bevor er jedoch selbst nach Hollywood kam und mit Filmen wie „Rush Hour“, „Shang-High Noon“ und „The Foreigner“ weltberühmt wurde, wirkte er in seiner Heimat Hongkong in über 50 Filmproduktionen mit und kann mittlerweile auf ein gewaltiges Filmrepertoire zurückblicken.


Bruce Lee

Bruce Lee gilt nicht nur als Ikone des Martial-Arts-Films, sondern ist für viele sogar einer der größten Kampfkünstler des 20. Jahrhunderts. Bruce Lee wurde zu einer Legende, die leider viel zu früh, mit gerade einmal 32 Jahren, aus dem Leben schied. Zurückgeblieben und unvergesslich sind nicht nur seine Filme, denn auch Bruce Lee selbst wurde zu einer Ikone der Popkultur, die sich nicht nur in unzähligen Videospielen, sondern auch in der zeitgenössischen Kunst wiederfindet.

© Warner Bros.

Nach seinem Gastauftritt in der 60er Jahre „Batman“-Serie, startete Bruce Lee seine Film- und Fernsehkarriere in Hollywood mit der Serie „The Green Hornet“, in der er an der Seite von Van Williams als Green Hornet seinen Gehilfen Kato spielte. Damit setzte er 1966 den Grundstein für seine erfolgreiche Hollywood-Karriere. In seiner Heimat Hongkong war man von der Serie und dem Erfolg ihres Landsmannes Bruce Lee sogar so begeistert, dass man die Serie kurzerhand in „The Kato Show“ umbenannte.

In seiner Heimat Hongkong bekam er unterdessen jede Menge Filmangebote, vor allem von den Shaw Brothers und Golden Harvest, die zu den führenden Studios des Kung Fu-Films zählten. Obwohl Bruce Lee seine Zukunft in seiner neuen Wahlheimat Amerika sah, ließ er sich zusammen mit Golden Harvest auf den Film „Bruce Lee - Die Todesfaust des Cheng Li“ ein.


„Bruce Lee - Todesgrüße aus Shanghai“

Bruce Lee brach mit seinen Filmen, die er zusammen mit Golden Harvest in Hongkong produzierte, einen Einspielrekord nach dem nächsten. So übertraf auch der Film „Bruce Lee - Todesgrüße aus Shanghai“ sämtliche vorherige Einspielergebnisse und machte Bruce Lee zu einem Superstar des Martial-Arts-Films.

In dem Film spielt Bruce Lee den Schüler der angesehenen Kampfkunstschule Huo, benannt nach seinem Meister und chinesischen Volkshelden Huo Yuanjia. Entsetzt muss er den Tod seines Meisters feststellen, den er so jedoch nicht akzeptieren kann. Er macht sich an die Aufklärung des an seinem Meister verübten Mordes, wodurch er jedoch mit einer konkurrierenden japanischen Schule aneinandergerät.

Noch im selben Jahr (1972) entstand das Drehbuch zu „Die Todeskralle schlägt wieder zu“, in dem Bruce Lee seine eigenen Ansichten über die Kampfkunst und das Filmemachen verarbeitet.


„Der Mann mit der Todeskralle“

Bruce Lees filmische Erfolge in seiner Heimat Hongkong blieben natürlich auch von Hollywood nicht unbemerkt, weshalb Paramount Pictures und Warner Bros. Lee vermehrt mit Angeboten überhäuften. So entstand 1973 der erste in Amerika produzierte Martial-Arts-Film mit Bruce Lee in der Hauptrolle. „Der Mann mit der Todeskralle“ war eine chinesisch-amerikanische Kooperation zusammen mit Golden Harvest.

Lee (Bruce Lee) ist ein Mitglied des Shaolin-Tempels und Meister des Kampfsports. Im Auftrag des britischen Geheimdienstes reist Lee zu einem Kampfturnier, dessen Veranstalter in Drogengeschäfte sowie Frauenhandel verwickelt sein soll. Lee hat jedoch seine eigenen Motive und sinnt auf Rache für den Selbstmord seiner Schwester. Diese wurde nämlich durch einen Handlanger des Drogenbosses in den Freitod getrieben, was Lee ihm nicht verzeihen kann. Lee muss etliche Turnierkämpfe bestreiten und kommt dadurch der Wahrheit immer näher.

Mit seinem Film „Der Mann mit der Todeskralle“ löste Bruce Lee nicht nur in Amerika einen regelrechten Hype um Kung Fu-Filme aus, der nicht nur den Weg für spätere Schauspieler wie Jet Li und Jackie Chan ebnete, sondern auch Hollywood ins Kung Fu-Fieber versetzte. Wie Carl Douglas schon sang: „Everybody is Kung Fu fighting“. So wurden Filme wie „Matrix“ und die Kampfszenen von Keanu Reeves maßgeblich durch die Kung Fu-Filme Bruce Lees inspiriert und die asiatischen Kampfsportarten erhielten Einzug in das große Hollywood-Kino.


Martial-Arts-Filme - Moderne Klassiker und Kick-Ass-Women

Allerdings sind nicht nur die Herren der Schöpfung ganz groß im Kung Fu-Business unterwegs. Anfang der 2000er begann eine neue Welle von Filmen von China aus die Filmwelt im Sturm zu erobern. Die dem Wuxia-Genre zugeordneten Filme, was so viel heißt wie ritterlicher Held, sind nicht nur in der chinesischen Kultur äußerst beliebt, sondern haben auch das westliche Publikum mit ihrer Mischung aus Action mit grandiosen Kampfszenen, geschichtsträchtigem Kontext und einer bewegenden Liebesgeschichte restlos überzeugt.

Anders als in den Filmen von Bruce Lee oder Jackie Chan setzen Filme wie „Hero“, „Tiger and Dragon“ oder „House of Flying Daggers“ auf starke weibliche Hauptrollen. Nicht nur durch ihre mit Fantasy-Elementen gespickte und emotionale Handlung, sondern vor allem auch durch die beeindruckenden Kampfszenen, sind diese Filme zu modernen Klassikern des Martial-Arts-Films geworden.


„Tiger & Dragon“

Den Anfang in dieser Reihe machte im Jahre 2000 der Film „Tiger & Dragon“ von Regisseur Ang Lee.
Der berühmte Schwertmeister Li Mu Bai erteilt seiner Geliebten Yu Xiu Lian, die selbst eine große Kämpferin ist, den Auftrag sein wertvolles „Grünes Schwert der Unterwelt“ seinem Freund zu überbringen. Kurz nach der Übergabe wird das Schwert jedoch von einer Diebin geraubt, die sich für Yu Xiu Lian als würdige Gegnerin entpuppt. Es beginnt ein Kampf nicht nur um das Schwert, sondern auch für Gerechtigkeit.

„Tiger & Dragon“ überzeugt vor allem durch die feine Ästhetik und die anmutig choreografierten Kampfszenen der beiden Protagonistinnen gespielt von Michelle Yeoh und Zhang Ziyi. Doch auch die beiden Frauen schenken sich nichts in diesem beeindruckenden Schwertkampf.

Während Zhang Ziyi erst durch den Film „Tiger & Dragon“ zu größerer Bekanntheit gelangte, ist Michelle Yeoh bereits seit den späten 80er Jahren eine der bekanntestes Schauspielerinnen des Martial-Arts-Films. So ist sie zum Beispiel 1992 in „Police Story 3“ an der Seite von Jackie Chan und 1994 in „Wing Chun“ neben Donnie Yen zu sehen gewesen.

Der Film „Tiger & Dragon“ überzeugte jedoch nicht nur das Publikum, sondern auch die Jury der Oscar-Verleihung, die den Film mit insgesamt vier Oscar-Gewinnen unter anderem als bester fremdsprachiger Film nach Hause schickte.


„Hero“

Gerade mal zwei Jahre später erscheint mit „Hero“ von Regisseur Zhang Yimou ein weiterer moderner Klassiker des Martial-Arts-Films, der zudem das Who is Who der Martial-Arts-Szene versammelt.
Eines Tages erscheint der Namenlose beim König von Qin und erzählt ihm die Geschichten der drei Attentäter Fliegender Schnee, Weiter Himmel und Zerbrochenes Schwert, die es allesamt auf das Leben des Königs abgesehen haben. Doch im Laufe der Geschichte wandeln sich nicht nur die Erzählungen selbst, sondern auch die Absichten der Attentäter, sodass am Ende nicht das Wohl des Einzelnen, sondern der Allgemeinheit im Mittelpunkt steht.

In den Rollen des Namenlosen und des Attentäters Weiter Himmel sind hier Jet Li und Donnie Yen zu sehen. Doch auch die weiblichen Hauptrollen sind stark besetzt. So übernimmt Zhang Ziyi die Rolle von leuchtender Mond und setzt damit nach „Tiger & Dragon“ ihre Erfolgssträhne fort. Maggie Cheung („In the Mood for Love“), die zu den besten Charakterdarstellerinnen Hong Kongs gehört, verkörpert hingegen Fliegender Schnee, die Attentäterin und Geliebte von Zerbrochenes Schwert. „Hero“ ist ein wahres Filmepos, das ebenso wie „Tiger & Dragon“ durch seine Ästhetik und die opulente Szenerie und Bildgewalt überzeugt.


„House of Flying Daggers“

Auch der nächste moderne Klassiker des Martial-Arts-Films stammt vom „Hero“-Regisseur Zhang Yimou. In „House of Flying Daggers“ übernimmt auch Zhang Ziyi erneut die Hauptrolle als blinde Tänzerin Mei, die jedoch zu der Rebellengruppe der Fliegenden Messer gehört. Diese hat es auf den Sturz des Kaiserreichs abgesehen und soll von den beiden Polizisten Jin und Leo zur Strecke gebracht werden. Um an den Anführer der Gruppe zu kommen, wollen sie sich die schöne Mei zunutze machen. Besonders Zhang Ziyi überzeugt hier mit einem Kampfstil, der ans Übernatürliche grenzt und jede Menge Geschick und Grazie beweist.

© Constantin Film 

Doch Michelle Yeoh, Maggie Cheung und Zhang Ziyi sind nur drei Bespiele der vielen beeindruckenden Frauen, die der Martial-Arts-Film zu bieten hat.


Hollywood Goes East

Nicht nur der Kung Fu, sondern auch andere Kampfkünste erfreuten sich immer größerer Beliebtheit in den westlichen Ländern und der Martial-Arts-Film wurde regelrecht zum Exportschlager. Kein Wunder, dass sich dieser Trend auch auf die westlichen Filmproduktionen auswirkte. So bedienten sich Filme wie „Matrix“ der speziellen ostasiatischen Kampfkunst, um die Kampfszenen noch eindrucksvoller zu gestalten und ihnen einen übernatürlichen Touch zu verleihen.


„Kill Bill“

Ein weiterer Film, der sich bewusst an asiatischen Vorbildern orientiert und stark auf Martial-Arts-Kampfszenen setzt, ist der Film „Kill Bill“ von Regisseur Quentin Tarantino aus dem Jahr 2003. Der Film erschien genau zu der Zeit, als Filme wie „Hero“ und „Tiger & Dragon“ nur so boomten. Zudem verwendet er mit dem Motiv der Rache, ein typischen Leitmotiv des asiatischen Kampffilms.

Als Black Mamba kämpft sich Uma Thurman durch ein blutiges Meer der Rache und zielt dabei auf all jene ab, die zum Attentatskommando Tödliche Viper unter der Leitung von Bill gehören und ihr Leben zerstört haben. „Kill Bill“ wartet mit faszinierenden Kampfszenen auf, in denen Uma Thurman gekonnt ein Samurai-Schwert führt und auch ein „wenig“ Splatter-Effekt darf bei Tarantino natürlich nicht fehlen. Der grandiose Soundtrack unterstreicht diesen Gewaltexzess gekonnt und zeigt wie Eastern und Hollywood doch perfekt harmonieren können.

>> Hier seht ihr die legendäre Kampfszene zwischen Black Mamba vs. Cotton Mouth <<


„Shang-High Noon“

East meets West heißt es auch in dem Film „Shang-High Noon“ von Regisseur Tom Dey aus dem Jahr 2000. Der Film bringt den chinesischen Superstar Jackie Chan zusammen mit dem Amerikaner Owen Wilson vor die Kamera und verbindet das Genre des Eastern mit einem klassischen Western, also dem amerikanischen Film schlechthin. Mit jeder Menge Humor und der unvergleichlichen Komik von Jackie Chan und Owen Wilson hat der Film neben den spektakulären Martial-Arts-Kampfszenen einiges zu bieten. So kann man die beiden Kulturen auf jeden Fall auch vereinen und den Martial-Arts-Film hollywoodgerecht aufarbeiten.

© Warner Bros.


„Rush Hour“

Ein gutes Beispiel für eine gelungene Symbiose von Hollywood und Martial-Arts-Film ist die „Rush Hour“-Trilogie, die 1998 mit dem ersten Teil begann und die gleichzeitig Jackie Chans großen Durchbruch in Amerika bedeutete. Jackie Chan kommt darin als Detektiv nach Amerika, um eine Entführung aufzuklären. Das FBI mag es jedoch gar nicht, dass ein ausländischer Ermittler auf ihrem Terrain unterwegs ist und stellt ihm den Polizisten Carter (Chris Tucker) an die Seite, der ihn von seinen Ermittlungen abhalten soll. Am Ende arbeiten die ungleichen Polizisten jedoch zusammen, um den Fall aufzuklären.

Durch die „Rush Hour“-Filmreihe wurde nicht nur Jackie Chans Bekanntheit in den USA gesteigert, sondern er bildete zusammen mit Chris Tucker ein unvergessliches Film-Gespann, das die Zuschauer reihenweise begeisterte.

© Warner Bros.


„Mulan“

Eine ganz andere Form der Adaption ostasiatischer Filmmotive ist der Disney-Klassiker „Mulan“ von 1998. Der Zeichentrickfilm erzählt die Geschichte eines chinesischen Mädchens, das als Mann verkleidet für die Ehre ihrer Familie und ihres Landes kämpft. Der Film greift dabei nicht nur Motive einer alten chinesischen Volkssage über „Hua Mulan“ auf, sondern bedient sich auch der ostasiatischen Kampftechnik, die das junge Mädchen in dem Film erlernt.

2020 steht mit der Realverfilmung zu „Mulan“ aus dem Hause Disney nun sogar eine Neuinszenierung der Geschichte Mulans an, die demnächst in die Kinos kommen wird. Der Film beweist, wie auch die chinesische Kultur abseits der Kampfkünste Einzug in westliche Filmproduktionen hält.

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Die Schwachsinns-Kategorie oder auch Kung Fu-Klamauk

Was bei all der Ernsthaftigkeit von Martial-Arts-Filmen über Rache und Ehre nicht vergessen werden darf, ist die Kategorie der Klamauk-Filme. Ob nun überzeichnete Charaktere, das Spielen mit Klischees oder vor Trunkenheit schwankende Kämpfer, auch dies sind Elemente des Martial-Arts-Films, die ihn überhaupt erst zu dem machen, was er ist.


Von Göttern und Nudeln: „Kung Fu Hustle“

Ein Klassiker der Unterhaltung und des nicht ganz so ernst gemeinten Martial-Arts-Films ist „Kung Fu Hustle“ aus dem Jahr 2004. Der Film von und mit Stephen Chow setzt statt auf eine ausgeklügelte Handlung eher auf Slapstick, originelle Charaktere sowie unterhaltsame Kampfszenarien. Unvergesslich bleibt zum Beispiel Yuen Qiu als strenge Vermieterin mit Lockenwicklern in den Haaren und einer Zigarette im Mundwinkel. Es sind gerade die überzeichneten Charaktere, die oftmals schon einen Comiccharakter annehmen und den Film so prägend machen.

© Sony Pictures


Kickende Mönche: „Shaolin Kickers“

Noch vor seinem großen Erfolg mit „Kung Fu Hustle“ gelang Regisseur und Darsteller Stephen Chow der große Durchbruch mit seiner Martial-Arts-Komödie „Shaolin Kickers“. Der Film vereint auf eher ulkige Weise die westliche Fußball-Tradition mit der ostasiatischen Kultur des Kung Fu. Die ehemaligen Shaolin-Mönche und Meister des Kung Fu wollen zusammen eine Fußballmannschaft gründen, müssen aber bald feststellen, dass es mit dem Spielen nicht so gut klappt wie erwartet.

Doch wie schon im Kung Fu steigern sich auch bald ihre fußballerischen Fähigkeiten und sie treten in einem alles entscheidenden Turnier gegen die gedopten Teufelsdrachen an. Der parodistische Film setzt vor allem auf comicartige Übertreibungen, wie meterweite Sprünge und Bälle, die einen Feuerschweif hinter sich herziehen. Dabei handelt es sich oftmals auch um Anspielungen auf japanische Anime-Serien wie „Captain Tsubasa“, die gerade Genre-Fans wiederholt zum Prusten bringen!

© Studiocanal


Golden Oldie: Unser Favorit unter den Martial-Arts-Filmen


„Die 36 Kammern der Shaolin“

Last but not least, unser Golden Oldie, der in unserer Liste der besten Kung Fu- und Martial-Arts-Filme eine Sonderstellung einnimmt. Der Film „Die 36 Kammern der Shaolin“ aus dem Jahr 1978 ist nicht nur ein echter Klassiker des Genres, sondern auch einfach einer unserer persönlichen Favoriten.

Das chinesische Volk wird von den Mandschuren gequält und unterdrückt und auch die Familie des jungen Studenten Liu Yu-de zählt zu den Opfern der Tyrannen. Liu Yu-de selbst kann entkommen und beschließt, zu den Shaolin zu gehen, um dort das berühmte Shaolin-Kung Fu zu erlernen. Dort angekommen, muss er die fast unmenschlichen Aufgaben der 35 Kammern des Shaolin Tempels überstehen, um zum wahren Kung Fu-Meister zu werden.

Da seine Idee, eine 36. Kammer zu erschaffen, um das Volk zu trainieren, damit es sich gegen die Unterdrücker zur Wehr setzen kann, gegen die Regeln des Klosters verstößt, muss er darauf selbst losziehen, um die Unterdrücker zur Rechenschaft zu ziehen.

„Die 36 Kammern der Shaolin“ ist nicht nur ein perfekt inszenierter Martial-Arts-Film, der das schwere Training der Kämpfer verdeutlicht, sondern auch Einblicke in die Philosophie des Kung Fu vermittelt.

Bei der Unmenge an Martial-Arts-Filmen, die seit den 1960er Jahren bis heute erschienen sind, ist es ein Ding der Unmöglichkeit alle zu erwähnen oder gar allen gerecht zu werden. Also bitte seht es uns nach, falls wir eure Lieblingsfilme nicht erwähnt haben.