02.10.2020 Heimkino
von Tyler Süß

Ein brandneues Heimkino verlangt nach fulminanten Werken für die Einweihungszeremonie. Wir haben eine kleine Auswahl an Klassikern, die sich am besten dazu eignen, zusammengetragen.


In ferner Zukunft hat die Erde ein Rohstoffproblem. Der erdähnliche Mond Pandora könnte es lösen. Allerdings leben dort die humanoiden Na'vi als Ureinwohner im Einklang mit der Natur. Sogenannte Avatare, künstlich hergestellte Na'vi, ferngesteuert von Menschen über eine neurologische Anbindung, sollen Pandoras Bewohner überzeugen, dem Rohstoffabbau zuzustimmen. Gleichzeitig sollen sie Spionage für den militärischen Leiter der Abbaumission, Colonel Quaritch, betreiben - letzteres, um die Na'vi wirksam bekämpfen zu können, falls der diplomatische Weg fruchtlos bleibt.

Einer dieser Avatar-steuernden Menschen, der gelähmte Jake Sully, der eigentlich nur als Ersatz für seinen verstorbenen Bruder angeheuert wurde, wird jedoch nach einem fehlgeschlagenen Einsatz von den echten Na'vi gerettet und dringt dann über seinen Avatar immer tiefer in deren Kultur ein. Als er sich zudem in die Na'vi-Häuptlingstochter Neytiri verliebt, beginnt sein moralisches Dilemma: Soll er seinen Dienst weiterhin erfüllen und sich so eine Operation verdienen, die seine Beweglichkeit wiederherstellt, oder soll er die Na'vi und Pandora vor Zerstörung und Ausbeutung bewahren?

Warum dieser Film?

Avatar“ ist nicht nur einer der teuersten, sondern profitabelsten Filme aller Zeiten (aktuell knapp 2,8 Milliarden Dollar weltweit). Überdies ist er ein Meilenstein der visuellen Effekte und bindet diese in eine gefühlvolle, aber actionreiche Story nach klassischem Muster ein. Ein nach allen Regeln der Kunst fulminantes Werk.


2 The Dark Knight (2008)


Fast scheint es, als habe Batman es geschafft, Gotham City endlich zu befrieden - nicht zuletzt dank der Unterstützung von Staatsanwalt Harvey Dent und Polizei-Lieutenant Jim Gordon. Dann taucht jedoch ein im Gesicht vernarbter, psychopatisch vorgehender Krimineller auf, der sich selbst Joker nennt. Schnell reißt er die Kontrolle in Gothams Unterwelt an sich und beweist, dass er es nicht auf Macht und Geld abgesehen hat, sondern auf reine Anarchie und darauf, Gothams Friedenswächter zu demaskieren und gegeneinander aufzuhetzen.

Warum dieser Film?

Es gibt viele Batman-Filme. Die meisten Kritiker sind sich jedoch einig, dass dieser allein aufgrund seiner Story zu den besten gehört. Dazu trägt nicht zuletzt die Tatsache bei, dass der Joker vom begnadeten Heath Ledger († 2008) verkörpert wird, der streckenweise Christian Bales Batman regelrecht an die Wand spielt.


3 Matrix (Trilogie, 1999-2003)


Der junge Hacker Thomas „Neo“ Anderson trifft eines Tages auf eine geheimnisvolle Gruppe um den Anführer Morpheus. Der stellt ihn vor die Wahl, mit seinem bisherigen Leben weiterzumachen oder „die Wahrheit“ zu erfahren. Nachdem Neo sich für letzteres entscheidet, muss er mit Schrecken feststellen, dass die Welt um ihn und alle Menschen herum nur eine digitale Scheinwelt ist, genannt die Matrix.
In Wahrheit sind die meisten Menschen wenig mehr als Batterien für intelligente Maschinen, die nach einem Krieg die Macht auf der Erde übernommen haben. Die Matrix gaukelt den Menschen ein Leben vor, während sie zu Millionen in Nährstofftanks vegetieren. Morpheus und sein Team gehören zu einer Widerstandsgruppe - und Neo soll als „der Auserwählte“ den Kampf siegreich beenden. Es entbrennt eine packende Schlacht in der digitalen und realen Welt.

Warum dieser Film?

Schon storytechnisch ist „Matrix“ ein Meisterwerk sondergleichen. Zudem begründete der Film nicht nur im Alleingang ein neues Sci-Fi-Genre, sondern überzeugt nach wie vor durch die perfekt choreographierten Kampfszenen und fulminanten Special Effects, die vergleichsweise gut gealtert sind.


4 Tron: Legacy (2010)


1989 verschwand der Programmierer Kevin Flynn spurlos. 20 Jahre später wird die von ihm gegründete Firma durch seinen Sohn Sam ziemlich lustlos geleitet. Eines Tages entdeckt Sam jedoch in der alten Spielhalle seines Vaters ein Geheimlabor mit Computern. Als er darauf herumtippt, wird er in eine digitale Welt, den Raster, hineingezogen. Dort wird er von humanoiden Computerprogrammen gezwungen, an Gladiatorenkämpfen teilzunehmen. Darüber findet Sam nicht nur heraus, was mit seinem Vater passierte, sondern nimmt auch den Kampf gegen die digitale Welt auf.

Warum dieser Film?

Tron: Legacy“ ist ein mehr als würdiger Nachfolger des ersten „Tron“-Films aus dem Jahr 1982. Was ihn nicht zuletzt so brillant macht, ist die Tatsache, dass es sich um eine nahtlose Fortsetzung mit vielen Schauspielern aus dem ersten Teil handelt. Zudem ist die Story packend und tiefgründig. Kombiniert mit den atemberaubenden Visual Effects wird daraus ein echter Meilenstein.


5 Inception (2010)


In naher Zukunft ist es technisch möglich, in menschliche Träume einzudringen, dort Wissen zu stehlen und Gedanken einzupflanzen. Dom Cobb ist ein Meister darin, will aber nach einem letzten Auftrag aus dem Business aussteigen und wieder ein normales Leben in den USA führen - was ihm zuvor unmöglich war, da seine Frau bei einem schiefgegangenen Traum-Experiment gestorben war und er als ihr Mörder gilt. Cobbs letzter Coup soll Wissen aus dem Kopf des japanischen Geschäftsmannes Saito extrahieren. Die Mission, die Cobb mit seinem Team angeht, nimmt jedoch einen völlig anderen Verlauf als geplant - denn gegen die Traum-Eindringlinge gibt es auch wirksame Gegenmittel.

Warum dieser Film?

Inception“ ist definitiv einer dieser Filme, bei denen der Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute aufmerksam sein muss. Ein Meisterwerk nicht nur dank der Special Effects, sondern auch der hochkomplexen, vielfach verwirrenden, jedoch niemals unschlüssigen Story - eben wie in einem Traum. Sicherlich kein Film, den man gestresst oder nebenbei genießen könnte. Deshalb jedoch genau richtig für die Heimkino-Eröffnung.


6 Der Herr der Ringe (Trilogie, 2001-2003)


Hobbit Frodo bekommt die Aufgabe, von seinem beschaulichen Auenland nach Mordor zum Schicksalsberg zu ziehen, um in dessen Gluthitze „den einen Ring“ zu vernichten - ein Ring, dessen Macht das Potenzial hat, die gesamte Welt von Mittelerde zu unterjochen. Zusammen mit acht Gefährten muss sich Frodo über drei Filmteile zum Berg kämpfen und dabei zahllose Abenteuer durchstehen.

Warum dieser Film?

Diese Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Meisterwerk ist nicht die erst, definitiv aber die beste und zeitgenössischste. Brillant besetzt, wunderbar inszeniert und trotz der enormen Länge von 558 bzw. 686 Minuten (Extended Cut) niemals langweilig oder langatmig. Eine Fantasy-Messlatte, die nach wie vor maßgeblich ist und außerdem in Bild und Ton das Maximum aus den Heimkino-Systemen kitzelt.


7 Jurassic Park (Filmreihe, 1993-2018)


Dinosaurier sind ausgestorben? Fast. Der superreiche John Hammond hat ihre DNS aus in Bernstein eingeschlossenen Stechmücken extrahieren lassen und auf diese Weise Klone erschaffen. Auf einer einsamen Südseeinsel will er diese in einem gigantischen Erlebnispark der Welt präsentieren. Zuvor sollen jedoch Profis die Sicherheit des Parks bescheinigen.

Das geht allerdings schief - denn Hammonds Konkurrenten haben einen Insider im Park. Sein Plan: Die Urzeitechsen freilassen, dadurch Chaos stiften und mit gestohlenen Dino-Embryos verschwinden. Es kommt zum actionreichen Kampf Mensch gegen Urzeitbestie.

Warum dieser Film?

Eigentlich sollte man glauben, dass ein fast 30 Jahre alter Film, der sich maßgeblich auf CGI (Computer Generated Imagery) stützt, schlecht gealtert wäre - ist „Jurassic Park“ jedoch keineswegs. Auch die Story ist weiterhin spannend und, zumindest mit älteren Kindern, sogar familientauglich. Einfach gutes, zeitloses Popcorn-Kino. Mit den Fortsetzungen, die nicht weniger unterhaltsam sind, lässt sich daraus gleich ein gesamter Themenabend oder -Tag machen.


8 Star Wars: Episode IV (1977)


„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis...“ Da wird diese Galaxis vom Imperium seit Jahrzehnten mit harter Hand regiert. Nur eine kleine Handvoll Rebellen kämpft dagegen - sieht sich allerdings mit dem Problem konfrontiert, dass das Imperium mittlerweile eine gigantische Raumstation namens Todesstern besitzt, die binnen Sekunden Planeten zu Staub verwandeln kann.

Zwar kann die Rebellin Prinzessin Leia die Baupläne des Todessterns mit seinen Schwachstellen in die Hand bekommen, wird jedoch gefangengenommen. Ein auf einem Roboter-Droiden gespeicherter Hilferuf gelangt über Umwege an den falschen Adressaten - den jungen Luke Skywalker. Der erweist sich im Verlauf des Films jedoch als Glückstreffer und hilft den Rebellen, den Kampf aufzunehmen.

Warum dieser Film?

Auch wenn das heutige „Star Wars“-Franchise gigantische Ausmaße zeigt, so hat der erste Teil jedoch nichts von seinem Charme verloren: Eine phantastische, actionreiche Weltraum-Oper, die zudem dank diverser Digitalisierungsmaßnahmen auch in Sachen CGI nicht so veraltete wirkt, wie es das Alter des Films befürchten lässt. Ein Meisterwerk, das nicht nur bei der Heimkino-Einweihung passt, sondern in jede gutsortierte Filmbibliothek gehört. Auch hier eignet sich der erste Teil der inzwischen 14 Filme zum Einstieg in einen ganzen Filme-Marathon. Allerdings wohl nicht an einem Tag.


9 Blade Runner 2049 (2017)


2049 ist die Erde ein verseuchter Moloch. Weiterhin werden die gefährlichsten Arbeiten von Replikanten erledigt, künstlichen Menschen. Ungleich zu ihren Vorgängern im ersten Blade Runner sind diese jedoch mit einer vorprogrammierten Lebenszeit versehen. Einer der neuen Replikanten, der Blade Runner Officer K, macht bei der Jagd nach Replikanten des alten Modells eine erschreckende Entdeckung. In deren Folge muss er sich nicht nur die Frage stellen, ob er selbst schon zu menschlich geworden ist, sondern ob die Trennung zwischen „echten“ und künstlichen Menschen überhaupt moralisch gerechtfertigt werden kann.

Warum dieser Film?

Blade Runner 2049“ gehört zu den besten Sequels eines erfolgreichen Films überhaupt. Ein technisch brillantes, in seiner Story ausgefeiltes und voller moralischer Fragestellungen, Andeutung und Geheimnissen steckendes Machwerk. Was der erste „Blade Runner“ begann, setzt „Blade Runner 2049“ mehr als würdig fort - und speziell die smogvernebelte, unglaublich trostlose Atmosphäre der zukünftigen Welt kommt auf großen High-End-Fernsehern besonders bildgewaltig zur Geltung.


10 The Avengers (2012)


Die S.H.I.E.L.D.-Organisation steht kurz davor, mithilfe des sogenannten Tesserakts der Menschheit eine unerschöpfliche Energiequelle zur Verfügung zu stellen. Allerdings hat der Infinity Stein schwere Nebenwirkungen - es ist ein Zugang in andere Dimensionen. Der eigentlich als Unterstützung angeheuerte Loki stiehlt den Tesserakt und verschwindet damit. Eine tödliche Bedrohung der Menschheit, die nur abgewendet werden kann, wenn S.H.I.E.L.D. es schafft, in Zusammenarbeit mit mehreren Avengers den Tesserakt wiederzubeschaffen.

Warum dieser Film?

Superheldenfilme kamen seit der Jahrtausendwende sehr viele ins Kino. Auch die Avengers haben bereits Nachfolger. Dadurch allerdings, dass hier die Creme de la Creme des Marvel-Universums zusammen mit bildgewaltigen Special Effects versammelt ist, wird daraus actionreiches Popcorn-Kino der besten Art - das dem Heimkino-System in Bild und Ton wirklich etwas zu tun gibt.

Wer die gesamten Zusammenhänge verstehen will, sollte es sich allerdings nicht nehmen lassen, auch hier gleich mehrere Film-Vorführungen zu veranstalten in denen die gesamten bisher veröffentlichten MCU Filme (Phase 1-4) vorgeführt werden. Vor allem die beiden letzten Avangers-Filme „Infinity War“ sowie „Endgame“ sind mit der richtigen Technik vor allem optisch ein Genuss und zählen nicht ohne Grund zu besten Filmen aller Zeiten.


11 Zurück in die Zukunft (1985)


Der etwas schräg wirkende Erfinder Dr. Emmet Brown schafft es, eine Zeitmaschine zu erfinden - eingebaut in einen DeLorean DMC-12 Sportwagen. Sein einziger echter Freund ist der Teenager Marty McFly. Der muss nach dem ersten Test mitansehen, wie Doc Brown von Terroristen getötet wird - von ihnen hatte der Erfinder das zum Antrieb der Zeitmaschine nötige Plutonium bekommen und ihnen dafür eine funktionslose Bombe gegeben; deswegen sind sie auf Rache aus.

Da die Terroristen auch Marty erledigen wollen, will er mit dem DeLorean flüchten - und landet ungewollt prompt im Jahr 1955. Ohne frisches Plutonium muss Marty nun versuchen, nicht nur zurückzukommen, sondern auch dafür zu sorgen, dass seine Anwesenheit nicht auch noch die sich anbahnende Liebschaft seiner Eltern und somit seine eigene Existenz ruiniert.

Warum dieser Film?

„Great Scott!!!“ Der erste Teil von „Zurück in die Zukunft“ ist sicher nicht das epischste Machwerk dieser Liste. Das macht er jedoch durch eine wunderbare Story wieder wett, die von ihren schön gezeichneten Charakteren lebt und davon, dass über allem das sehr reale Großvater-Paradoxon schwebt. Einfach ein grundsolider Film, dem man bei der Heimkino-Premiere auch schamlos den zweiten und dritten Teil nachschieben darf.


12 Dunkirk (2017)


Im Spätfrühling 1940 haben die Deutschen Frankreich binnen weniger Wochen durchquert und nun die Ärmelkanalstadt Dünkirchen eingekesselt. Darin befinden sich nicht nur zigtausende eingeschlossene britische Soldaten, sondern auch kaum weniger Franzosen. In drei verschiedenen Erzählsträngen geht es nun darum, so viele Soldaten wie möglich auf die Insel zu holen - dargestellt durch einen Trupp britischer Soldaten, einen britischen Zivilisten, der mit seinem Sportboot Teil der Rettungs-Armada ist und drei britischen Spitfire-Jagdpiloten, die verzweifelt versuchen, die Flotte und die am Strand versammelten Truppen vor der deutschen Übermacht zu schützen.

Warum dieser Film?

Dunkirk“ ist schon für sich ein handwerklich perfekter, sehr realitätsnaher Kriegsfilm. Seine besondere Magie bekommt er jedoch durch die drei Erzählstränge - sie sind alle eng miteinander verflochten, laufen jedoch auf drei verschiedenen Zeitebenen ab:

·       Die Soldaten am Strand bzw. auf der Mole: 1 Woche
·       Die Überfahrt des Sportboots: 1 Tag
·       Der Kampf der drei Spitfire-Piloten: 1 Stunde

Das klingt nur verwirrend, ist im Film jedoch logisch und schlüssig und sorgt dafür, dass ein Film auf den Zuschauer wie drei wirkt. Dazu trägt auch bei, dass die Erzählstruktur niemals chaotisch wird und es keine zentrale Hauptfigur gibt - alle agieren nebeneinander, sodass für den Zuschauer unterschwellig begreiflich wird, dass jenes historische „Wunder von Dünkirchen“ auch in der Realität nur durch eine gemeinsame Kraftanstrengung zigtausender Beteiligter gelingen konnte. Ein sehr feiner Film, auch weil der für einen Kriegsfilm ungewöhnlich leise Töne anschlägt.


Fazit

Fernsehen und Kino sind einfach nicht dasselbe. Deshalb sollte ein Kino zuhause (übrigens nicht nur bei der Einweihung) Filme zeigen, die seiner im wahrsten Wortsinn würdig sind. Seichte Filme fürs Fernsehen gibt es schon zur Genüge und ein Heimkino kann nur dann zeigen, was es kann, wenn Blockbuster präsentiert werden - und die müssen nicht immer brandneu sein.