Auf Tatsachen basierendes starkes Drama, in dem der Angriff auf das Asylbewerberheim in Rostock-Lichterhagen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird.

Kinostart: 22.01.2015

Jonas Nay

Jonas Nay
als Stefan

Joel Basman

Joel Basman
als Robbie

Saskia Rosendahl

Saskia Rosendahl
als Jennie

Paul Gäbler
als Goldhahn

David Schütter
als Sandro

Jakob Bieber
als Tabor

Gro Swantje Kohlhof
als Ramona

Devid Striesow
als Martin, Stefans Vater

Trang Le Hong
als Lien

Aaron Le
als Minh

Larissa Fuchs
als Katrin

Axel Pape
als J

Thorsten Merten
als Peter

Enno Trebs
als Philipp

Matthias Brenner
als W

Martina Eitner-Acheampong
als Frau Goldhahn

Handlung

Rostock 1992. Stefan hat sich schon lange von seinem Vater, einem SPD-Politiker abgewandt. Er hängt mit seiner Clique herum, darunter ein Rechtsradikaler, der die Gruppe unter Kuratel hält. Die Vietnamesin Lien hat nach der Wende einen Job gefunden und will im Gegensatz zu ihrem Bruder und dessen schwangerer Frau in Deutschland bleiben. Am Abend des 24. August 1992 macht ein brauner Mob im Ortsteil Lichtenhagen Jagd auf Ausländer und wirft Brandsätze ins sogenannte Sonnenblumenhaus, wo Asylbewerber untergebracht sind.

Kritik

Die ausländerfeindlichen Progrome von Rostock-Lichtenhagen 1992 erzählt als Drama um eine verlorene Generation: Brisant, aktuell, schockierend.

Drei Jahre lang hat Burhan Qurbani an den Figuren gearbeitet, ein Jahr lang akribisch recherchiert, um eine Geschichte über einen Tag zu erzählen, der in Gewalt gegen Ausländer mündet, ein Tag, der das Bild vom hässlichen Deutschen wieder um die Welt gehen ließ. Im Zentrum steht das berüchtigte Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen, vor dem der entfesselte braune Mob am 24. August 1992 tobt. Hier verknüpfen sich die Schicksale verschiedener Menschen. Da ist Stefan, dessen Vater (Devid Striesow) als ehrgeiziger Lokalpolitiker keine Zeit für ihn findet, seine Clique, die orientierungslos herumhängt und abends auf Randale macht, die Vietnamesin Lien, die in dem Asylbewerberheim wohnt mit Bruder und schwangerer Schwägerin, die nach Vietnam zurückkehren wollen. Sie glaubt, neben einem Job auch eine Heimat gefunden zu haben. Ein Irrtum.

In diesem schockierenden Drama sind alle auf der Suche nach einem Platz im Leben, nach einem Ort, der Heimat sein könnte, aber nie wirklich ist. Die Handlung gliedert sich in zwei Teile: Die Stunden, in denen die Jungs und Mädels ohne Aufgabe sich langweilen und von einem Rechtsradikalen kontrollieren lassen, die Vietnamesin endlich ihre Arbeitsbestätigung erhält, die peinlichen Diskussionen der Politiker. Dann folgt der Abend, an dem sämtliche ethisch-moralischen Barrieren fallen, Brandsätze unter dem Gejohle der Anwohner in den Plattenbau geschleudert und Ausländer mit dem Tod bedroht werden. Ganz vorne dabei ist Politikersohn Stefan. Qurbani erzählt von Freundschaft und zarte Liebe, von Identitätsverlust und Orientierungslosigkeit, vermeidet direkte Schuldzuweisungen, ohne von Schuld freizusprechen, sucht Erklärungsmuster für ein wohl nur in der Postwendezeit mögliches Verhalten. Seine jungen Protagonisten sind nicht die üblichen Glatzen mit Springerstiefeln, sondern kommen aus der Mitte der Gesellschaft. Innovativ ist das dramaturgische Farbkonzept. Der Tag ist in kühlem und zurückhaltendem Schwarz-Weiß inszeniert, was eine Distanz zu den fiktiven Figuren schafft. Bei Einbruch der realen Ereignisse ist alles in Farbe als Hinweis auf die "Echtheit" und Aufforderung, hinzugucken. Auch die Kamera von Yoshi Heimrath wandelt sich, im Gegensatz zum Einsatz von Stativ und Steadicam in der ersten Hälfte wird in der zweiten mit beweglicher Handkamera von der Schulter gedreht, um ein Ungleichgewicht zu erreichen, ein emotionales Level, das die Wahrnehmung des Films ändert und zum Nachdenken zwingt. Überragend im jungen und durchweg überzeugenden Cast ist der schon für "Hirngespinster" als Bester Nachwuchsdarsteller mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnete Jonas Nay in einer beklemmenden Performance. mk.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 22.01.2015

Deutschland 2014

Länge: 2 h 8 min

Genre: Drama

Originaltitel: Wir sind jung. Wir sind stark.

Regie: Burhan Qurbani

Drehbuch: Martin Behnke, Burhan Qurbani

Musik: Matthias Sayer, Tim Ströble

Produktion: Jochen Laube, Yoshi Heimrath, Burhan Qurbani, Leif Alexis

Kostüme: Juliane Maier

Kamera: Yoshi Heimrath

Schnitt: Julia Karg

Ausstattung: Jill Schwarzer

Website: https://www.facebook.com/pages/Wir-sind-jung-Wir-sind-stark/1535320786684599