Famos ausgestattetes und elektrisierend gespieltes Porträt einer zerfallenden Jet-Set-Familie.

Kinostart: 08.05.2008

Julianne Moore

Julianne Moore
als Barbara Baekeland

Stephen Dillane

Stephen Dillane
als Brooks Baekeland

Eddie Redmayne

Eddie Redmayne
als Tony Baekeland

Elena Anaya
als Blanca

Unax Ugalde
als Black Jake

Belen Rueda
als Pilar Duran

Hugh Dancy
als Sam Green

Die Handlung von Wilde Unschuld

Als Barbara (Julianne Moore) in den 40er Jahren den Erben des Bakelit-Imperiums, Brooks Baekeland (Stephen Dillane), ehelicht, lernt sie die glanzvolle amerikanische Oberschicht kennen. Doch der intellektuell überlegene Zyniker behandelt sie kaltherzig, was die charismatische und sensible Frau frustriert. Nach der Geburt ihres Kindes Tony (Eddie Redmayne) erkaltet die Ehe auf Minusgrade - Brooks verlässt sie, Barbara sucht Trost bei ihrem Sohn.

Intensiv gespieltes, famoses Ausstattungskino, hinter dessen Fassade ein elektrisierendes Porträt einer zerfallenden Jet-Set-Familie zum Vorschein kommt. Nach einem Tatsachenroman verdichten sich vier Jahrzehnte Verzweiflung, sexuelle Verwirrungen und Dekadenz zur Tragödie.

Der gefühlskalte Zyniker Brooks und seine frustrierte, gefallsüchtige Frau Barbara sind zwar stinkreich, führen aber eine eisige Ehe. In ihre Streitereien ziehen sie auch immer wieder den heranwachsenden Sohn Tony hinein. Als Brooks mit einer jungen Frau abhaut, der Freundin von Tony, stürzt sich Barbara in eine unheilbringende Beziehung mit ihrem schwulen Sohn.

Die Stimmung zwischen dem Zyniker Brooks Baekeland und seiner frustrierten Frau Barbara befindet sich am Gefrierpunkt. Provokationen steigern sich zum Ehekrieg, bei dem Sohn Tony von Barbara für Scharmützel gegen ihren Mann missbraucht wird. Das hinterlässt Spuren bei dem schwulen Jungen, der trotzdem eine Freundin hat. Als sie ihm vom Vater ausgespannt wird, verletzt er damit nicht ihn, sondern Barbara: Sie sehnt sich nach Bindung, die sie ausgerechnet bei ihrem Sohn findet - in einer unheilvollen inzestuösen Beziehung.

Kritik zu Wilde Unschuld

Der Eröffnungsfilm des Verzaubert Filmfestivals ist ein famos ausgestattetes und elektrisierend gespieltes Porträt einer zerfallenden Jet-Set-Familie, schockt mit Inzest und Tragik, betört mit Kunstfertigkeit.

Historisch verbürgt sind die Fakten der Baekeland-Dynastie, festgehalten im Buch von Natalie Robins und Steven Aronson - kein Drehbuchautor könnte ein derart pathologisches Familienverhältnis erfinden. Sechs Akte zwischen 1946 und 1972 sucht sich Tom Kalin heraus, sechs Vignetten einer zerbrechenden Reichen-Ehe und den tragischen Folgen von Einsamkeit und emotionaler Orientierungslosigkeit, erzählerisch elliptisch und auf hohem künstlerischen Niveau. Mag Julianne Moore anfangs im Lauren-Bacall-Look Dutzende Kostüme spazieren tragen, "Wilde Unschuld" ist weder Kostümfilm noch "Dekotainment", auch wenn die Ausstattung formvollendet bis ins Detail ist. Die Stimmung zwischen dem gefühlskalten Zyniker Brooks (Stephen Dillane) und seiner frustrierten, gefallsüchtigen Frau Barbara (Moore), die ihm in keiner Hinsicht gewachsen ist, befindet sich schon in Minute eins am Gefrierpunkt. Gegenseitige Provokationen und Pikanterien steigern sich zu einem kalten Ehekrieg, bei dem der heranwachsende Sohn Tony (Eddie Redmayne) von Barbara für Scharmützel gegen ihren Mann missbraucht wird.

Das hinterlässt Spuren bei dem Jungen, der früh seine Homosexualität entdeckt. Als ihm der Vater die blutjunge Freundin ausspannt, verletzt er damit aber nicht ihn, sondern Barbara: Spätestens als Brooks sie mit seiner Geliebten verlässt, wird klar, dass Julianne Moore wieder "Dem Himmel so fern" ist, mit der Langeweile des Jet-Set-Lebens die eigene Leere und Isolation nur verschärft und sich nach Bindung sehnt, die sie ausgerechnet bei ihrem Sohn findet - in einer unheilvollen inzestuösen Beziehung, die sich längst abgezeichnet hat. Das stete Umziehen der Familie gleicht einer Flucht vor sich selbst; seine Probleme nimmt man freilich immer mit.

Leichtes Leben, schweres Herz: So verloren war Julianne Moore noch nie, was Kalin perfekt inszeniert - der Film findet in einem eigenen Universum statt, erlaubt keinen Kontakt zur Außenwelt. Geschickt changiert Kalin dabei zwischen Moore und Redmayne als Hauptfiguren, feiert erst die Freiheit der Sexualität, lässt sie dann Amok laufen, bis zu einem expliziten Inzest, dem Endpunkt der Dekadenz. Gewissermaßen ein "Fall of the House Usher" als verstörendes Erotikpsychomelodram von fast unerhört subtilem Suspense, mit exquisiten Schauspielerleistungen und einer gleichwertigen Regie, die reif genug ist, keine Erklärungen oder Psychologisierungen zu liefern, denn: "Männer tun, was Männer tun." Cineastische Feinschmecker werden das goutieren. tk.

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Info

Plakat des Films: Wilde Unschuld
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 08.05.2008

Spanien/USA 2007

Länge: 1 h 38 min

Genre: Drama

Originaltitel: Savage Grace

Regie: Tom Kalin

Drehbuch: Howard A. Rodman

Produktion: Tom Kalin, Christine Vachon, Pamela Koffler, Iker Monfort, Katie Roumel

Kostüme: Gabriela Salaverri

Kamera: Juan Miguel Azpiroz

Schnitt: Tom Kalin, John F. Lyons, Enara Goicoetxea

Ausstattung: Victor Molero