Historisches Drama mit Tom Schilling und Sebastian Koch, das einem ostdeutschen Künstler über drei spannende Epochen des 20. Jahrhunderts bei der Aufarbeitung seiner dramatischen Familiengeschichte folgt.

Kinostart: 03.10.2018

Handlung

Als kleiner Junge musste Kurt Barnert (Tom Schilling) mit ansehen, wie seine geliebte Tante eines Tages von den Nazis plötzlich aus seinem Leben gerissen wird. Ein Trauma, das er auch Jahre später noch immer nicht richtig überwunden hat.

Nach der Teilung Deutschlands in der DDR gefangen, will Kurt nur weg und legt all seine Hoffnungen darauf, endlich im Westen seinen Frieden zu finden und ungestört seine Kunst weiterzuentwickeln. Die Flucht gelingt ihm tatsächlich, doch irgendetwas blockiert den Jungen weiter. Erst als er an der Uni seine große Liebe Elizabeth (Paula Beer) kennenlernt, platzt der Knoten: Kurt erschafft Bilder, die einer ganze Generation auf bemerkenswerte Weise aus dem Herzen zu sprechen scheinen.

Leider bringt ihn dieses neue Leben aber auch wieder mit der einen Person zusammen, die für sein persönliches Leiden mitverantwortlich ist. Wird Kurt seine wahre Identität offenbaren oder schweigen, um sein Glück nicht zu riskieren?

Kritik

Drei Jahrzehnte deutsch-deutscher Geschichte umfassendes Epos über einen jungen Künstler und seine große Liebe, der in seinem Schweigervater den größten Antagonisten hat.

Florian Henckel von Donnersmarck knüpft mit "Werk ohne Autor" nach seinem Ausflug nach Hollywood mit "The Tourist" an seinen großen kritischen und kommerziellen Erfolg von "Das Leben der Anderen" an. Hier blättert er einen noch größer und epischer angelegten Geschichtsbogen auf, der gleich drei Jahrzehnte deutsch-deutscher Historie umfasst, im Kern von einem Jungen erzählt, der Künstler wird, seine Handschrift sucht und um seine große Liebe kämpfen muss. Henckel von Donnersmarck traut sich, was sich nicht viele deutsche oder auch internationale Filmemacher trauen, mit großer, klassischer Geste zu erzählen. Was sich in den Bildern von Kameraveteran Caleb Dechanel ebenso wie dem gefühlvollen, aber nie im negativen Sinne überwältigenden Score von Max Richter und der Erzählweise äußert. Das mit hohem Aufwand und sehr viel Sorgfalt rekreierte Kriegs- und Nachkriegsdeutschland bis in die 1960er Jahre, von Dresden nach Düsseldorf, dient als feiner und opulenter Hintergrund für die Künstlerwerdung und einer Liebesgeschichte, die einen mächtigen, fürchterlichen Gegner im Schwiegervater Carl Seeband hat, ein hochrangiger Arzt und Nazi, der auch in der DDR und später in der BRD Oberwasser behält, gespielt von Sebastian Koch aus "Das Leben der Anderen". Gerhard Richter, einer der erfolgreichsten und bekanntesten lebenden Künstler, seine Biografie ebenso wie sein Werk, diente unverkennbar als ein Vorbild für den von "Oh Boy" Tom Schilling gespielten Kurt Barnert. Wie Richter oder wie sein von Oliver Masucci gewohnt klasse gespielter, an Joseph Beuys angelehnter Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf erlebt Kurt persönliche Tragödien, die ihn formen, aber nicht zerstören. Toll und eindrücklich gemacht, in einer Art Ballhaus-Zirkel aufgenommen ist die künstlerische Erweckung des Jungen durch seine junge Tante Elisabeth, die ein Hupkonzert bei den Busfahrern in ihrem Heimatort dirigiert. Eine Schlüsselszene, die später wiederholt wird, mit dem erwachsenen Kurt, der dirigiert, und ein perfekter filmischer Moment. Es wird viel über Kunst geredet und in den Akademien in Dresden und Düsseldorf auch gemacht, vom Team akribisch nach den Originalen gearbeitet, und es wird auch gescherzt, mit Kurts Kollegen, u.a. mit dem von Hanno Koffler gespielten. Die Szenen in der Düsseldorfer Kunstakademie gehören zu den unterhaltsamsten im Film, in dessen Zentrum doch die gefährdete Liebe zur schönen Ellie, gespielt von Paula Beer, die sich wie in "Frantz" oder "Transit" auch hier hervorragend einpasst, steht. Mit ihrer Namensvetterin Elisabeth hat ihre Figur am schlimmsten unter Carl zu leiden, ihrer beiden Schicksale machen "Werk ohne Autor" auch zu einer Tragödie, das neben dem persönlichen Drama auch das politische nicht aus den Augen verliert. Wie "Das Leben der Anderen" wurde es von Deutschland ins Oscar-Rennen geschickt. Das allein sagt einiges aus.

hai.

Extras

"Werk ohne Autor" und Daniel Brühl als deutsche Hoffnung bei den Golden Globes 2019

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Die Nominierungen für die 76. Golden Globes sind da und auch deutsche Vertreter können sich Hoffnungen machen: „Werk ohne Autor“ und Daniel Brühl gehen mit ins Rennen.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 03.10.2018

Deutschland 2018

Länge: 3 h 9 min

Genre: Drama

Originaltitel: Werk ohne Autor

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck

Musik: Max Richter

Produktion: Jan Mojto, Quirin Berg, Max Wiedemann, Florian Henckel von Donnersmarck

Kostüme: Gabriele Binder

Kamera: Caleb Deschanel

Schnitt: Patricia Rommel

Ausstattung: Silke Buhr

Website: https://de-de.facebook.com/WerkOhneAutor

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