Vielschichtiges Krimi-Drama und Kleinstadt-Porträt, in dem drei Menschen auf einer verlassenen Insel ums Überleben kämpfen.

Kinostart: 02.09.1999

Handlung

Sängerin Donna landet beim Tingeln durch die Staaten in einem Fischerdorf in Alaska - am Rande der Wildnis. Sie trennt sich von Freund und Band und findet Trost bei dem ehemaligen Fischer Joe, der seine Profession aufgegeben hat, weil er sich für den Tod zweier Menschen bei einer Bootstour verantwortlich fühlt. Um seinem Halbbruder einen Gefallen zu tun, geht er noch einmal an Bord und nimmt Donna und ihre Tochter mit. Die drei flüchten sich ans Land, als Drogendealer angreifen...

Der Ex-Fischer Joe Gastineau leidet immer noch unter den Folgen eines Bootsunglücks, bei dem vor Jahren einer seiner besten Freunde ertrunken ist. Seitdem hat sich Joe nicht mehr aufs Meer hinausgewagt und verdient seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs. Als die Sängerin Donna in sein Leben tritt, scheint ein Neuanfang möglich. Da taucht unvermutet Joes Halbbruder Bobby auf und bittet ihn um einen Gefallen, der sich als lebensgefährlich herausstellt und das Leben der drei Menschen entscheidend verändert...

Seit sein bester Freund vor Jahren bei einem Bootsunglück ertrank, hat sich Ex-Fischer Joe nicht mehr auf das Meer hinausgewagt. Als er mit der Sängerin Donna einen Neuanfang plant, erscheint unvermutet sein Halbbruder Bobby und bittet um einen lebensgefährlichen Gefallen. In der unberührten Wildnis Alaskas spielendes, packendes Drama von John Sayles ("Lone Star").

Kritik

Es gibt wohl kaum einen besseren "storyteller" als John Sayles. Mit seinem 12. Film legt er, wiederum unterstützt von der brillanten Kamera des Oscar-Preisträgers Haskell Wexter, ein episches Meisterwerk in der Tradition großer amerikanischer Romane vor, das sich dieses Jahr im Wettbewerb in Cannes gut behaupten sollte.

Wiederum beschränkt sich Sayles, der als Regisseur, Autor und für den Schnitt verantwortlich zeichnet, in seiner Filmerzählung auf das, was er am besten kann: Er nimmt sich einen Ausschnitt aus dem Leben verschiedener Menschen vor und kreuzt ihre Geschichten. Diesmal siedelt er seinen Plot, eine Mischung aus spannendem zwischenmenschlichem Drama, Krimi und Sozialstudie, in einer entlegenen Gegend Alaskas an - und macht wie schon in "Matewan", "Passion Fish" und "Lone Star", den Ort zu einem eigenständigen Handlungsträger.

Drei Menschen sind sich gerade erst begegnet und plötzlich auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen. Jeder von ihnen hat seine eigenen Dämonen zu bekämpfen. Und doch meistern sie diese Situation des Ausgesetztseins in der Wildnis und gleichzeitig Einander-Ausgeliefertseins mit soviel Menschlichkeit, wie man sie lange nicht im Kino gesehen hat.

Da ist Joe (David Strathairn), ein leidenschaftlicher Fischer, der nach einem Bootsunfall mit tödlichem Ausgang das Meer meidet und sich mit kleinen Jobs begnügt. Und da ist Donna (Mary Elizabeth Mastrantonio), eine Sängerin, die mit ihrer Tochter für einige Auftritte in die Stadt kommt. Donna ist immer in Bewegung, zieht von einem Engagement und einem Mann zum nächsten - sehr zum Leidwesen ihrer Tochter.

Wie es John Sayles gelingt, diese an sich schon interessanten menschlichen Dramen in einen Thriller um den kleinkriminellen Bobby, Joes Halbbruder, zu verwandeln, ist schlicht genial. Bobby hat die Drogen-Mafia am Hals, wird getötet und zwingt Joe, Donna und ihre Tochter zur Flucht auf eine gottverlassene Insel in Alaska. In der Zwangsgemeinschaft dort brechen Verkrustungen auf, die drei lernen, sich zu vertrauen und wachsen zu einer Art Urfamilie zusammen. Ob das Ende, wie zu Beurteilen Sayles in radikaler Art dem Zuschauer überläßt, gut oder böse ausfällt, ist bei dieser vielschichtigen Sozial- und Charakterstudie letztendlich egal.

Kameramann Wexler zeigt in seiner dritten Zusammenarbeit mit dem Regisseur, daß ihre Visionen übereinstimmen, Kameraführung und Erzählstruktur sich wunderbar ergänzen. Vor allem in den fast dokumentarischen Schilderungen der Lebensumstände in der einst blühenden Goldgräber- und Fischerstadt, der nur noch der Glanz vergangener Tage bleibt, und im Blick auf die schöne, aber gnadenlose Natur.

Alle Darsteller geben eine fantastische Performance, vor allem Vanessa Martinez, die in "Lone Star" ihr Filmdebüt gab, als verletztes Kind, das unter den Folgen einer dysfunktionalen Familie zu leiden hat. Kris Kristofferson hat einen sympathischen Auftritt als zwielichtiger Smilin' Jack, der Mann, der am Ende den Tod oder die Erlösung bringt. Der Soundtrack, zu dem Bruce Springsteen einen Song beisteuerte, ist geprägt von der hinreißenden Stimme Mastrantonios, die eine zweite Karriere als Sängerin starten könnte. Der Film, dessen Titel sowohl auf einen akrobatischen Tanz unter einer Querstange hindurch als auch auf eine Situation mit unvorhersehbarem Ausgang verweist, bewegt sich zwischen den Polen Hoffnung und Risiko. Vor allem das ungewöhnliche und sehr mutige Ende, das ein Teil des Publikums verübeln wird, vermittelt eine neue Erfahrung, die man auf keinen Fall versäumen sollte. boe.

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Info

Plakat des Films: Wenn der Nebel sich lichtet - Limbo
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 02.09.1999

USA 1999

Länge: 2 h 7 min

Genre: Drama

Originaltitel: Limbo

Regie: John Sayles

Drehbuch: John Sayles

Musik: Mason Daring

Produktion: Sarah Connors, Maggie Renzi

Kostüme: Shay Cunliffe

Kamera: Haskell Wexler

Schnitt: John Sayles

Ausstattung: Keith Neely, Gemma Jackson

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