In einem Neubaugebiet angesiedelte Science-Fiction-Mär zwischen psychologischem Thriller, Liebesfilm und Gesellschaftskritik.

Kinostart: 11.09.2008

Handlung

Neustadt ist eine futuristische, autarke und selbsterhaltende Siedlung am Stadtrand. Hinter diesen Betonfassaden arbeitet Hannah (Brigitte Hobmeier) als Telefonistin und lebt in einer unglücklichen Beziehung mit dem gewalttätigen Branco (Xaver Hutter). Als Yoon, eine junge Frau, sich aus dem elften Stock stürzt, zieht Hannah in die Wohnung der Selbstmörderin. Doch damit beginnt für sie ein Alptraum - sie wird überwacht, von ihrem Freund ausspioniert und hat Visionen.

Gleichnishafter psychologischer Thriller, der mit einer Liebesgeschichte einhergeht und in einer zeit- und ortlosen Zukunft spielt. Der Österreicher Christian Frosch ("K.af.ka Fragment") sorgt für rätselhafte Atmosphäre, bedrohliche Erinnerungslücken sowie subtile Gesellschaftskritik.

Hannah lebt im komplett überwachten Neustadt, für die als "eine neue Stadt für neue Menschen" geworben wird. Sie leidet unter ihrem gewalttätigen Freund Branco und flüchtet ins Apartment einer Selbstmörderin. Da verschwinden Freunde von ihr, später auch ihr Ehemann. Sie wird zur Hauptverdächtigen und droht den Verstand zu verlieren, wäre da nicht ihre geheimnisvolle Anna, die sich gegen das System auflehnt.

Die Angestellte Hannah lebt in der Wiener Wohnhausanlage Neustadt. Sie leidet unter ihrem gewalttätigen Freund und zieht schließlich, gedrängt von einer Kollegin, ins Apartment der Selbstmörderin Yoon. Da setzt ein neuer Alptraum ein - sie wird überwacht, Freunde von ihr verschwinden, dann ist auch ihr Ehemann plötzlich weg. Sie wird zur Hauptverdächtigen, droht den Verstand zu verlieren, wäre da nicht ihre geheimnisvolle Freundin Anna, die sich gegen das System und seine allgegenwärtigen Kontrollmechanismen auflehnt.

Kritik

Science-Fiction-Mär, psychologischer Thriller und Liebesfilm - Christian Frosch zollt Martin Gropius und David Lynch Tribut und übt gleichzeitig subtile Gesellschaftskritik.

"Beruhigen Sie sich" sagt ein Arzt zu Beginn von "Weiße Lilien", "sie werden jetzt schlafen, Hannah." Womit die Möglichkeit eröffnet ist, diesen Film als Traum zu deuten. Und dass Titel und Namen der Schauspieler im Vorspann zunächst spiegelverkehrt erscheinen, ist ein weiterer Hinweis darauf, dass hier vielleicht nichts ist wie es scheint, dass es um reverse Personen gehen wird. Ein weiteres Indiz: der Name Hannah, ein Palindrom. Später wird auch noch eine Anna auftauchen. Auf der Leinwand öffnet sich eine Philip-K.-Dick-Welt: Eine Frau mit weißen Lilien wandelt somnambul durch eine Partygesellschaft auf einem Dach hoch über der Stadt. Blut tropft auf die makellosen Blüten. Eine schwarze Jazzerin (Carole Alston Bukowsky) singt von "twisted patterns", ein Mann im Rollstuhl gleitet durch den Raum, eine alte Frau versucht vergeblich, ihre (?) Haustür zu öffnen, eine junge Japanerin blickt über "Neustadt".

"Neustadt" lautete auch der Arbeitstitel von Christian Froschs ("K.af.ka fragment") zwischen Science-Fiction-Mär und Verschwörungsthriller angelegte Arbeit, die stark von ihrem uniformen Schauplatz lebt. Gedreht wurde im Wiener Wohnpark Alt-Erlaa, der größten nicht-kommunalen Wohnhausanlage Österreichs. 50.000 Menschen, so erläutert ein smarter Verkäufer, wohnen hier in 25.000 Wohneinheiten: "Eine neue Stadt für neue Menschen, die sichere Stadt in einer immer unsichereren Welt." Dass es aber Wasserrationalisierungen gibt, Banden, die ihr Unwesen treiben, und die wenigen Grünflächen heftig umkämpft sind - Hundebesitzer gegen spielende Kinder heißt es hier -, wird von "Wagner-TV", verlängerter Arm des allwissenden "Sicherheitssystems" der Enklave, verschwiegen. Denn: "Wir bemühen uns für Sie..."

Ein Rad in diesem futuristischen Getriebe ist die kleine Angestellte Hannah (Brigitte Hobmeier). Sie leidet unter ihrem gewalttätigen Freund Branco (Xaver Hutter) und zieht schließlich, gedrängt von einer Kollegin, ins Apartment der Selbstmörderin Yoon. Da setzt ein neuer Alptraum für sie ein - sie wird überwacht, Freunde von ihr verschwinden, und dann ist auch ihr Ehemann plötzlich weg. Sie mutiert zur Hauptverdächtigen, droht den Verstand zu verlieren, wäre da nicht Anna (Johanna Wokalek), ihre geheimnisvolle Freundin, die sich gegen das System und seine allgegenwärtigen Kontrollmechanismen auflehnt.

Gleichnishaft, formal überaus streng, legt der österreichische Regisseur sein psychologisches Vexierspiel an, das in den Kunstwelten eines Martin Gropius spielt und den cineastischen Alpträumen eines David Lynch verpflichtet ist. Kalt, monochrom und klar sind Busso von Müllers Bilder, jede Szene, jede Einstellung präsentiert sich bis ins letzte Detail durchkomponiert. Nirgends ein Hauch von Freiheit. Hängt die Welt am Draht, sind ihre Bewohner Marionetten? Wer weiß. Nur eins ist sicher: Big Brother is watching. Hier erdet sich Froschs vieldeutige, eisige Parabel - und alle Hoffnung schwindet. geh .

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Info

Plakat des Films: Weiße Lilien
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 11.09.2008

Deutschland/Luxemburg/Österreich/Ungarn 2007

Länge: 1 h 40 min

Genre: Thriller

Originaltitel: Weiße Lilien

Regie: Christian Frosch

Drehbuch: Christian Frosch

Musik: Andreas Ockert

Produktion: Gabriele Kranzelbinder, Alexander Dumreicher-Ivanceanu

Kostüme: Alfred Mayerhofer

Kamera: Busso Müller

Schnitt: Michael Palm

Ausstattung: Giovanni Scribano

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