"Martial Arthouse": Zwei junge Frauen kämpfen sich durch den Berliner Urban Jungle.

Kinostart: 06.04.2017

Handlung

Vanilla ist eine schüchterne junge Frau, die von einer Anstellung bei der Polizei träumt. Sie hofft, ihrem Ziel als Angestellte bei einer Sicherheitsfirma näherzukommen. Als sie eines Nachts von mehreren Männern bedroht wird, eilt ihr die rigorose "Tiger" zur Hilfe: Mit einem Baseballschläger vertreibt sie die Angreifer.

Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft, denn Tiger, die nur nach ihren eigenen Regeln lebt, will Vanilla für ihren Lebensstil begeistern. Damit hat sie jedoch mehr Erfolg, als ihr lieb sein kann.

Der neue Film von "Love Steaks"-Regisseur Jakob Lass nimmt das alte Punk-Diktum vom "Heute Spaß, morgen tot!" sehr ernst und gibt ihm einen feministischen Dreh. Tiger nimmt Vanilla unter ihre Fittiche, in immer wilderen Stunts findet sie Gefallen an der anarchischen Freiheit, nur um immer mehr so zu werden wie die, die sie früher ausgenutzt und unterdrückt haben. Nirgends drückt sich das deutlicher aus als in dem völlig unerwarteten Moment, in dem Vanilla einer ihr entgegen kommenden fremden Frau ansatzlos mit der Faust ins Gesicht schlägt.

Tiger hat ein Monster geschaffen, das sie bekämpfen muss. Aber dann findet Lass in seinem so atemberaubend direkten Actionfilm über Macht und Ohnmacht einen Schlussdreh, der so gewagt ist, als würde man "Fight Club"und Persona miteinander verschmelzen lassen.

Dazu gibt's punktgenaue Elektropunkmusik von Golo Schultz. Und man kann einfach nicht die Augen abwenden von den beiden Hauptdarstellerinnen: die furiose Schweizerin Ella Rumpf und die großartige Maria Dragus aus "Bacalaureat" und "Das weiße Band". Zunächst wirken sie wie Feuer und Wasser. Im Zuge der Handlung scheinen sie mit ihren so wahrhaftigen, mit dem Dokumentarischen spielenden Szenen immer stärker miteinander zu verschmelzen. Nur, um dann wieder auseinander zu driften: Die eine ist stets Spiegel der anderen. Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, nichts mehr zu verlieren zu haben. Wusste Janis Joplin. Wussten "Thelma & Louise". Und wissen Tiger und Vanilla.

Kritik

Furioser Martial-Arthousefilm von Jakob Lass über zwei junge Frauen in Berlin, die dem Alltag den Krieg erklären.

Der will ja nur Krawall machen. Zoff. Auf die Zwölf hauen. Denkt man zunächst und ist schon reingefallen auf den zweiten Film von Jakob Lass in Komplizenschaft mit seiner FOGMA, der das Versprechen einlöst, das ihr erster Film "Love Steaks" vor drei Jahren gegeben hatte. Und mehr. Denn hinter dem Wahnsinn steckt Methode und hinter der anfänglichen Raserei des Films mehr Sinn, als man zunächst bereits wäre, es dem selbst erfundenen Genre "Martial Arthouse" einzuräumen. Aber klar, erst einmal wird man überrollt von der schieren Energie, der großen Lust, mit der "Tiger Girl" seine zwei so grundverschiedenen Heldinnen einführt. Zum einen das schüchterne blonde Mäuschen Vanilla, das sich zur Ausbildung bei einem Sicherheitsdienst anmeldet, um sich über ein Hintertürchen doch noch den Traum zu erfüllen, Polizistin zu werden. Zum anderen die kompromisslose Tiger mit der punkigen Elvis-Tolle, die sich nichts von niemanden gefallen lässt und nimmt, was sie will, und am liebsten alles hätte - und das jetzt! Tiger rettet Vanilla nachts an einem Berliner U-Bahnhof vor ein paar aufdringlichen Typen in der ersten von mehreren furiosen Kampfsequenzen, die nicht nur irre anzusehen sind, sondern auch Lass' eigenes Konzept des improvisierten Drehs mit einem Minimaldrehbuch ohne Dialog ob ihrer präzisen Choreographie an die Grenzen führen.

Natürlich kann man vorhersehen, was passiert in diesem Film, der das alte Punk-Diktum vom "Heute Spaß, morgen tot!" sehr ernst nimmt und einen feministischen Dreh gibt, der so gar nicht muffig und altbacken wie aus dem Diskussionszirkel daherkommt: Tiger nimmt Vanilla unter ihre Fittiche, in immer wilderen Stunts findet sie Gefallen an der anarchischen Freiheit, nur um immer mehr so zu werden wie die, die sie früher ausgenutzt und unterdrückt haben. Nirgends drückt sich das deutlicher aus als in dem völlig unerwarteten Moment, in dem Vanilla einer ihr entgegen kommenden fremden Frau ansatzlos mit der Faust ins Gesicht schlägt. Das hat nichts mehr mit lachend in die Kreissäge zu tun. Tiger hat ein Monster geschaffen, das sie bekämpfen muss. Aber dann findet Lass in seinem so atemberaubend direkten Actionfilm über Macht und Ohnmacht einen Schlussdreh, der so gewagt ist, als würde man "Fight Club"und Persona miteinander verschmelzen lassen. Aber man geht immer mit mit "Tiger Girl". Weil der Film mit der punktgenauen Elektropunkmusik von FOGMA-Mitstreiter Golo Schultz so unwiderstehlich ist und man nicht die Augen abwenden kann von den beiden Hauptdarstellerinnen, die furiose Schweizerin Ella Rumpf und die großartige Maria Dragus aus "Bacalaureat" und "Das weiße Band", die zunächst wie Feuer und Wasser wirken und dann im Zuge der Handlung mit ihren so wahrhaftigen, mit dem Dokumentarischen spielenden Szenen immer stärker miteinander zu verschmelzen scheinen, nur um dann wieder auseinander zu driften: Die eine ist stets Spiegel der anderen. Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, nichts mehr zu verlieren zu haben. Wusste Janis Joplin. Wussten "Thelma & Louise". Und wissen Tiger und Vanilla. ts.

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Info

  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 06.04.2017

Deutschland 2017

Länge: 1 h 31 min

Genre: Action

Originaltitel: Tiger Girl

Regie: Jakob Lass

Drehbuch: Jakob Lass, Eva-Maria Reimer, Nico Woche, Ines Schiller

Musik: Golo Schultz

Produktion: Jakob Lass, Ines Schiller, Golo Schultz

Kostüme: Anna Hostert

Kamera: Timon Schäppi

Schnitt: Gesa Jäger, Adrienne Hudson

Ausstattung: Friederike Gast

Website: http://www.constantin-film.de/kino/tiger-girl