Kinostart: nicht bekannt

Handlung

Lenny Nero betreibt als Dealer von Cyber-Disketten ein einträgliches Geschäft. Er wird aus seinem Selbstmitleid über die Trennung von seiner Freundin Faith gerissen, als eine Diskette mit politisch brisantem Inhalt in Umlauf kommt. Nero schliddert in einen Sumpf aus Korruption und Verrat.

In ein paar Stunden ist das Jahr 2000 erreicht. Auf den Straßen von L.A. herrscht Bürgerkrieg. Überleben heißt das einzige Ziel - auch für den Ex-Cop Lenny Nero, der mit illegalen Chips handelt, die den Benutzern reale Erlebnisse anderer Menschen vorgaukeln. Als seine Ex-Freundin Faith von einem geisteskranken Mörder bedroht wird, gerät Lennys bisher routiniert gestalteter Alltag jäh durcheinander. Er setzt sich auf die Spuren des Feindes und wird dabei immer tiefer in einen Strudel aus Sex und Gewalt gerissen.

Für den Cyberdisketten-Dealer Lenny Nero läuft das Geschäft gut, doch dann gerät er an eine Diskette mit politisch brisantem Inhalt und damit in Gefahr. Glänzender Future-Thriller der Action-Perfektionistin Kathryn Bigelow.

Kritik

Vier Jahre ist es her, daß Kathryn Bigelows "Gefährliche Brandung" mit beachtlichem Erfolg in den deutschen Kinos lief. Auf den Filmfestspielen von Venedig erlebte nun ihr neuester Film in der Publikumsschiene "Notte venetiani", eine Produktion ihres Ex-Gatten James Cameron, der neben Jay Cocks auch als Co-Autor verantwortlich zeichnet, seine Welturaufführung. Hat man das 139minütige Action-Spektakel gesehen, weiß man auch, warum Bigelow und ihr Team so lange daran gearbeitet haben. Glaubte man nämlich nach "Terminator 2", daß die Grenzen des technisch Machbaren erreicht seien, so wird man hier eines Besseren belehrt. "Strange Days", das ist Kino, bei dem einem das Sehen und Hören im wahrsten Sinne des Wortes vergeht. Jugendfilm hat einen guten Kauf getan, der sich sowohl vom Einspielergebnis als auch von der Qualität her mit den Großproduktionen dieses Sommers leicht wird messen können. Wie schon ihre vier bisherigen Filme ist auch "Strange Days" im Prinzip ein konventionelles Genre-Stück, das Bigelow geschickt variiert und modernisiert. War etwa "Near Dark" eine Vampir-Variante von "The Wild Bunch", so ist "Strange Days" eine Cyber-Version eines klassischen film noir. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Ex-Cop Lenny Nero - großartig gegen den Strich besetzt: Ralph Fiennes - , der als Pusher von Cybersex-Disketten ein einträgliches Geschäft betreibt. Wie seine Kollegen Sam Spade und Philip Marlowe ist er ein verbitterter Einzelgänger, der sich damit abgefunden hat, daß die Welt vor die Hunde geht. Das Los Angeles des Jahres 1999, das sich dem Ende zuneigt - der Film spielt an den letzten beiden Tagen des Milleniums -, ist ein einziges Schlachtfeld, auf dem sich die Polizei und diverse Gangs erbitterte Schlachten liefern. Nero wird aus seiner Lethargie wachgerüttelt, als seine Ex-Freundin Faith - Juliette Lewis als Neon-Femme fatale -, die er immer noch liebt, von einem scheinbar geisteskranken Mörder bedroht wird. In seinem schier aussichtslosen Kampf gegen den übermächtigen Gegner findet der desillusionierte Mann in der Limousinen-Fahrerin und Leibwächterin Mace, vorzüglich gespielt von Angela Bassett, eine ebenbürtige Partnerin. Wurde Kathryn Bigelow schon für ihre expliziten Gewaltszenen in "Blue Steel" angegriffen, dürften auch hier die Wogen der Empörung, Stichwort: Gewaltverherrlichung, hochschwappen. Wie in ihren bisherigen Filmen wird die Gewalt nie zum Selbstzweck, sondern muß als Gesellschaftskritik gelesen werden. So ruft eine Szene, in der ein schwarzer Rap-Musiker von der Polizei grundlos erschlagen wird, sofort den Rodney-King-Skandal in Erinnerung. Ein gewisses Unbehagen lassen lediglich die Vergewaltigungsszenen aufkommen, die einmal mehr aus männlicher Sicht gefilmt sind. Vom Formalen und Tricktechnischen her gesehen, setzt "Strange Days" neue Standards. Ausstattung, Kostüme, Schnitt, Kameraführung und Musik sind perfekt, Unterhaltung und Anspruch somit garantiert. Die Virtuosin Kathryn Bigelow muß spätestens seit diesem Film zu den zehn besten Actionfilm-Regisseuren Hollywoods gezählt werden. geh.

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Info

Plakat des Films: Strange Days
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: nicht bekannt

USA 1995

Länge: 2 h 19 min

Genre: Thriller

Originaltitel: Strange Days

Regie: Kathryn Bigelow

Drehbuch: Jay Cocks, James Cameron

Musik: Graeme Revell

Produktion: Steven Charles Jaffe, James Cameron

Kamera: Matthew F. Leonetti