Gesellschaftssatire um ein russisches Bergarbeiterdorf, das durch Hochzeitsvorbereitungen auf den Kopf gestellt wird.

Kinostart: nicht bekannt

Marat Bascharow
als Michka

Andrei Panin
als Garcoucha

Maria Mironowa
als Tania

Alexander Somtchew
als Borzov

Wladimir Simonow
als Borodine

Maria Goloubkina
als Sveta

Natalia Koliakanowa
als Rimma

Elena Novikova
als Zoika

Vladimir Kachpour
als Michkas Gro

Vladimir Salnikov
als Michkas Vater

Handlung

Tanja kommt nach Jahren aus Moskau zurück in ihr kleines Heimatdorf. Sie behauptet, dort Model gewesen zu sein, die Dorfbewohner mutmaßen etwas anderes. Doch dem naiven Mischa macht das nichts aus. Er war schon als Junge in sie verliebt und sie sagt im Scherz Ja zu einer Hochzeit. Auch wenn Mischas Eltern nicht gerade einverstanden sind mit der Wahl ihres Sohnes, beginnen die Hochzeitsvorbereitungen, die das Einkommen der Familie weit übersteigen.

Irgendwo in der russischen Provinz. Seit Monaten wurden aus dem entfernten Moskau keine Löhne mehr überwiesen, und so blüht der Tauschhandel. Ängstlich beäugt Mischas Vater die immer länger werdende Gästeliste der bevorstehenden Hochzeit seines Sohnes mit der schönen Tanja. Denn wer soll das alles bezahlen? Überhaupt kann sich Mischas Familie mit der vom Modeln in Moskau zurückgekehrten Tanja nicht recht anfreunden. Trotzdem wird die Hochzeit mit großem Improvisationstalent vorbereitet. Da wird Mischa plötzlich verhaftet...

Ängstlich beäugt der Vater des Bräutigams die immer länger werdende Gästeliste der bevorstehenden Hochzeit seines Sohnes mit der schönen Tanja. Denn: Wer soll das alles bezahlen? Pawel Lungins herzliche Komödie - in Cannes 2000 mit dem Sonderpreis der Jury für das Ensemble ausgezeichnet - ist ein echter Geheimtipp für Filmkunstfans.

Kritik

Gesellschaftliche Umwälzungen sind dramaturgisch wegen unvorhergesehener Wendungen und tragikomischer Ereignisse, die sich als natürliche Folge von Wechselsituationen ergeben, für den Film stets ergiebig. Kommt eine Hochzeit hinzu, die verschiedenste Charaktere auf engstem Raum versammelt, wächst das dramatische Potenzial. Pawel Lungin, der mit "Taxi Blues" und "Luna Park" das Leben in Russland nach dem Scheitern der sozialistischen Utopie kritisch verfolgt hat, setzt in der in Cannes 2000 mit dem Preis für das Ensemble ausgezeichneten Groteske seine wilden Beobachtungen über jene fort, die auf das neue Leben nach dem Sozialismus warten.

Der gutmütige Mischa, eine dem Dostojewkijschen "Idiot" ähnliche Figur, trifft in Lipski, einer Provinzstadt 200 km von Moskau, seine Jugendliebe Tanja wieder, die nach Jahren aus der Hauptstadt zurückgekehrt ist und angeblich als Model, womöglich als Prostituierte gearbeitet hat. Dem spontanen Heiratsantrag folgt die überstürzte Hochzeit, die Einkommen und Gespartes der Familie verschlingt. Auf dem Fest erlebt Mischa Überraschungen mit einem ehemaligen Liebhaber Tanjas, mit den örtlichen Behörden, die die Lohngelder verschlampen, und mit Freunden, die das Leben nur durch den Boden des Wodkaglases ertragen.

Wie in den Vorgängerfilmen lässt Lungin seine diesmal digitale Kamera hautnah und rasant durch die Szenerien streifen und fügt dem Grimm eine gehörige Portion Humor und Derbheit hinzu, die sich aus den Dorfstrukturen ergeben, wo jeder jeden kennt, die Braut zwischenzeitlich entführt werden muss und eine gestohlene Dienstpistole beinahe eine Katastrophe auslöst. Lungins Film funktioniert als kritischer Kommentar, als tragikomisches Plädoyer für die, die am Abgrund der Gesellschaft stehen, und als verstörendes Spiegelbild des provinziellen Russland. Dank des Figurenreichtums einem Altman-Panorama oder Milos Formans Feuerwehrball-Satire ähnlich, sprüht die Groteske von krassen Einfällen und rauen Dialogen. Für Programmkinos ein Muss. ger.

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Info

Plakat des Films: Russische Hochzeit
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: nicht bekannt

Deutschland/Frankreich/Russland 2000

Länge: 1 h 53 min

Genre: Drama

Originaltitel: Svadba

Regie: Pavel Lungin

Drehbuch: Alexander Galin

Musik: Vladimir Chekassine

Produktion: Catherine Dussart

Kamera: Alexander Burow

Schnitt: Sophie Brunet

Ausstattung: Ilya Amursky