Zweiter Teil von Lars Von Triers Amerika-Trilogie, in der Grace aus "Dogville" Demokratie in eine Plantage bringen will.

Kinostart: 10.11.2005

Handlung

Amerika in den 30er Jahren. Grace Margaret Mulligan (Bryce Dallas Howard in der Nachfolge von Nicole Kidman) lässt Dogville hinter sich und entdeckt auf der Reise durchs Land in Begleitung der Gangsterbande ihres Vaters (Willem Dafoe für James Caan) die sonderbare Farm Manderley, wo es zugeht wie vor dem Bürgerkrieg und Sklaven für weiße Herren schuften. Grace aber dürstet nach Gerechtigkeit, und so veranlasst sie ihren Vater, den Unterdrückten die Freiheit mit Gewalt zu verschaffen. Letztere scheinen jedoch auf Demokratie wenig erpicht.

Im Nachfolger von "Dogville" besetzt Lars von Trier zentrale Rollen neu bzw. lässt gewohnte Darsteller neue Rollen spielen und zelebriert ansonsten mit den üblichen minimalistischen Mitteln ein recht unsubtiles Gleichnis auf Amerikas Irak-Feldzug.

Gerade eben dem Martyrium in Dogville entkommen, stößt Grace im amerikanischen Süden der 30er Jahre auf die Plantage Manderlay, in der die Schwarzen immer noch wie Sklaven gehalten werden. Gerade ist ihre Herrin gestorben, also beschließt Grace, die Demokratie nach Manderlay zu bringen - notfalls mit Waffengewalt der von ihrem Vater zu ihrer Hilfe abgestellten Gangster. Der Prozess erweist sich als schwierig, zumal Grace einem der Schwarzen verfällt. Und schließlich wartet eine faustdicke Überraschung auf die Retterin.

Nachdem Grace das niedergebrannte Dogville hinter sich gelassen hat, kommt ihre Flucht im Alabama der 30er Jahre auf der Plantage Manderlay zum Halt. Dort wird die junge Frau Zeugin der Auspeitschung eines jungen Farbigen. Empört schreitet sie ein. Demokratie will sie nach Manderlay bringen, notfalls auch mit Waffengewalt. Doch der Prozess erweist sich als schwierig, da Grace dem Wortführer der Sklaven verfällt und darüber ihr Urteilsvermögen verliert. Und dann wartet da noch eine faustdicke Überraschung auf die Retterin.

Kritik

In "Manderlay", dem zweiten Teil seiner Amerika-Trilogie, erzählt Lars von Trier in acht Kapiteln am Beispiel der Sklaverei, wie der gut gemeinte Wille zum Helfen ins Gegenteil umschlagen kann. Nach Nicole Kidman in "Dogville" überzeugt Bryce Dallas Howard als Heldin Grace.

Die Handlung spielt im Alabama der 30er Jahre auf einer Baumwollplantage mit Sklaven. Nach der Zerstörung von "Dogville" ist Grace mit ihrem Vater auf der Flucht und landet rein zufällig in diesem Hort der Unterdrückung, wie sie meint. Als sie sieht, wie ein junger Schwarzer ausgepeitscht wird, fühlt sie sich berufen, die Rolle der Freiheitsgöttin zu übernehmen, zumal durch den Tod der alten Besitzerin (Lauren Bacall) ein Machtvakuum entstanden ist - glaubt sie jedenfalls. Die unbedarfte Heldin setzt es sich zum Ziel, die Sklaven zu befreien und an die Demokratie heranzuführen. Nach anfänglichen Erfolgen stößt sie auf Widerstand. Die Farbigen verstehen nicht, was ihnen die Freiheit in einem Land der Rassentrennung bringen soll und wenden sich am Ende gegen ihre selbst ernannte Befreierin. Lars von Trier macht sich über blinden Idealismus lustig, zeigt, wie sich Farbige untereinander betrügen und wenig mit dem Begriff Gemeinsinn anfangen können. Dem gegenüber steht die naive Grace, die aus dem Schuldgefühl einer Weißen heraus ein übertriebenes Helfersyndrom entwickelt und dabei alles falsch macht. Ihr sexuelles Faible für den "stolzen Schwarzen" und Wortführer der Gemeinschaft (Isaach de Bankole) unterminiert zusätzlich ihre schwache Position. Der Dogma-Erfinder greift vor allem die Geisteshaltung an, für andere zu handeln und alles besser zu wissen. Eine Verbindung zum Irak-Krieg und dem Projekt des "Nation-Building" der Supermacht USA ist offensichtlich. Von Trier ließ sich vom dänischen Fotografen Jacob Holt inspirieren und Jean Paulhams Vorwort zur "Die Geschichte der O" über eine Rebellion im Barbados des 19. Jahrhunderts, nach der die durch ein Gesetz befreiten Sklaven willentlich schnell in ihr altes und unfreies Leben zurückkehrten. Mag sich der intellektuelle Zugang geändert haben, die ästhetische Herangehensweise ist geblieben. Wie im ersten Teil "Dogville" sind Form und Struktur dem epischen Theater ähnlich, agieren die Figuren auch hier auf einer großen Bühne mit Kulissenfragmenten. Auf dem Boden sind die Namen der Straßen mit weisser Kreide gezeichnet, die verschiedenen Orte der Plantage, die Räumlichkeiten der handelnden Personen. Es gibt nur wenig reale Gegenstände wie eine Mauer, ein zersplittertes Fenster, einige Holztische, einige Betten - die Vorstellung der Landschaft bleibt der Fantasie überlassen. Die Stimme des Erzählers (John Hurt) wirkt in ihrem unüberhörbaren Sarkasmus sehr britisch. Der Film endet mit David Bowies "Young Americans" und einer Fotomontage über das böse und rassistische Amerika - vom Ku-Klux-Klan über Rodney King, Martin Luther King als Freiheits-Ikone und George Bush als bigotten Beter bis hin zu GIs im Vietnam- und Golfkrieg. Da wird die anfänglich feine Parabel zum platten Pamphlet. mk.

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Info

Plakat des Films: Manderlay
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 10.11.2005

Dänemark/Deutschland/Frankreich/Großbritannien/Niederlande/Schweden 2005

Länge: 2 h 19 min

Genre: Drama

Originaltitel: Manderlay

Regie: Lars Trier

Drehbuch: Lars Trier

Produktion: Vibeke Windeløv

Kostüme: Manon Rasmussen

Kamera: Anthony Dod Mantle

Schnitt: Bodil Kjærhauge, Molly Stensgård

Ausstattung: Simone Grau

Website: http://www.manderlay-derfilm.de