Kinostart: 07.09.1995

Die Handlung von Jefferson in Paris

Bevor Jefferson dritter Präsident der USA wurde, verbrachte er fünf Jahre als Botschafter in Paris. Während er in politischen Dingen stets Herr der Lage war, tobte sein Privatleben: Durch den Tod seiner Frau zerrissen, stürzt er sich in eine Affäre mit Maria Cosway. Später unterhält er dann eine Beziehung zum schwarzen Kindermädchen seiner Tochter.

Kritik zu Jefferson in Paris

Gegensätze scheinen James Ivory anzuziehen. Die innere Spannung seiner jüngsten Filme beruht auf dem Aufeinanderprallen von neuen Ideen mit alten Konventionen, von modernen Lebensentwürfen mit hergebrachter Tradition, oder eben von der Begegnung der Neuen mit der Alten Welt. Ivory, Kalifornier mit intellektueller Wahlheimat Europa, versteht es, Momente vergangener Zeit in Bildern und Gefühlen perfekt nachzuempfinden. Ob in "Wiedersehen in Howards End" oder seinem letzten Erfolg, "Was vom Tage übrigblieb": Die Kunst von Regisseur Ivory, Produzent Ismail Merchant und Drehbuchautorin Ruth Prawer Jhabvala, ein eingespieltes Team seit dreißig Jahren, vor genial rekonstruiertem, historischem Hintergrund höchst private und weit über ihren Kontext hinaus gültige Geschichten zu erzählen, ist fast Markenzeichen der Merchant/ Ivory-Produktionen geworden. Da schien das Thema ihres ersten Films im Rahmen ihres Vertrages mit Disney eine probate Wahl: "Jefferson in Paris", ein Amerikaner in Paris und kein Geringerer als der spätere dritte Präsident der USA, der von 1784 bis 1789, dem Jahr der französischen Revolution, als Botschafter in der europäischen Kulturhauptstadt weilt. Nick Nolte spielt Jefferson angemessen ernsthaft. Mit seiner Tochter und einigen schwarzen Sklaven, darunter der erfrischend unbotmäßige James (Seth Gilliam), wirbt er in Paris für seinen jungen Staat und hofft, seine persönliche Tragödie, den Tod von Frau und Kindern, zu überwinden. Der Kämpfer für die "Bill of Rights", von deren Segnungen er allenfalls seine Negersklaven ausnimmt, und sittenstrenge Revolutionär trifft am dekadenten Hof auf ein wahres Kompendium französischer Geschichte. Begegnungen mit Ludwig XVI., Marie Antoinette und dem Marquis de Lafayette geben ihm Gelegenheit, seine eigenen Überzeugungen zu prüfen. Geschichte im Sauseschritt erlebt man am Bildrand: den Sturm auf die Bastille oder die Gefangennahme des königlichen Paars. Hineingewoben in den historischen Wandteppich sind Jeffersons verbriefte Amouren, erst mit der Engländerin Maria Cosway, verhalten leidenschaftlich dargestellt von Greta Scacchi, dann mit James' Schwester, der Negersklavin Sally, die auch von ihm schwanger wird. Doch bei aller Fülle historischer Details geraten die ausufernde Geschichte und ihre zahllosen privaten Bezüge immer unfokussierter. Während man staunenden Auges die opulente Ausstattung und die elegante Inszenierung bewundert, fügen sich lediglich angerissene Handlungsstränge nie zu einer geschlossenen dramatischen Struktur. Ivory tappt in die Fallen, die getreuen Lebensverfilmungen immanent sind, wo historische Wahrheit dem dramatischen Erzählwillen im Wege steht. So ist ihm diesmal nur ein meisterlicher Entwurf gelungen, der oft unbeteiligt läßt, mehr eine lehrreiche Geschichtsstunde, als ein großer Film, der dennoch über die klingenden Namen ein interessiertes Publikum finden wird. hoe.

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Info

Plakat des Films: Jefferson in Paris
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 07.09.1995

USA 1995

Länge: 2 h 16 min

Genre: Drama

Originaltitel: Jefferson in Paris

Regie: James Ivory

Drehbuch: Ruth Prawer Jhabvala

Musik: Richard Robbins

Produktion: Ismail Merchant

Kostüme: Jenny Beavan, John Bright

Kamera: Pierre Lhomme

Schnitt: Andrew Marcus, Isabelle Lorente

Ausstattung: Thierry François