Einfühlsame und einprägsame Erinnerungen von Mike Mills an seine Mutter und den südkalifornischen Sommer von 1979.

Kinostart: 18.05.2017

Handlung

Weil ihr die Erziehung des 15-jährigen Jamie Ende der Siebzigerjahre über den Kopf wächst, holt sich seine Mutter Dorothea Unterstützung von zwei anderen Frauen: Abbie ist eine libertär denkende Fotografin, die sich in der Punkszene bewegt und mit einer schweren Erkrankung fertig werden muss. Julie ist das Mädchen, in das sich Jamie verliebt hat, die aber nur Freundschaft von ihm will. Alldieweil muss Jamie einen Weg durchs Leben finden und für sich entscheiden, warum die Talking Heads besser sind als harter Punk.

Weil ihr die Erziehung ihres 15-jährigen Sohns Ende der Siebzigerjahre über den Kopf wächst, holt sich eine alleinerziehende Mutter Unterstützung von zwei anderen Frauen. Hinreißende, starbesetzte Coming-of-Age-Geschichte.

Kritik

Einfühlsame und einprägsame Erinnerungen von Mike Mills an seine Mutter und den südkalifornischen Sommer von 1979.

Gnadenlos autobiographische Filmstoffe sind die Spezialität von Mike Mills, einer der prägenden Grafiker und Clipregisseure der Neunzigerjahre, der mit seiner Arbeit für die Beastie Boys oder Sonic Youth Berühmtheit erlangte. Das traf auf "Beginners" zu, in dem Mills, verpackt in eine fiktive Geschichte, von seinem Vater erzählte, der sich nach dem Tod seiner Frau im Alter von 75 Jahren zu seiner Homosexualität bekannte und danach den Rest seines Lebens glücklich als schwuler Mann lebte. Nun setzt der Filmemacher seiner Mutter ein Denkmal und erinnert sich dabei an seine eigenwillige Jugend Ende der Siebzigerjahre in Santa Barbara: Unverkennbar ist der 15-jährige Jamie nach dem eigenen Vorbild entstanden, der hier von seiner Mutter allein groß gezogen wird und ihr auf dem Weg vom Jungen zum Mann zunehmend zu entgleiten droht. Um ihn in dieser schwierigen Phase ohne Mann im Haus nicht zu verlieren, bittet sie zwei weitere Frauen aus Jamies Umfeld darum, sie bei der Erziehung des Sohnes zu unterstützen. Abbie ist eine Fotografin mit flammend roten Haaren, die sich in der aufkeimenden Punkszene Südkaliforniens zu Hause fühlt, Julie das hübscheste Mädchen in Jamies Schule, in das er natürlich verschossen ist, während sie nur Freundschaft will, wenn sie nach Eskapaden mit anderen Jungs zu Jamie unter die Decke schlüpft, um zu kuscheln. Allein die Konstellation birgt hinlänglich Stoff für adoleszente Konfusion. Und wie immer fängt Mills Atmosphäre für Raum und Zeit perfekt ein, mit subtilen Beobachtungen und extra viel Liebe für seine Figuren, die allesamt ihr Päckchen zu tragen haben. An "Laurel Canyon" muss man unweigerlich denken, an "The Kids Are All Right", ebenfalls mit Annette Bening in der Hauptrolle, auch, aber obwohl Südkalifornien und Punkrock im Spannungsfeld zwischen Talking Heads und Black Flag immer in der Luft liegen und den Film klar als eine amerikanische Geschichte definieren, ist doch die Nähe zu Truffaut unverkennbar: Jamie wird hier zwar eher geküsst als geschlagen, aber doch wacht der Geist von Antoine Doinel über diese Erinnerung an einen Sommer, in dem sich für alle Beteiligten alles verändert, ohne dass erschütternd viel Dramatisches passieren müsste: Wie die besten Filme über Jugend, fühlt sich auch "Jahrhundertfrauen" wie aus dem Leben gegriffen an. ts.

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Info

Kinostart: 18.05.2017

USA 2016

Länge: 1 h 59 min

Genre: Drama

Originaltitel: 20th Century Women

Regie: Mike Mills

Drehbuch: Mike Mills

Musik: Roger Neill

Produktion: Megan Ellison, Youree Henley, Anne Carey

Kostüme: Jennifer Johnson

Kamera: Sean Porter

Schnitt: Leslie Jones

Ausstattung: Chris Jones

Website: http://jahrhundertfrauen-film.de