Darstellerisch brillante Verfilmung von August Strindbergs Tragödie über den Macht- und Verführungskampf, den eine Baroness und ihr Hausdiener in einer einzigen Nacht austragen.

Kinostart: 22.01.2015

Jessica Chastain

Jessica Chastain
als Miss Julie

Szenenbild aus Fräulein Julie mit Colin FarrellColin Farrell

Colin Farrell
als John

Samantha Morton

Samantha Morton
als Kathleen

Nora McMenamy
als Miss Julie, jung

Handlung

Irland, 1890. Auf dem Landsitz ihres vermögenden, gerade abwesenden Vaters spielt Baroness Julie mit dem Feuer, flirtet in der Mittsommernacht mit Hausdiener John, der den Distanzbruch zunächst als ungehöriges Spiel mit seiner Abhängigkeitsposition verachtet, dann aber selbst die Kontrolle übernimmt und Fräulein gibt, was die gesellschaftlichen Konventionen verbieten. Danach sucht sich gegenseitige Verachtung ein Ventil, zeigt sich die Unmöglichkeit dieser Beziehung und des damit verbundenen Entkommens vor den zugewiesenen Rollen.

Kritik

In ihrer vierten Kinoinszenierung weist Liv Ullmann die unveränderte Wucht von Strindbergs Klassen- und Geschlechterkampf zwischen einer Baroness und ihrem Hausdiener nach.

Die Tragödie des schwedischen Dramatikers wurde bereits mehrfach verfilmt. Doch Ullmanns Adaption ist die prominentest besetzte, wohl bisher nuancenreichste und ein darstellerisches Schwergewicht, mit dem sich vor allem Jessica Chastain für den Oscar empfiehlt.

Ullmann schrieb auch das Drehbuch, verlagert den Schauplatz ins Irland von 1890, wo auf einem noblen Landsitz die Barriere zwischen zwei Welten kurzfristig aufgebrochen wird, die sonst für strikte Trennung sorgt. In der Mittsommernacht, in der Ausgelassenheit unkontrollierbare Variable ist, beginnt Julie, Tochter eines einflussreichen, gerade abwesenden Barons, mit Hausdiener John (Colin Farrell) zu flirten. Was dieser zunächst als ungehöriges Spiel mit seiner Abhängigkeitsposition empfindet, entwickelt sich schnell zu einer Attraktion, die tatsächlich von echten Gefühlen gespeist, vielleicht aber auch nur Instrument sein könnte, um die unterschiedlichen Sehnsüchte beider Figuren erfüllen zu können. Denn Julie, die gerade von ihrem Verlobten verlassen wurde, sucht einen Ausweg aus ihrem Leben, das sie als Qual empfindet - und John eine Möglichkeit, ein Ventil für seinen Ehrgeiz zu finden und seinen Status zu verbessern. Beobachterin des tragisch endenden Machtkampfes zwischen Klasse und Geschlecht ist Johns Verlobte (Samantha Morton), eine unerschütterliche moralische Instanz und die Einzige der drei Figuren, die sich in ihre zugewiesene Rolle fügt.

Ullman verlässt den Hauptschauplatz, das Haus, nur wenige, aber prächtig visualisierte Male, legt eine erlesen fotografierte Adaption vor, die nicht alles über die Motive der Figuren offenlegt, bewusst mehrdeutig bleibt. Verlorenheit und Einsamkeit werden deutlich, wie auch Dominanz und Verletzlichkeit. Aus Distanz wird plötzlich Nähe, aus Verachtung plötzlich Zuneigung. Inwieweit dahinter Berechnung erkennbar ist, bleibt Interpretation des Zuschauers, der in diesem Sturm wechselnder Emotionen gebannt ist von Farrell, der zwischen Zorn, Zärtlichkeit und Lust maskuline Macht repräsentiert, und der überragenden Chastain, die dieser gequälten Figur, die auch hochmütige, manipulative Züge hat, wirklich Seele verleiht. kob.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 22.01.2015

Norwegen/Großbritannien/Irland/Frankreich 2014

Länge: 2 h 10 min

Genre: Drama

Originaltitel: Miss Julie

Regie: Liv Ullmann

Drehbuch: Liv Ullmann

Musik: Arve Tellevsen, Havard Gimse, Truls Mork

Produktion: Synnøve Hørsdal, Teun Hilte, Oliver Dungey

Kostüme: Consolata Boyle

Kamera: Mikhail Kritschman

Schnitt: Michal Leszczylowski

Website: http://www.alamodefilm.de/kino/detail/fraeulein-julie.html

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