Oskar Roehlers Adaption des gleichnamigen Skandalromans von Michel Houellebecq mit Starbesetzung.

Kinostart: 23.02.2006

Moritz Bleibtreu

Moritz Bleibtreu
als Bruno

Christian Ulmen

Christian Ulmen
als Michael

Martina Gedeck

Martina Gedeck
als Christiane

Franka Potente
als Annabelle

Nina Hoss
als Jane

Uwe Ochsenknecht
als Brunos Vater

Corinna Harfouch
als Dr. Sch

Ulrike Kriener
als Annabelles Mutter

Jasmin Tabatabai
als Yogini

Michael Gwisdek
als Prof. Flei

Herbert Knaup
als Sollers

Tom Schilling
als Michael (jung)

Thomas Drechsel
als Bruno (jung)

Nina Kronjäger
als Katja

Katharina Palm
als Schwester Clara

Jelena Weber
als Annabelle (jung)

Jennifer Ulrich
als Johanna

Shaun Lawton
als Walser

Birgit Stein
als Anne

Simon Böer
als Janes Lover

Franziska Schlattner
als Ellen

Thorsten Merten
als Hubert

Deborah Kaufmann
als Hannelore

Uwe-Dag Berlin
als Annabelles Arzt

Hermann Beyer
als Annabelles Vater

Ingeborg Westphal
als Hippiefrau

Handlung

Traumatisiert von der experimentierfreudigen Hippie-Mutter (Nina Hoss) haben die ungleichen Brüder Michael (Christian Ulmen) und Bruno (Moritz Bleibtreu) jeweils auf ihren eigenen Kriegspfad mit der Sexualität gefunden. So forscht Michael an einem renommierten Forschungsinstitut an Sex-freier Fortpflanzung, während Lehrer Bruno heimlich seinen Schülerinnen hinterher hechelt und doch nur im Puff zum Schuss kommt. Als dann aber beide auf die große Liebe treffen (Franka Potente und Martina Gedeck), könnte alles anders kommen.

Die Crème de la Crème des deutschen Schauspielwesens ist zur Stelle, wenn die Produzenten Bernd Eichinger und Oliver Berben den gleichnamigen Roman von Michel Houellebecq verfilmen.

Michael und Bruno sind Halbbrüder, Söhne einer Hippiemutter und von Grund auf verschieden. Während der introvertierte Molekularbiologe Michael lieber mit Genen hantiert, lässt sich Bruno gerne im Puff verwöhnen. Eines Tages treffen beide die Liebe ihres Lebens - Michael seine frühere Schulfreundin Annabelle, Bruno die sexy Christiane. Beide Frauen werden kurz darauf schwer krank.

Lehrer Bruno und sein Halbbruder, der Molekularbiologe Michael, könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine wird vom Schuldienst suspendiert, weil er eine Elftklässlerin angegraben hat, dem anderen fällt der Wellensittich tot von der Stange. Der eine kann von nichts träumen außer Sex, der andere ist mit seinen knapp 40 Jahren immer noch Jungfrau. Vielleicht ist die Hippiemutter an den Problemen der Geschwister Schuld, die nur Sex im Kopf hat(te) und ihre Söhne bei den jeweiligen Großmüttern abstellte, um ihrem Jet-Set-Leben zu frönen.

Kritik

Es gehört Mut dazu, Michel Houellebecqs Skandalroman über den postmodernen Mann Anfang des Jahrtausends zu verfilmen. Oskar Roehler wagt den Trip durch verwüstete Seelenlandschaften.

Mit rund 240000 verkauften Exemplaren ist "Elementarteilchen" ein Bestseller. Ein Buch, dass man(n) lesen musste und nicht immer zu Ende las. Nicht gerade aufmunternd die Geschichte von zwei Halbbrüdern, die - von der Hippie-Mutter vernachlässigt -getrennt voneinander bei ihren Großeltern aufwachsen und sich erst in der Jugend kennenlernen. Ihre Wege könnten unterschiedlicher nicht sein: Michel Djerzinski macht als Molekularbiologe Karriere und lebt seinen Trieb in der Wissenschaft aus, sucht nach Wegen zur Reproduktion ohne Sex, Bruno Klement legt meistens Hand an sich, sobald er ein junges Mädchen sieht, und das ist bei einem Lehrer und verkrachten Schriftsteller nicht selten. Seine Avancen stoßen bei der Weiblichkeit auf wenig Gegenliebe. Was sie verbindet ist die Unfähigkeit zu Gefühlen, ein sexuelles Defizit, endlose Einsamkeit. Am Totenbett der Mutter finden sie sich wieder, zwei unglückliche Menschen, denen plötzlich doch das Ass im Leben winkt. Der schüchterne Michel trifft seine alte Jugendliebe wieder, die ihn "aufweckt", Bruno in einem Nudistenclub eine sensible Frau ohne Prüderie, die sich mit ihm im Swingerclub verlustiert.

Houellebecq negiert jegliches positive Ende, Roehler möchte ein Quentchen Hoffnung und entschärft die gesellschaftliche und emotionale Bombe. Auch wenn beide Frauen blindwütig das Schicksal trifft und die Partner unterschiedlich auf die persönliche Tragödie reagieren. Dem französischen Literaten wurde vieles zugeschrieben - eine Abrechnung mit der 68erGenration, beißende Gesellschaftskritik, diffuse Philosophie, ausgeprägte Frauenfeindlichkeit und Ekel vor der Welt, vielleicht

auch vor sich selbst. Also eigentlich eine gute Kombination mit Roehler, dem nicht gerade ein großes Harmoniebedürfnis nachgesagt wird. Die Verfilmung des Romans ist ein Unterfangen, bei dem sich wohl jeder verheben kann oder muss. Roehler lässt seine kaputten Helden durch die Hölle gehen und mit den inneren Dämonen kämpfen, sich an der Wirklichkeit die Seele wundreiben Hinter dem se xuellen Akt steht Leere. Drei Jahre Drehbucharbeit, 15 Drehbuchfassung, die Umsetzung mit allem was in Deutschland einen Namen hat - Moritz Bleibtreu, Franka Potente, Christian Ulmen, Nina Hoss. Produzent Bernd Eichinger, der auch am Drehbuch mitschrieb, aber auf eine Erwähnung verzichtet, kürzte die erste Filmfassung schon mal um 40 Minuten. Wer "Elementarteilchen" mit der eigentlich unverfilmbaren Vorlage vergleicht, wird sich über das Fehlen jeglicher Philosophie oder Gesellschaftskritik wundern, Roehler stürzt sich auf das Vordergündige, die Verlorenheit des Individuums, seine Zerrissenheit und Sex als Kampfzone, scheut auch vor publikumswirksamen Humor nicht zurück. Eine Art Houellebecq-Light ohne den originären Zynismus oder verletzende Kälte.

Das Drama entwickelt nach einer ausgedehnten Exposition durch Rückblenden in der zweiten Hälfte seine Qualitäten, vor allem durch die weiblichen starken Charaktere. Martina Gedeck brilliert als sinnliche und außergewöhnliche Frauenfigur, die die Angst vor dem Tod überwindet. Houellebecqs Blick auf die Welt schockte mit Tabubrüchen, tat weh. Roehler gibt sich versöhnlich: Für ihn ist Liebe möglich. mk.

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Info

Plakat des Films: Elementarteilchen
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 23.02.2006

Deutschland 2006

Länge: 1 h 53 min

Genre: Drama

Originaltitel: Elementarteilchen

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Oskar Roehler

Musik: Martin Todsharow

Produktion: Bernd Eichinger, Oliver Berben

Kostüme: Esther Walz

Kamera: Carl-Friedrich Koschnick

Schnitt: Peter R. Adam

Ausstattung: Ingrid Henn

Website: http://www.elementarteilchen.film.de

Auszeichnungen

1 x Berlinale: