Eine Frau sieht rot. Neil Jordans Variante zum Subgenre des Rachethriller.

Kinostart: 27.09.2007

Jodie Foster

Jodie Foster
als Erica Bain

Terrence Howard

Terrence Howard
als Detective Sean Mercer

Nicky Katt
als Detective Vitale

Naveen Andrews
als David Kirmani

Mary Steenburgen
als Carol

Jane Adams
als Nicole

Ene Oloja
als Josai

Luis Da Silva
als Lee

Handlung

Die New Yorkerin Erica Bain (Jodie Foster) moderiert die Radiosendung "Street Talk", in der sie den Hörern ihre Liebe zur Stadt mittels Storys kund tut. Mit ihrer Zuneigung zu den Straßen des Big Apples ist Schluss, als man sie und ihren Verlobten David Kirmani (Naveen Andrews) brutal überfällt. Nur Erica überlebt den Angriff schwer verletzt und bleibt traumatisiert. Ihre Angst besänftigt sie mit einer Schusswaffe, die sie nach ihrer körperlichen Genesung fortan mit sich führt. Bald muss sie die Pistole in Notwehr einsetzen - und findet Gefallen daran.

Mit Regisseur Neil Jordan (Oscar für "The Crying Game") und Produzent Joel Silver ("The Matrix") trifft Sensibilität auf Power, und beides bündelt Jodie Foster zu einem entfesselten Psychothriller um Selbstjustiz, der Erinnerungen an Abel Ferraras "Ms. 45" wach ruft.

Die New Yorker Radiomoderatorin Erica ist glücklich liiert mit einem Arzt. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als das Paar von Schlägern angegriffen wird und ihr Mann dabei getötet wird. In ihrer Verzweiflung und Enttäuschung über die ergebnislose Polizeiarbeit greift sie selbst zur Waffe - erst zurückhaltend, doch bald immer routinierter.

Die New Yorker Radiomoderatorin Erica ist glücklich liiert mit einem Arzt. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als das Paar beim Spaziergang im Central Park von Schlägern angegriffen und ihr Mann dabei getötet wird. Sie selbst überlebt schwer verletzt. In ihrer Verzweiflung und Enttäuschung über die ergebnislose Polizeiarbeit greift sie selbst zur Waffe - erst zurückhaltend, doch bald immer routinierter. Gleichzeitig heftet sich ein Polizeibeamter an die Fersen der entschlossenen und doch an ihren Taten leidenden Vigilantin.

Kritik

Kurz nach James Wans Revenge-Thriller "Death Sentence" kommt von dem Iren Neil Jordan der definitive Höhepunkt zum Thema Selbstjustiz.

Das Revival der rot sehenden Rächer, die jüngst das Licht der Leinwand erblickten, findet nun ein veritables Meisterwerk in seinen Reihen. Die kleine Welle aus "Man on Fire" und dem kurz zuvor gestarteten Exploitation-Film "Death Sentence" bekommt eine feminine Note verpasst, die sich schon mit dem Festivalhit "WAZ" ankündigte. Hier wie dort steht eine Frau hinter den Taten eines sonst ausgesprochen maskulinen Genres. Wieder zeigt Neil Jordan sein Gespür für provokante und gesellschaftskritische Sujets, aber auch sein unvergleichliches Einfühlungsvermögen für die seelischen Untiefen seiner ambivalenten Protagonistin. Urbane Poesie beherrscht schon die Exposition, in der Erica Bain (herausragend: Jodie Foster mit Kurzhaarschnitt) für ihre Radioshow durch New Yorks Straßen zieht und die Stadt vor ihren Augen verschwinden sieht. Wie sehr sie die Stimme ist, die keiner hört, muss sie erfahren, als Schläger ihre interkulturelle Traumbeziehung mit Arzt David Kirmani ("Lost"-Insulaner Naveen Andrews) tödlich beenden, was Jordan mit einer außergewöhnlichen, gefühlvollen Parallelmontage visualisiert. Sie erwacht nach drei Wochen aus dem Koma und begreift, dass ihr Verlobter längst begraben ist. Traumatisiert und von der Polizei enttäuscht, die keine Spur hat, verschanzt sich Erica in ihrem Haus, kann die Angstzustände aber erst mit dem illegalen Erwerb einer Halbautomatik beenden. In einem Laden erschießt sie einen Mörder in Notwehr und verwischt ihre Spuren, so dass Detective Sean Mercer (schwer im Kommen: Terrence Howard) vor einen Rätsel steht. Schon bei der nächsten Gefahr vertraut Erica ganz auf ihre Waffe und streift fortan, verletzlich und stark zugleich wie Ferraras Racheengel "Ms .45" bei Nacht durch die City, derweil ihr anonymes Handeln zum Stadtgespräch wird.

Mit feinem Gespür für die psychologische Metamorphose seiner Figur sprengt Neil Jordan die engen Grenzen des Genres. Endlich erfährt der so oft unter Wert gelaufene Vigilante-Topos eine angemessene Würdigung, die bravourös, eindringlich, angenehm klischeefrei ausfällt und niemals sensationslüstern ist. Ambitioniert war Jodie Foster schon immer, aber diese Leistung unterstreicht eindrucksvoll, dass sie immer noch zu Hollywoods besten Schauspielerinnen gehört. Als zähe Rächerin findet sie durch die Waffe zurück ins Leben, begräbt damit zugleich ihr altes und wird eine Fremde. Ihr Ringen mit sich selbst, die Seelenqualen, bis sie sich erfolglos zu stellen versucht, werden nachdenklich reflektiert - es gibt kein zurück. Schuldbewusst sucht sie die Nähe zu dem Detective, um die Grenzen des Gesetzes zu diskutieren, was eine Freundschaft auslöst, die elektrisiert. Ihre Radioshow erweist sich als Kunstgriff, die Problematik der Selbstjustiz von allen Seiten zu beleuchten und alle (moralischen) Paradoxien aufzuzeigen. Mag Fritz Langs "Fury" das liberale Manifest gegen Lynchjustiz sein, diese im Deutschen treffend betitelte Studie über Amerikas Umgang mit Gewalt ist die ultimative republikanische Fantasie dazu.

tk.

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Info

Plakat des Films: Die Fremde in dir
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 27.09.2007

USA 2007

Länge: 2 h 2 min

Genre: Thriller

Originaltitel: The Brave One

Regie: Neil Jordan

Drehbuch: Roderick Taylor, Bruce A. Taylor, Cynthia Mort

Musik: Dario Marianelli

Produktion: Joel Silver, Susan Downey

Kostüme: Catherine Thomas

Kamera: Philippe Rousselot

Schnitt: Tony Lawson

Ausstattung: Kristi Zea

Website: http://www.diefremdeindir.de