Perfekt getimte und gespielte (Tragi)Komödie um eine explosive Familie mit ernstem Hintergrund.

Kinostart: 08.03.2007

Katja Riemann

Katja Riemann
als Sybille Spatz

Ulrich Noethen

Ulrich Noethen
als Roland Spatz

Hannah Herzsprung

Hannah Herzsprung
als Florina Kr

Josef Mattes
als Linus Spatz

Volker Bruch
als Charles Spatz

Juliane Köhler
als K

Alexander Held
als Happy Kr

Martin Feifel
als Hannes

Timo Dierkes
als Stefan Kowalski

Katarina Gaub
als Claudia

Die Handlung von Das wahre Leben

Workaholic Roland (Ulrich Noethen) buckelt an die 14 Stunden täglich im Risikomanagement eines Großunternehmens. Seine Familie sieht er nur noch zur Nachtstunde. Gattin Sybille (Katja Riemann) flüchtet ebenfalls in ihren Job als Galeristin, und der 19-jährige Spross Charles unterliegt seinem geballten Hormonstau. Übrig bleibt der von allen vergessene Linus (Josef Mattes), der in seinem Kämmerlein seelenruhig Bomben bastelt, mit denen er nachbarliche Gartenskulpturen sprengt. Dann wird Roland arbeitslos und fängt an, daheim alles umzukrempeln.

Das alltägliche Familienchaos ist der Acker einer humorvollen und sensiblen Tragikomödie, die als "Papa Ante Portas" der Generation Globalisierung durchgehen könnte. Die Burleske über eine Familie mit umgekehrtem Düsenantrieb ufert munter zur Katastrophe aus.

Als der Manager-Papa seinen Job verliert, geht er seinen Lieben im Designer-Haus auf die Nerven. Der jüngere Sohn experimentiert dennoch weiter mit Sprengstoff und findet in der älteren, suizidgefährdeten Nachbarstochter eine Mitspielerin. Die ist noch dazu malerisch talentiert, was des Jungen Mutter für ihre Galerie ausnützt.

Kritik zu Das wahre Leben

Die bürgerliche Familie als Schlachtfeld. In Alain Gsponers amüsanter Komödie mit ernstem Hintergrund zerbricht die heile Vorstadtidylle.

Über das Ende des Kleinfamilienmodells debattieren seit Jahrzehnten Soziologen, Psychologen und Sozialarbeiter, aber sie ist immer noch da, lebendiger und kaputter denn je. Was da in den netten Eigenheimen passiert, das zeigt Alain Gsponer in dieser schnörkellosen Burleske. Der Originaltitel hieß "Bummm!" und lässt ahnen, dass es knallt, und zwar nicht nur zwischen den Familienmitgliedern. Alles geht seinen geordneten Gang, der Vater bringt als hochbezahlter Risikomanager das nötige Kleingeld, was Galeristin-Gattin und die beiden Söhne gerne ausgeben. Als der Workaholic seinen Job verliert, fangen die nicht besonders engen Bande an zu bröckeln. Der wilde Aktionismus des beschäftigungslosen Mannes, der Treppen, Türen und Wände einreißt und sich plötzlich um die Seinen kümmern will, geht allen auf den Nerv. Mama flüchtet sich in Kunst und muskulöse Männerarme, der ältere Filius outet sich in der Bundeswehr als schwul, der Jüngere bastelt Bomben und jagt Kitschskulpturen im nachbarlichen Garten in die Luft, in der Villa nebenan schaut der Herr des Hauses gerne ins Whiskeyglas und macht auf Harmonie - trotz tablettensüchtiger Frau und suizidgefährdeter Tochter. Ausgerechnet in die verguckt sich der heranwachsende Boy, der bald gemeinsam mit ihr durch die Gegend zieht und sprengt, was ihm vors Pulver kommt. Der Blick in die moderne Familie endet mit einem Paukenschlag. Wenn der Junge das Haus abfackelt und sich alle vor den rauchenden Trümmern treffen, könnte das auch einen Neuanfang bedeuten.

Gsponer beobachtet "Das wahre Leben", das Familiengeflecht mit seinen Macht- und Unterwerfungsmechanismen, mischt ernste und heitere Töne. Beim Auseinandernehmen von Innen- und Außenwelt lässt er sich nicht auf satirische Untertöne ein, sondern auf milde Ironie. Mit Ulrich Noethen als Versager, Katja Riemann als gebildetes Muttertier und Shooting Star Hannah Herzsprung versammelt sich ein urkomisches Power-Trio. Besonders Riemann mit coolen Sprüchen und trockenem Humor das Gegenteil vom Heimchen am Herd beweist, dass sie lange unterschätzt wurde und zeigt's ihren Kritikern. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Aber dieses Pack wächst uns in seiner Unbrechenbarkeit ans Herz. mk.

Wertung Questions?

FilmRanking: 18603 >99

Filmwertung

Redaktion
-
User
-
Deine Wertung

Action

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Humor

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Gefühl

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Spannung

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Anspruch

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Info

Plakat des Films: Das wahre Leben
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 08.03.2007

Deutschland 2006

Länge: 1 h 48 min

Genre: Drama

Originaltitel: Das wahre Leben

Regie: Alain Gsponer

Drehbuch: Matthias Pacht, Alexander Buresch

Musik: Marius Felix Lange

Produktion: Andreas Bareiss, Gloria Burkert, Bernd Burgemeister

Kostüme: Barbara Grupp

Kamera: Matthias Fleischer

Schnitt: Melanie Werwie

Ausstattung: Renate Schmaderer