Michael Bully Herbig erzählt in dem deutschen Drama die wahre Geschichte einer waghalsigen Flucht aus der DDR mit einem selbstgebastelten Heißluftballon - inszeniert wie ein Hollywood-Thriller.

Kinostart: 27.09.2018

Handlung

Deutsche Demokratische Republik, zehn Jahre vor der Wiedervereinigung: Nicht jeder hat sich mit dem Regime der SED abgefunden. Peter und Doris Strelzyk (Friedrich Mücke, Karoline Schuch) wollen mit ihrem beiden Kindern in den Westen flüchten - mit einem selbstgebastelten Heißluftballon. Der erste Fluchtversuch scheitert, als sie mit dem Ballon kurz vor der Grenze bruchlanden.

Die Familie kann zwar vom Tatort fliehen, hinterlässt aber Spuren, inklusive des havarierten Heißluftballons. Die auf den Plan gerufene Staatssicherheit beginnt mit den Ermittlungen nach den verhinderten Flüchtlingen. Familie Strelzyk lebt in der Ungewissheit, wie lange sie vor der Entdeckung durch die Staatsgewalt sicher ist.

Um der drohenden Festnahme zu entgehen, überzeugen sie Petra und Günter Wetzel (Alicia von Rittberg, David Kross), einen zweiten Ballon zu bauen und einen erneuten, gemeinsamen Fluchtversuch zu starten. Doch die Zeit läuft gegen sie. Mit jedem Tag, den sie mit den heimlichen Vorbereitungen verbringen, scheint ihnen die Stasi näher zu kommen - vor allem, da auch in der Zivilbevölkerung überall Spitzel sitzen.

Kritik

Regisseur Michael Bully Herbig brilliert mit einem atemlosen, bewegenden Thriller über die wohl spektakulärste Republikflucht.

Besser geht's nicht. Natürlich ist Michael Bully Herbig ein brillanter Komödiant und einige der erfolgreichsten deutschen Filme sind ihm als "total filmmaker" vor und hinter der Kamera zu verdanken. Sein Timing, seine Genauigkeit, seine Phantasie und sein (Spiel-)Witz sind hinlänglich dokumentiert. Nun liefert Herbig mit "Ballon" einen perfekten Thriller ab, der gleichzeitig die Nerven zum Zerreißen spannt, als hoch emotionale Familiengeschichte zu Herzen geht und obendrein deutsch-deutsche Wirklichkeit der späten 70er Jahre mit beispielloser Authentizität und Glaubwürdigkeit in Bilder fasst. Ganz offensichtlich hat dieser Stoff Herbig schon seit Jahren umgetrieben. Die Rechte lagen in Hollywood bei Disney, dort hatte man den Stoff drei Jahre nach der gelungenen Flucht 1982 verfilmt. Herbigs Erzählperspektive ist aber eine andere. Ganz nahe an den beiden Familien wollte er die Geschichte erzählen. Die Strelzyks und die Wetzels setzten ihre ganze Existenz aufs Spiel, um sich und ihren Kindern eine Zukunft in Freiheit zu sichern. Aus ihren Stasi-Akten ist zu erkennen, wie nah ihnen die Staatsmacht auf den Fersen war, um nach dem ersten gescheiterten Versuch, mit dem Ballon über die Grenze zu fliegen, ein zweites Mal auf jeden Fall zu verhindern. Wie Herbig die Geschichte erzählt, sorgt für atemlose Spannung ab Minute eins. Das Milieu der beiden Familien, die Zeitumstände, die ständige Bevormundung und Bedrohung durch die DDR-Staatsmacht und ihre Unterlinge schildert er genauso glaubwürdig und souverän wie den schieren Wahnsinn des Unterfangens, aus Hunderten von Metern heimlich gekaufter Ballonseide ein gigantisches Fluggerät zu konstruieren, das im eingeschränkt zugänglichen Grenzgebiet unauffällig zum Fliegen gebracht werden muss. Die Nöte, Ängste und Zweifel der Familien inszeniert er so überzeugend wie ihren Mut und ihre Solidarität. Dass große Teile der Geschichte aus den Augen ihrer Kinder erzählt sind, verleiht dem Film zusätzlich emotionale Tiefe. Mit Friedrich Mücke, Karoline Schuch, David Kross und Alicia von Rittberg hat er herausragende Darsteller gefunden, die in ihrem Spiel so nuancenreich sind wie Thomas Kretschmann, der seinen Stasioffizier latent gefährlich und fernab von jedem Klischee gibt. Herbig kennt seine großen Vorbilder: Spielberg, Hitchcock, Eastwood - sie grüßen alle von Ferne, wenn er mit diesem Film zeigt, dass er selbst ein Meister ist. Einen besseren Thriller aus Deutschland wird man auch als Cineast so leicht nicht finden.

uh.

Redaktions-Tipp

Bully macht Ernst: Die riskante Flucht über den eisernen Vorhang im selbstgebauten Heißluftballon ist im Kino so packend und bewegend wie bei Spielberg.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 27.09.2018

Deutschland 2018

Länge: 2 h 5 min

Genre: Drama

Originaltitel: Ballon

Regie: Michael Bully Herbig

Drehbuch: Kit Hopkins, Thilo Röscheisen

Musik: Ralf Wengenmayr

Kostüme: Lisy Christl

Kamera: Torsten Breuer

Schnitt: Alexander Dittner

Ausstattung: Bernd Lepel

Website: http://www.studiocanal.de/kino/ballon

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