Ensembledrama über vier Gruppen von Menschen, deren Leben vom selben Gewehrschuss für immer verändert wird, ohne dass sie einander jemals treffen.

Kinostart: 02.12.2015

Brad Pitt

Brad Pitt
als Richard

Szenenbild aus Babel mit Cate BlanchettCate Blanchett

Cate Blanchett
als Susan

Said Tarchani
als Ahmed

Gael García Bernal
als Santiago

Adriana Barraza
als Amelia

Elle Fanning
als Debbie

Nathan Gamble
als Mike

Robert Esquivel
als Luis

Kôji Yakusho
als Yasujiro

Rinko Kikuchi
als Chieko

Die Handlung von Babel

Ein einziger Gewehrschuss verändert das Leben mehrerer Menschen auf drei Kontinenten, die sich fast nie begegnen. Bei fahrlässigen Schießübungen verletzen zwei marokkanische Jungen die amerikanische Bustouristin Susan (Cate Blanchett) lebensgefährlich. Ihr Mann Richard (Brad Pitt) bangt in einem Dorf bar medizinischer Hilfe um sie. Der Vorfall wird zum Politikum, und eine Jagd auf vermeintliche Terroristen nimmt ihren Lauf. Derweil schmuggelt die Haushälterin Amelia (Adriana Barraza) zwei Kinder mit auf eine Hochzeit in Mexiko. Und in Japan leidet die taubstumme Chieko (Rinko Kikuchi) unter Vereinsamung.

Weltumspannendes Ensembledrama mit vier raffiniert ineinander verwobenen Storys, in denen Alejandro González Iñárritu ("21 Gramm") eindringlich und packend über Schuld, Schmerz, Vergebung und die Unfähigkeit miteinander zu sprechen meditiert.

Zwei marokkanische Jungen spielen mit einem Gewehr, ein Schuss löst sich. Mit einem Schlag wird das Leben von vier voneinander unabhängigen Gruppen von Menschen aus drei verschiedenen Kontinenten auf den Kopf gestellt. Darunter befinden sich ein amerikanisches Paar, ein rebellischer japanischer Teenager und sein Vater sowie ein mexikanisches Kindermädchen, das zwei amerikanische Kinder über die Grenze schmuggelt. Keiner der Fremden wird sich jemals treffen, auch wenn sie sich in diesem einen Moment so nah sind, wie Menschen nur sein können.

Im Hinterland Marokkos fällt ein Schuss, abgefeuert von einem Hirtenjungen. Die Kugel durchschlägt die Scheibe eines Reisebusses, in dem ein kalifornisches Ehepaar sitzt. Schwer getroffen sinkt die Frau zusammen. In Mexiko schmuggelt derweilen ihre Nanny deren zwei Kinder über die Grenze, während im fernen Tokio ein stummes Teenager-Mädchen heftig gegen ihren Vater rebelliert. Der hatte einst nach Beendigung des Wüstenurlaub ein altes Gewehr an seinen einheimischen Jagdführer verschenkt.

Kritik zu Babel

Ein in den Bergen von Marokko abgefeuerter Schuss ist das Bindeglied von drei scheinbar unzusammenhängenden Geschichten in drei Kontinenten, mit denen der mexikanische Filmemacher Alejandro González Inárritu seine mit "Amores perros" und "21 Gramm" begonnene Trilogie zu Ende führt.

Der sprichwörtliche Schuss, den man auf der ganzen Welt hört, bildet den Ausgang für ein weiteres Spiel von Alejandro González Inárritu mit Raum und Zeit. Spürbar weniger nervös und fragmentiert als der Vorgänger "21 Gramm" und weitaus ambitionierter als die bisherigen Arbeiten des Mexikaners, malt der in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnete Filmemacher auf der denkbar größten Leinwand, lässt die Handlung von Afrika nach Amerika und Asien und wieder zurück springen und bleibt doch ein intimes Porträt der Figuren, die er ins Visier nimmt: Zwei marokkanische Hirtenjungen spielen mit einem Gewehr, das der Vater illegal erworben hat, um seine Ziegenherde vor Angriffen von Schakalen zu schützen. Ein amerikanisches Ehepaar versucht auf einer Afrikareise nach einer Beziehungskrise wieder zueinander zu finden. Eine vom Selbstmord der Mutter traumatisierte taubstumme Japanerin versucht einen jungen Polizeibeamten zu verführen, der ihren Vater im Zusammenhang mit einem Verbrechen befragen will. Eine mexikanische Haushälterin nimmt die beiden ihr zur Aufsicht übertragenen Kinder mit zur Hochzeit ihrer Tochter. Die einzelnen Situationen spitzen sich jeweils scheinbar unabhängig voneinander zu und sind doch unausweichlich miteinander verwoben. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, dass die Handlungsfäden der einzelnen Geschichten schließlich zusammenlaufen.

Wie der biblische Titel bereits impliziert, geht es Inárritu, der erneut mit einem Drehbuch des Literaten Guillermo Arraga Jordan arbeitet, um die Sehnsucht des Menschen nach Kontakt und die Unmöglichkeit von Kommunikation. Ob es nun das Mädchen ist, das nicht hören und deshalb nicht verstehen kann, was um sie herum vorgeht, oder die Haushälterin, die ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt, um das Anderer zu retten, aber kein Gehör bei den US-Behörden findet, oder den Amerikaner, dessen persönliche Tragödie nur politisch ausgeschlachtet wird, während er verzweifelt um das Leben seiner Frau kämpft: "Babel" zeigt die Welt als potenzielles Paradies, das nur durch menschliches Zutun, durch unsere Unfähigkeit zuzuhören und zu verstehen zur Hölle wird. Viele Szenen und Momente brennen sich in die Erinnerung ein: Wenn der Amerikaner seine schwer verletzte Frau küsst, während sie in einer kleinen Hütte auf einem Topf ihre Notdurft verrichtet. Wenn Inárritu in einem lauten Club in Tokio das Geschehen mit dem lautlosen Erleben des Mädchens gegenschneidet. Oder wenn die Haushälterin im roten Abendkleid ziellos durch die Wüste läuft. Es ist die Menschlichkeit der Erzählung, die "Babel" so intensiv macht, zu einem Meisterwerk des Weltkinos, politisch brisant und doch ganz privat: Alles ist simpel und nachvollziehbar und gerade deshalb so kompliziert - auch wenn der Regisseur sein Publikum schließlich mit einem Lichtstrahl der Hoffnung aus dem Kino entlässt. Mit Brad Pitt, Cate Blanchett und Gael Garcia Bernal an der Spitze einer weitgehend aus Laien bestehenden Besetzung ist die Chance jedenfalls groß, dass auch das Mainstream-Publikum aufhorcht, um die Echos des einen fatalen Schusses zu hören. ts.

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Info

  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 02.12.2015

USA 2006

Länge: 2 h 24 min

Genre: Drama

Originaltitel: Babel

Regie: Alejandro González Iñárritu

Drehbuch: Guillermo Arriaga Jordan

Musik: Gustavo Santaolalla

Produktion: Jon Kilik, Steve Golin

Kostüme: Michael Wilkinson

Kamera: Rodrigo Prieto

Schnitt: Stephen Mirrione

Ausstattung: Brigitte Broch

Auszeichnungen

1 x Cannes: